Betrüger am Amtsgericht: Letzte Ermahnung, allerletzte Chance

Lüdenscheid - Die Drei kennen sich noch von der Förderschule. Damals waren sie unschuldige Jungs. Dann kamen die ersten Gaunereien und Vorstrafen, meistens auf Bewährung, ein paarmal Jugendarrest oder Sozialstunden. Heute sagt Jürgen Leichter, Vorsitzender des Schöffengerichts, zu ihnen: „Jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“ Und: „Das ist kein Witz hier.“ Nun sei der Erwachsenenrichter dran, nicht mehr der Jugendrichter. „Da gibt’s nix mehr zu lachen.“

Das müssen die reichlich vorbestraften Lüdenscheider – 23, 24 und 25 Jahre alt – wohl erst noch begreifen. Denn die mahnenden Worte der Richter in den zurückliegenden Betrugsverfahren hatten diesen Effekt: Einer bestellt per Internet für knapp 2000 Euro unter falschem Namen zwei Teleskope. Der Zweite nimmt sie in seinem An- und Verkaufsgeschäft am „Knapp“ entgegen. Der Erste wiederum bietet die Dinger flugs bei „ebay“ für die Hälfte zum Verkauf an. Und mit dem Dritten, der ebenfalls eingeweiht ist, fahren sie nach Naumburg an der Saale in Sachsen-Anhalt. Hier wohnt ein Mann, der eines der Teleskope für 550 Euro gekauft hat.

Aber er hat sich auch die Gesichter gemerkt und die Handynummer und das Kfz-Kennzeichen aus Lüdenscheid aufgeschrieben. Denn als er sich beim ursprünglichen Verkäufer um eine Rechnung bemüht und scheitert, fliegt die ganze Sache auf. So wird das Geschäft für die Täter zu einem Bumerang. Auch der zweite Kunde aus der Gegend von Stuttgart erkennt schnell, dass er Hehlerware gekauft hat.

Die Verteidiger Frank Peter Rüggeberg, Dirk Löber und Holger Becher ahnen, dass es angesichts der Vorstrafen eng wird für ihre Mandanten. Sie bitten das Gericht um eine Verständigung, bieten Geständnisse an und locken mit einer „Abkürzung des Verfahrens“. Die Richter gehen darauf ein. Den vergeblichen Ermahnungen und serienweise letzten Warnungen folgt abermals die letzte Chance, auf freiem Fuß zu bleiben.

Der Haupttäter muss 5400 Euro Geldstrafe bezahlen. Der Zweite kriegt wegen Beihilfe zum Betrug sechs Monate mit Bewährung, der Dritte wegen Begünstigung vier Monate mit Bewährung.

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