Bertelsmann-Filiale steht vor Schließung

Die Bertelsmann-Filiale wird zum Jahresende geschlossen.

LÜDENSCHEID ▪ Nach fast 40 Jahren wird der Bertelsmann-Buchclub zum Jahresende den Standort Lüdenscheid aufgeben. Die Filiale habe nicht mehr wirtschaftlich weiterbetrieben werden können, sagte dazu ein Sprecher des Unternehmens in Berlin.

„Die Zahl der betreuten Mitglieder ist leider so weit zurückgegangen, dass die gleichbleibenden Kosten der Filiale nicht mehr gedeckt werden können.“ Die Entscheidung falle schwer, sei aber notwendig. Internet und Kataloggeschäft sollen die Schließung auffangen.

Die Club-Filiale galt als „Magnet der Oberstadt“ und hat viel Laufkundschaft in die nicht ganz einfache Geschäftslage gezogen. Filialleiter Wolfgang Friedrich, von Anfang an dabei, und sein Team trifft die Entscheidung der Zentrale schwer. Sie werden im neuen Jahr, soweit gewünscht, an Standorten in der Region eingesetzt.

Mit der Schließung der Lüdenscheider Filiale, einer von noch rund 275 der Kette, bereinigt der Buchclub sein Netz weiter. „Dort, wo die Mietverträge auslaufen, wird nicht verlängert“, weiß Wolfgang Friedrich. Lange hatte es geheißen, der Buchclub suche zentraler gelegene Geschäftsräume. Doch mittlerweile ist der Trend klar erkennbar, dass hohe Innenstadtmieten mit sinkenden Mitgliederzahlen unvereinbar sind – die Folge nüchterner Hochrechnungen über Bevölkerungsentwicklung, Kaufkraft und Frequenz in der Fußgängerzone. Die Abwicklung der Filiale wird parallel zum Weihnachtsgeschäft erfolgen.

Doch der Club ist nicht das einzige Unternehmen, das in Lüdenscheid umstrukturiert. Auch die Tchibo-Filiale an der Wilhelmstraße hat zum Jahresende den Mietvertrag gekündigt. „Die suchen einen anderen Schnitt für ihren Laden, rechteckig und größer“, weiß Vermieter Peter Sasse. Die zweite Filiale im Stern-Center, so heißt es, wolle sich entsprechend vergrößern. Doch seine 175 Quadratmeter mitsamt den Flächen im 1. und 2. Obergeschoss hat Sasse schon wieder vermietet: an das Unternehmen „Fashion Look“, das noch an der Knapper Straße firmiert.

Parallel zum Umbau des Geschäftes – die Neueröffnung ist für Februar/März geplant – will der Vermieter auch die Fassadengestaltung unter dem Eindruck der neuen Altstadtsatzung in Angriff nehmen. Leider habe ein Vorbesitzer den Stuck abgeschlagen: „Mal sehen, wie man das gestalterisch löst.“ Der neue Mieter sei kein Filialist, betont Sasse, und auch kein Telefonladen oder Bäcker.

Doch auch Handy-Läden sehen in Lüdenscheid offenbar keinen beliebig auszuweitenden Markt mehr. Seit kurzem ist „The Phone House“ an der Wilhelmstraße geschlossen, da die Filiale „seit einiger Zeit für uns unrentabel war“. Das teilte die Zentrale in Münster mit. Ein Nachmieter sei gefunden, der Abschied nicht unbedingt endgültig: „Wir werden den Standort Lüdenscheid weiter für uns als Unternehmen beobachten und beizeiten entscheiden, hier einen neuen Shop zu eröffnen.“

Neu aufgenommen wird in Kürze hingegen der Betrieb im Ladenlokal von Wolfhard Lüling in der Oberstadt. Die Räume hatten länger leergestanden, nachdem der letzte Mieter – ein Möbelfachgeschäft – die Segel gestrichen hatte. Jetzt wird das Ladenlokal Büroraum. Für Vermieter Wolfhard Lüling eine naheliegende Lösung, nachdem der vielversprechende Einzelhändler gescheitert war: „Wenn der nicht klarkommt, wer dann?“

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