"Das ist ein bisschen wie bei Romeo und Julia"

Besuchsverbot in Geburtsklinik im MK: Mütter präsentieren Babys den Vätern am Balkon

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Die jungen Eltern Jacqueline und Stephan Kremer dürfen im Klinikum Lüdenscheid Baby Charlie gemeinsam kennenlernen – allerdings mit Einschränkungen.

Lüdenscheid – Geschäfte öffnen, Besucher dürfen ab Sonntag wieder Bewohner in Pflegeheimen besuchen – in Krankenhäusern gilt aus Sicherheitsgründen weiterhin ein Besuchsverbot oder zumindest eine stark eingeschränkte Besuchsmöglichkeit. Das gilt auch für Väter.

Kurz nach der Geburt des Kindes ist das eine besondere Herausforderung für die Familien, weiß auch Anke Halbekann, Leiterin der Bergstadtklinik. Dort sind Besuche auf der Wochenstation derzeit wegen der Corona-Pandemie verboten. Doch immerhin: Die jungen Eltern wissen die Zeit zu überbrücken. 

„Wir haben einen Balkon an den Zimmern, der in Richtung Parkplatz ausgerichtet ist. Die Mütter stehen dann mit den Kindern auf dem Balkon und die Väter sehen von unten zu ihnen hoch – das ist ein bisschen wie bei Romeo und Julia.“ Natürlich sei das kein Ersatz, „aber auf jeden Fall besser als nichts“, sagt Halbekann. 

Schutz für alle

Und die Maßnahmen seien dringen notwendig, um die Patientinnen, die Kinder sowie das Personal zu schützen. Durch das Besuchsverbot „bleibt die Wochenstation unberührt“. Immerhin: Seit einigen Wochen darf der Vater, ein Elternteil oder ein anderer Nahestehender die Schwangere bei der Geburt begleiten. 

Durchgeführt werden in der Berglandklinik monatlich im Schnitt rund 50 Geburten, sagt Halbekann. „Daran hat sich auch durch Corona nichts geändert.“ Mit rein darf nur eine Person über den Seiteneingang der Berglandklinik. Nach der Geburt muss sie die Klinik direkt wieder verlassen. 

„Dabei sind entsprechende Schutzmaßnahmen einzuhalten – nur deshalb dürfen sie dabei sein“, sagt Anke Halbekann. Dazu gehören das Tragen eines entsprechenden Mundschutzes und Handschuhe. 

Besucher im Klinikum 

Etwas anders handhabt es das Klinikum Lüdenscheid. Mehr als 300 Geburten gab es dort seit Januar, ähnlich viele wie in 2019. Auch im Klinikum darf nur eine Begleitperson bei der Geburt dabei sein. Wer das ist, „das darf sich die werdende Mutter aussuchen“, sagt Corinna Schleifenbaum als Leiterin der Unternehmenskommunikation. 

Sowohl die Schwangere als auch die Begleitperson gelangen über den eingerichteten Check-Point ins Klinikum. Dort durchlaufen sie ein Screening – um etwa die Körpertemperatur zu messen – und müssen einen Fragebogen unter anderem zu Kontaktpersonen beantworten. „Das machen wir, um die Infektionsgefahr zu minimieren“, sagt Schleifenbaum. 

Lesen Sie mehr über die Entwicklungen rund um das Coronavirus im MK in unserem News-Ticker.

Nach der Geburt gilt im Klinikum allerdings kein striktes Besuchsverbot. Die Begleitperson, die bei der Geburt dabei war, darf anschließend auch die Mutter mit dem Kind besuchen. „Um das Besucheraufkommen zu minimieren ist das aber nur zu eingeschränkten Zeiten möglich. Die Person darf nur einmal am Tag zwischen 14 und 18 Uhr kommen“, sagt Schleifenbaum. 

Alle Maßnahmen dienten der Sicherheit aller – sowohl der Patienten als auch dem Personal. „Jeder kann theoretisch das Virus reintragen, ohne es zu wissen“, sagt sie. Denn nach wie vor gebe es symptomlose Krankheitsverläufe. 

Die Einschränkungen so durchzusetzen, „das macht man natürlich nicht gerne“, betont Schleifenbaum. „Aber sie dienen der Gesundheit aller und die hat oberste Priorität.“ Und wie gehen die jungen Eltern mit der Situation um? „Die Mütter und Väter hätten das sicher gerne anders“, sagt Schleifenbaum. „Aber die Reaktionen sind so, dass es akzeptiert wird.“

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