Der Schaden beträgt mehrere tausend Euro

Betreuer verlässt kurz den Raum - Schulkinder werfen Steine auf Autos: Wer zahlt?

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Symbolfoto

Lüdenscheid – Wie umfassend müssen die Kinder in einer Offenen Ganztagsschule (OGS) betreut werden? Und wer kommt für die Schäden auf, wenn die geleistete Betreuung sich im Nachhinein als unzureichend erweist?

Im Amtsgericht Lüdenscheid sprach Richter Udo Dünnebacke von einem „aus dem Leben gegriffenen Fall“, der Anlass für eine Beantwortung dieser Fragen bot. Der Kalender zeigte den 25. April 2018: Sechs- und siebenjährige Kinder spielten unter der Aufsicht eines Betreuers im Außenbereich der OGS der Otfried-Preußler-Grundschule in Gevelndorf. 

Um weitere Kinder von der Bushaltestelle abzuholen, musste der Betreuer die Einrichtung kurzzeitig verlassen. Er benachrichtigte eine Kollegin, die auf die Ansprache offenbar nicht reagierte. Schon dieser Hinweis zeige, „dass ein gewisses Gefahrenbewusstsein da war“, stellte der Richter fest. 

Kinder schleudern Steine auf Nachbargrundstück

Vorab hatte er fachkundigen Rat bei seiner Frau und seiner Tochter eingeholt, die zwei Offene Ganztagsschulen leiten: Kann man Kinder dieses Alters für 10 bis 15 Minuten unbeaufsichtigt lassen? Die Antwort war ein recht eindeutiges Nein. 

Die Geschehnisse gaben den Damen Recht: Die vorübergehend alleingelassenen Kinder schleuderten Steine auf das Nachbargrundstück und freuten sich über das Plink Plank, als die Steine nicht nur einen Müllcontainer, sondern auch zwei Autos trafen. An den Fahrzeugen entstand ein Schaden von knapp 3000 Euro, den die Mark Wohnungsgesellschaft als Kläger vom CVJM Stadtverband als Betreiber der OGS forderte. 

Eltern sollten Schaden der Versicherung melden

Angeblich war in der OGS zuerst geplant, die Eltern der Kinder sollten ihre Haftpflichtversicherungen bitten, den Schaden zu begleichen. Darüber wurde im Gerichtssaal allerdings nicht gesprochen: Denn die Aufsichtspflicht für die Kinder war unzweifelhaften an den Betreiber der OGS übergegangen. 

Nach der Vorrede des Richters standen die Chancen der Kläger auf Entschädigung gut. Die Vertreter der Wohnungsgesellschaft zeigten sich allerdings kompromissbereit, und so kam ein Vergleich zustande: Die Versicherung des CVJM zahlt zwei Drittel der verlangten Schadenssumme plus anteilige Gebühren und Gerichtskosten. Deren Rechtsbeistand stimmte dem Vergleich aber nur vorläufig zu. Ein möglicher Widerruf der gefundenen Einigung durch die Versicherung ist deshalb nicht ausgeschlossen. 

Klägern fürchten Wiederholung

Richter Udo Dünnebacke kündigte für diesen Fall eine schriftliche Entscheidung an. Rechtsanwältin Silke Balzer machte im Namen der Kläger deutlich, dass es diesen weniger um die fällige Entschädigung als eine unbeschwerte Zukunft gehe: „Unserer Mandantschaft macht dieses Verfahren keinen Spaß. Die Kläger leben aber in der Angst, dass wieder irgendwelche Steine fliegen.“ 

Der Vertreter des beklagten CVJM reagierte auf die berechtigte Bitte, das Problem „an der Wurzel zu packen“ etwas verhalten: „Wir werden das prüfen!“

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