„Popograbscher“-Prozess: Berufung doch verworfen

Lüdenscheid - Späte Gerechtigkeit im Popograbscher-Verfahren: Fast eineinhalb Jahre ist es her, dass Strafrichter Andreas Lyra einen Aushilfskellner (32) zur Zahlung einer Geldstrafe von 1250 Euro verurteilt hat.

Der Mann hatte in einer Innenstadt-Kneipe einer Frau von hinten unter den Rock zwischen die Beine gegriffen. Zwar war die Berufung zunächst erfolgreich. Doch seit Mitwoch ist Lyras Urteil doch rechtskräftig.

Mit einer solchen Wende in dem Verfahren hatte wohl niemand mehr gerechnet. Dabei ist es nicht der Strafjustiz zu verdanken, dass der beleidigende Fehlgriff nun doch geahndet wird, sondern dem Angeklagten selbst.

Rückblick: In der Nacht zum 22. Juli 2012 vergisst der angetrunkene Kellner alle Anstandsregeln, die tanzende Blondine mit dem kurzen Rock wird zu seinem Opfer. Die 28-Jährige erstattet Strafanzeige. Richter Lyra schickt dem Beschuldigten einen Strafbefehl über 1125 Euro. Dagegen legt der Mann Widerspruch ein, und es kommt am 23. April 2013 zum öffentlichen Prozess, in dem ihn Rechtsanwalt Heiko Kölz verteidigen soll.

Doch der Angeklagte bleibt der Hauptverhandlung fern. Richter Lyra verhandelt trotzdem. Verteidiger Kölz sagt unter anderem: „Nicht alles, was nach Sauerei riecht, ist automatisch strafbar“ und beantragt Freispruch. Der Richter sieht dagegen eine „Degradierung der Frau zum reinen Sex-Objekt“ und verurteilt den Lüdenscheider in Abwesenheit zu einer Strafe von 1250 Euro. Dagegen legt Heiko Kölz Berufung ein.

In zweiter Instanz hebt eine Kammer des Landgerichts das Urteil am 11. November ‘13 auf und stellt das Verfahren gegen die Zahlung von 600 Euro an das Opfer ein. Zuvor hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft bezweifelt, dass die Tat strafbar ist. Das sei sie nur, „wenn mit der Beleidigung eine Herabsetzung beabsichtigt ist“, heißt es. Richter Jörg Krüger entlässt die Blondine mit dem Satz „Sie sollten jetzt nicht den Glauben an die Justiz verlieren.“ Sie soll das Geld in Raten überwiesen bekommen.

Bis März dieses Jahres überweist der Ex-Kellner brav 400 Euro, dann stellt er die Zahlungen ein. Ein Drittel fehlt noch. Die Begrabschte wendet sich an die Justiz. Erneut tritt eine Berufungskammer zusammen, der Angeklagte wird vorgeladen und soll sich erklären. Heiko Kölz aber sitzt erneut ohne Mandant vor dem Richter. Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli beantragt, die Berufung zu verwerfen, der Verteidiger schweigt dazu. Richter Dieter Krause gibt dem Antrag statt. Damit ist Richter Lyras Urteil unanfechtbar.

Nun sind die 400 Euro für den Verurteilten weg, 1250 Euro Geldstrafe aus der ersten Instanz sind zu zahlen – und er gilt als vorbestraft.

Von Olaf Moos

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