43 Fälle

Hatte "was Großes" vor: Mann betrügt Versicherung um 236.000 Euro

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Lüdenscheid - Er hatte "was Großes" vor. Leider funktionierte die Sache mit der wundersamen Geldvermehrung nicht. Für den 58-Jährigen gab es jetzt die Quittung.

Sich Geld zu leihen, um seine Schulden zu bezahlen, das klingt nach den Worten von Amtsrichter Thomas Kabus wie: „Das eine Loch mit dem anderen stopfen“. Der Mann, der vor ihm sitzt, Berufsbezeichnung „Geschäftsführer“, 58 Jahre alt, wollte offenbar beweisen, dass das Prinzip der „wundersamen Geldvermehrung“ trotzdem funktioniert.

Nun steht er wegen gewerbsmäßigen Betruges in 43 Fällen unter Anklage. Ohne Umschweife erklärt er, er habe „was Großes“ vorgehabt, „dooferweise mit viel Euphorie“. Von Marketing ist die Rede. Und er brauchte Geld dafür.

Die Masche klingt simpel: Der Lüdenscheider, Inhaber einer Vermögensberatungs- und Vermittlungsgesellschaft für Versicherungen, schließt Lebensversicherungen bei einem namhaften Konzern ab und unterzeichnet sie mit den Namen irgendwelcher Leute – zum Teil seiner eigenen Tochter oder anderer Verwandter, zum Teil mit Namen von Menschen, die es gar nicht gibt.

Der Versicherungskonzern belohnt sein vorgebliches Engagement mit üppigen Provisionen. Um die Beiträge für die Policen bezahlen zu können, fertigt der Makler noch mehr Verträge an, kassiert noch mehr Provision, muss aber auch die neuen Kontrakte bedienen und rutscht dabei immer tiefer ins Schuldenloch.

So ergaunert der Lüdenscheider sich laut Staatsanwaltschaft innerhalb eines Jahres 235.960 Euro. Der Vertriebsdirektor des betrogenen Konzerns beziffert das Saldo sogar auf 260.000 Euro. Strafverteidiger Dirk Löber dagegen hält „die gesamte Berechnung“ der Anklagebehörde für „falsch“.

Einzelne Beträge seien nicht vollständig an seinen Mandanten ausgezahlt worden, sondern als „Reserve“ auf einem sogenannten Storno-Konto geparkt worden. Von diesem Konto bediene sich der Konzern, falls mal ein Vertrag platzt oder gekündigt wird. Die Staatsanwältin sieht keinen Milderungsgrund. „Wenn ich einen Vertrag, der nicht existiert, deshalb bediene, damit die Sache nicht auffliegt, dann ist das Betrug.“

Als die Sache dann doch auffliegt, weil der Vertriebsdirektor misstrauisch geworden ist, macht der Versicherungsmakler einen „Cut“, wie er sagt. „Ich hätte noch zehn Verträge mehr machen können, aber ich wollte nicht mehr.“

Er schlafe seit drei Jahren „keine Nacht mehr“. Inzwischen hat der Angeklagte laut Rechtsanwalt Löber damit angefangen, den Schaden wiedergutzumachen. Am Morgen vor Prozessbeginn sind angeblich 25.000 Euro geflossen, in den nächsten Tagen sollen weitere 70.000 überwiesen werden.

In einem Verständigungsgespräch lässt sich das Gericht auf die Zusage ein, auf eine bewährungsfähige Freiheitsstrafe von eineinhalb bis zwei Jahren zu erkennen – aber nur, wenn der Angeklagte nachweist, dass er den Forderungen des Versicherungskonzerns nachkommt. Dafür hat er bis zum 19. Dezember Zeit, dann wird der Prozess fortgesetzt. Eine Frage bleibt vor dem Schöffengericht ungeklärt – nämlich die, wo der Schuldner sich zur Schuldentilgung so viel Geld besorgt hat.

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