Haftstrafe für dreifachen Dieb

Betrunken vor Gericht: „Ich dachte, das fällt jetzt nicht auf“

Lüdenscheid - Sikuautos sind eine feine Sache. Es war aber weniger die durchaus nachvollziehbare Faszination durch die Produkte einer Lüdenscheider Traditionsfirma als vielmehr Geldgier, die einen 42-jährigen Lüdenscheider veranlassten, im Rewe-Markt an der Altenaer Straße fünf Siku-Autos im Gesamtwert von knapp 76 Euro mitgehen zu lassen.

Am gleichen Tag, 2. September, am gleichen Ort, war der Mann bereits mit zwei Siku-Autos und zwei Dosen Tabak im Wert von gut 74 Euro erwischt worden. Am 10. November war der Edeka-Markt Unterm Freihof das Ziel des Diebes: Dort scheiterte er bei dem Versuch, vier Dosen Tabak im Wert von 70 Euro mitgehen zu lassen.

Der Angeklagte gab alle drei Taten uneingeschränkt zu und versuchte sich an einer Begründung: „Sie wissen, dass ich spielsüchtig bin“ - nicht etwa nach Spielen, die man mit Siku-Autos machen kann, sondern nach jenem unverantwortlichen und ruinösen Treiben, zu dem Spielhallen einladen. 

Entsprechend schimpfte der Angeklagte, dass es solche Verlockungen überhaupt gebe. Dass er sich trotz des mittäglichen Gerichtstermins einer weiteren Sucht hingegeben hatte, deuteten seine ausgeprägte Redseligkeit, sein hochrotes Gesicht und ein sich im Gerichtssaal deutlich ausbreitender Alkoholgeruch an. Richter Thomas Kabus fragte nach: „Sind Sie verhandlungsfähig?“ „Ja“, versicherte der 42-Jährige und erklärte: „Ich habe ein paar Bier getrunken. Ich dachte, das fällt jetzt nicht auf.“

Unter den vier Vorstrafen des Angeklagten befand sich auch ein Diebstahl mit Waffen. Zur Erklärung holte der Angeklagte einen Schlüsselanhänger mit einer kleinen Schere heraus, worauf Richter Thomas Kabus einen Justizmitarbeiter von der Pforte herbeitelefonierte. Der winkte allerdings ab: „Wenn ich das konfiszieren müsste, müsste ich auch jeden Kugelschreiber konfiszieren.“

Der Angeklagte nutzte sein letztes Wort, um sich für die erwartete Bewährungsstrafe zu bedanken. Doch es kam anders: Da der 42-Jährige nach seinen eigenen Angaben spiel- und alkoholsüchtig sei, könne er ihm keine günstige Sozialprognose stellen, befand der Richter und verurteilte den dreifachen Dieb zu einer Haftstrafe von vier Monaten ohne Bewährung.

„Da war ich wohl zu voreilig“, verabschiedete sich der Mann hinter der roten Nase, als er hart auf dem Boden der Tatsachen angekommen war.

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