Roland Kaiser beim Lungentag: "Neues Leben geschenkt"

Schlagersänger Roland Kaiser, Dr. Hans Christoph Hartung und Pofessor Dr. Joachim Lorenz beim Lungentag (v.l.n.r.).

LÜDENSCHEID ▪ „Es war der bestbesuchte Lungentag seit der Durchführung in Lüdenscheid“, zogen die Initiatoren Professor Dr. Joachim Lorenz, Leiter der Lungenklinik Hellersen, und Dr. Hans-Christoph Hartung, niedergelassener Spezialist, Bilanz.

Etwa 300 Besucher und damit doppelt so viele wie im vergangenen Jahr zogen ins Kulturhaus, ließen ab 12 Uhr ihre Lungenfunktion testen oder Sauerstoff-Prüfungen durchführen und nutzten die Zeit bis zur Lesung mit Schlagersänger Roland Kaiser, um sich an den Ständen im Foyer zu informieren, Fragen zu stellen und sich Rat für ihre eigene Erkrankung zu holen.

Die Erwartungshaltung an den Schlagersänger war groß. Mit Spannung verfolgten die Anwesenden die Lesung des prominenten Gasts aus seinem autobiographischen Buch „Atempause“ – diese war fesselnd und vor allem eins: schonungslos ehrlich.

Kaiser berichtete von seinem Schock, als er die Diagnose COPD erhielt, eine chronische Erkrankung der Lunge mit Atemnot, Husten und Auswurf, bei der der Sauerstoffgehalt sinkt, die Kraft abnimmt, Wege beschwerlich werden, existenzielle Ängste und die Ungewissheit auftauchen, wie lange man noch zu leben hat.

Auch für Kaiser war das so. Er berichtete von seiner Zeit auf der Intensivstation. Beatmungsgerät, instabiler Kreislauf, der Körper verkabelt. Ein Schock für ihn und seine Familie. „Ich habe viele Fehler gemacht“, berichtete er. Vor allem diesen: er verschwieg lange seine Erkrankung, machte irgendwie weiter. Doch der Tag kam, an dem er auf der Bühne stand und ein Konzert abbrechen musste. „Ich kann nicht mehr singen“, bekannte er vor dem Publikum. Es folgte eine entsprechende Presseerklärung.

Es gab keine Alternative. Das Ende seiner Karriere? „Ich vertraute unserem Schöpfer, dass er helfen wird“, sagte Kaiser. Instinktiv habe er gewusst, dass dies nicht das Ende war. Er sollte Recht behalten. Als er im Februar 2010 mitten in der Nacht erfuhr, dass er am nächsten Morgen operiert werden kann, weil eine Spenderlunge da war, kam es zur Wende. Heute steht er erneut auf der Bühne, ist Botschafter des deutschen Lungentags, und will Betroffenen Mut machen, gesünder zu leben und mit dieser schweren Erkrankung umzugehen. „Mir wurde ein neues Leben geschenkt“.

Ein Leben, das er bewusst gestalte, Auftritte seien für ihn Geschenke, kein Stress. Seinen ersten bewussten Atemzug nach der OP habe er in eindrücklicher Erinnerung. Aber auch die mahnenden Worte des Arztes, dass er sofort das Rauchen einstellen müsse. Das hatte Kaiser tatsächlich bereits nach der ersten Diagnose getan.

Wie man dies Patienten klar machen könne, fragte Hartung. „Es gibt kein Rezept. Jeder Mensch ist anders, aber für mich war schonungslose Ehrlichkeit richtig“, antwortete Kaiser. Es gab noch viele Fragen der Anwesenden. Wie viele Zigaretten er geraucht habe. Ob es schwer gewesen sei aufzuhören oder wie groß die Gefahr sei, dass der Körper die Lunge wieder abstoße. Auch zu ihrer persönlichen Situation stellten Betroffene Fragen.

Im Anschluss signierte Roland Kaiser noch seine Bücher, und auch hier war das Interesse der Anwesenden an einem solchen Exemplar sehr groß.

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