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Betrügereien am Klinikum: Abteilungsleiter bestreiten Mitwisserschaft

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Von: Olaf Moos

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Klinikum Lüdenscheid
Symbolbild © Cedric Nougrigat

Jahrelang haben sich externe Handwerker und Beschäftigte der technischen Abteilung des Klinikums Hellersen durch fingierte Aufträge und Bestechlichkeit auf Kosten des Krankenhauses illegal bereichert – so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft.

Lüdenscheid - Über die Rolle der zuständigen Abteilungsleiter sagte der Hauptangeklagte (54) in der vergangenen Woche: „Es kann mir keiner erzählen, dass die nichts gewusst haben.“ Doch der Chef der mutmaßlich bestechlichen Klinik-Mitarbeiter weist den Verdacht von sich. „Ich wurde auf niederträchtige Weise belogen und betrogen“, so der inzwischen pensionierte Abteilungsleiter im Zeugenstand.

Der Fall

Ein Installateur (54) aus Meinerzhagen und ein 40 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter des Klinikums Hellersen müssen sich am Landgericht Hagen wegen gewerbsmäßigen Betruges und Bestechlichkeit verantworten. Die Angeklagten sollen die Märkischen Kliniken mit falschen Abrechnungen und fingierten Aufträgen um mehr als 600 000 Euro betrogen haben. Die Verkündung des Urteils ist für den 16. Dezember geplant.

Der 65-Jährige aus Plettenberg, vormals 35 Jahre im Klinikum angestellt, berichtet von zahllosen Rohrbrüchen, etwa 240 pro Jahr, „die mussten bearbeitet werden, im laufenden Betrieb“. Dass es bei weitem nicht so viele Schäden waren oder Material und Stunden berechnet wurden, die nie angefallen sind, dafür habe er „keinerlei Anhaltspunkte“ gehabt, sagt der Zeuge. „Ich habe mich auf meine Leute verlassen.“

Allerdings räumt der Abteilungschef auch ein, dass es „wegen des Aufwandes und der Personalsituation“ nicht möglich gewesen sei, alle Aufträge detailliert zu prüfen. Der Installationsbetrieb habe auch technische Hausmeisterarbeiten bis hin zu Rufbereitschaften erledigt, „wir hatten ja keine eigenen Leute mehr“.

Zu seinen früheren Mitarbeitern geht der 65-Jährige deutlich auf Distanz. Hätte er von den Unregelmäßigkeiten und Betrügereien gewusst, sagt er, „dann wäre das alles nicht passiert“. Und verbilligte Arbeiten der Installateure in privaten Badezimmern von Beschäftigten? „Davon weiß ich nichts.“

Der stellvertretende Leiter der Abteilung, ein 48-jähriger Ingenieur, steht nach Worten des Vorsitzenden Richters Andreas Behrens selbst „ein bisschen im Fokus“. Doch dass stapelweise falsche Abrechnungen der Klempner im Klinikum kursierten, „das war mir nicht bekannt. Ich hätte nie gedacht, dass das so kommt“.

Allerdings nährt der Zeuge Zweifel an seiner Redlichkeit. Denn zu einzelnen Anklagepunkten – etwa eine dubiose Anweisung, die Klempnerarbeiten „nicht so genau zu prüfen“ oder die „Portionierung“ von Aufträgen in kleinere und unauffälligere Rechnungssummen – erklärt der Zeuge mehrfach: „Dazu möchte ich mich nicht äußern.“

Der Prozess wird am 17. November um 9 Uhr im Saal 101 des Hagener Landgerichts fortgesetzt.

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