Mildes Urteil

Betrügerin weint Freudentränen im Gerichtssaal

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Symbolbild

Es ist einen tränenreicher Vormittag für die vorbestrafte Betrügerin. Die 28-Jährige sitzt seit vier Wochen in Strafhaft im Bielefelder Frauenknast. Dort soll sie bis Ende Februar bleiben – und wirkt schon jetzt „tief beeindruckt“, wie Amtsrichter Thomas Kabus feststellt.

Lüdenscheid - Die Angeklagte schluchzt auf, als ihre Eltern den Gerichtssaal betreten, um den Schöffengerichtsprozess gegen ihre Tochter zu beobachten. Und weint still in sich hinein, als der Staatsanwalt die Anklage vorträgt: Es geht um gewerbsmäßigen Betrug in 19 Fällen – und die drohende Gefahr einer Verlängerung ihrer Zeit hinter Gittern.

Auf Internet-Verkaufsplattformen wie Ebay-Kleinanzeigen oder Kleiderkreisel hat die gelernte Verkäuferin im vergangenen Jahr monatelang Waren gegen Vorkasse angeboten – und ihre Opfer mit „vernünftigen Preisen“ angelockt, wie ein Zeuge sagt. So flossen mehr als 3200 Euro auf verschiedene Konten, die Polizei und Justiz mit der Frau in Verbindung gebracht haben. Spielkonsolen, Kopfhörer, mal ein Handy – nichts von alledem bekamen die Kunden geliefert.

Nach einem Verständigungsgespräch hinter verschlossenen Türen, in dem sich Richter, Staatsanwalt und Strafverteidiger Arnd Katzke über ein mögliches Geständnis und den Strafrabatt dafür unterhalten haben, teilt der Rechtsanwalt mit: „Die Taten werden eingeräumt, zu Einzelheiten kann und möchte sich die Angeklagte nicht äußern.“ Sie nickt dazu und schnieft in ihren Blusenärmel.

Doch dann erklärt sie doch etwas – nämlich, wer der wirklich Schuldige ist an der ganzen Misere: ihr Ex-Freund. Er sei spielsüchtig und arbeitslos gewesen und habe bei ihr gewohnt, ohne sich an Mietkosten oder dem Lebensunterhalt zu beteiligen. „Er sagte, er könnte schnell Geld machen.“

Mit ihrem Einverständnis und ihren Personalien habe er dann Konten eröffnet. „Danach konnten wir wieder ordentlich einkaufen, und es waren auch wieder genug Zigaretten da.“ Aber nach drei Jahren schmeißt sie ihn endgültig raus. Er sitzt inzwischen ebenfalls im Gefängnis.

Anwalt Katzke kämpft – wirbt für eine letzte Chance und plädiert für eine positive Sozialprognose für seine Mandantin. „Sie hatte großes Pech in ihrer Beziehung.“ Sie sagt: „Ich bin kein böser Mensch.“

Die Richter haben ein Einsehen, verhängen eine Gesamtstrafe von 22 Monaten, die die letzte Verurteilung mit einbezieht. Und setzen die zur Bewährung aus. Wieder fließen Tränen auf der Anklagebank, diesmal Freudentränen.

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