Betrügerische Spendensammlungen: 900 Euro Geldstrafe

Lüdenscheid - Ärgerlich für alle ehrlichen Spendensammler sind jene Fälle, in denen Straftäter die Großzügigkeit von Mitbürgern für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. So musste sich jetzt eine 22-Jährige im Amtsgericht verantworten, die in Lüdenscheid und Iserlohn wegen betrügerischer Spendensammlungen aufgefallen war.

Die Frau hatte behauptet, für eine rumänische Behindertenorganisation zu sammeln. Diese existierte aber nicht. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, legte sie den Spendern eine Liste vor, in die sie sich eintragen sollten. Deshalb konnte die Polizei auch relativ genau feststellen, wieviele Spender Geld gegeben hatten und wie hoch der Schaden durch den Betrug war.

90 Euro kamen am 30. Juli 2014 in Lüdenscheid zusammen. Als nicht nachweisbar erwies sich, dass die Angeklagte hier einer Spenderin auch noch ins Portmonee gegriffen haben sollte. Nachdem die 22-Jährige einige Tage später 85 Euro in Iserlohn eingesammelt hatte, wollte ein Ordnungsamtsmitarbeiter sie festhalten. Sie entriss sich jedoch und versuchte, die angefertigte Liste zu zerreißen. Im Amtsgericht nannte der Zeuge einen guten Grund, zurückhaltend zu sein: „Sie war hochschwanger und hat um sich geschlagen.“ In dieser Situation habe er sich gedacht: „Bevor die stürzt, lass sie lieber laufen.“

Warum die betrügerische Sammelaktion relativ erfolgreich verlief, erklärte ein „immer im Dienst“ befindlicher Fotoredakteur aus Iserlohn: „Das Ganze wirkte sehr glaubwürdig. Als ich gesehen habe, wieviele Leute gespendet haben, wollte ich mein Scherflein beitragen.“ Die Angeklagte habe angegeben, dass das Geld für taubstumme, behinderte Kinder bestimmt sei.

Die Rangelei der Angeklagten mit dem Mitarbeiter des Iserlohner Ordnungsamtes hatte der Zeuge fotografiert, doch Richter Andreas Lyra stellte schließlich auch das Verfahren wegen „Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte“ vorläufig ein. Er verurteilte die Angeklagte aber wegen 16-fachen Betruges zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare