Besuch am Grab des Vaters auf der Krim

Brigitta und Wilhelm Gottmann legten an der Stele, auf der Name von Alfred Gottman steht, Blumen nieder und zündeten eine Kerze an – für die Lüdenscheider war diese Reise in die Vergangenheit ein sehr bewegendes Erlebnis.

LÜDENSCHEID ▪ Am Sonntag wird am Volkstrauertag auch in Lüdenscheid an mehreren Gedenkstellen der Toten der Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dass auch 67 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges immer noch ganz persönliche Empfindungen mit diesem Gedenken verbunden sind, zeigt das Erlebnis von Brigitta und Wilhelm Gottmann.

Die Lüdenscheider besuchten das Grab von Wilhelm Gottmanns Vater auf der Halbinsel Krim in der Ukraine – für beide ein sehr bewegendes Ereignis.

Alfred Gottmann, geboren 1914 in Brügge, gehört wie Millionen andere zu den Menschen, denen das Gedenken des Volkstrauertages gilt. Er starb vor 70 Jahren – am 25. April 1942 – in Feodosija, wo er als Welkriegssoldat stationiert war, infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung. Einen „tückischen Unfall“ nannte das der Batteriechef in einem Brief an die Ehefrau des Verstorbenen. Immerhin erhielt die Familie Fotografien von der Beerdigung und von dem deutschen Soldatenfriedhof, der in Feodosija angelegt worden war – mehr als viele andere Hinterbliebene.

Wilhelm Gottmann hat seinen Vater nicht mehr wirklich gekannt. Als dieser starb, war der Sohn, der noch zwei Geschwister hat, fünf Jahre alt. Bereits zweieinhalb Jahre war der Vater da schon als Soldat an der Front und auch zuvor war er während der Ausbildung mehr in der Kaserne als bei der Familie. Aber das Gedenken war trotzdem immer wichtig. Wilhelm und Brigitta Gottmann unterstützen schon seit langem den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK), der auch morgen die Gedenkveranstaltung am Ehrenmal an der Parkstraße ausrichtet.

Beim Volksbund können Angehörige Anfragen nach Gräbern von Kriegstoten richten. Das haben auch Wilhelm und Brigitta Gottmann 2011 getan und erfahren, dass der Soldatenfriedhof in Feodosija, wo Alfred Gottmann in Grab 448 bestattet war, in den 1990er Jahren aufgelöst wurde. Der Volksbund hat alle noch zu bergenden Gebeine auf die Sammelfriedhofsanlage Sewastopol-Gontscharnoje umgebettet. Stelen erinnern dort an die Namen aller Verstorbenen. Für Angehörige, die suchen, gibt es sogenannte Findbücher.

Jetzt nahmen Gottmanns mit elf weiteren Personen an einer Reise auf die Krim teil, die der VDK vermittelte. Zum Programm gehörte der Besuch des Friedhofs. Mitarbeiter des VDK vor Ort empfingen die deutschen Gäste und führten sie zu den Stelen mit den Namen ihrer Angehörigen. Zuvor las Brigitta Gottmann, wie eine andere Frau auch, den Brief mit der Todesnachricht vor. Für sie ein sehr bewegender Moment. Das Ehepaar legte Blumen an der Stele mit dem Namen Alfred Gottmanns nieder und zündete eine Kerze an.

Später unternahmen Gottmanns auf eigene Faust einen Ausflug nach Feodosija. Dort erfuhren sie, dass sich noch viele Menschen an den ehemaligen Soldatenfriedhof erinnern. Wilhelm Gottmann selbst erkannte anhand der alten Fotografien mit einem markanten Gebäude – früher wohl ein Krankenhaus, wie er erfuhr – die Stelle wieder, wo heute ein Spielplatz und eine Rasenfläche angelegt sind. Dieser Ort bekam für ihn eine ganz besondere emotionale Bedeutung, viel mehr als der heutige Friedhof, so erzählt er: „Ich hatte das Gefühl, ich habe meinen Vater gefunden.“ ▪ gör

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