Berlinerin Judith Schalansky ist MKK-Stipendiatin

+
Die frischgekürte MKK-Stipendiatin Judith Schalansky (vorne, Mitte), Lisa-Maria Seydlitz (links) und Elias Wagner mit dem MKK-Ehrenvorsitzenden Klaus Crummenerl und der Jury, die diesmal nur mit vier Juroren besetzt war: Franziska Altenpohl (Leiterin der Lüdenscheider Stadtbücherei), Barbara Langos (Kulturbeauftragte in Altena), Hiltrud Schulte (Thalia-Buchhandlung, Lüdenscheid) und Prof. Dr. Klaus Vondung (ehemals Universität Siegen). ▪

LÜDENSCHEID ▪ Die Berlinerin Judith Schalansky ist die neue Literaturstipendiatin der Märkischen Kulturkonferenz. Die 32-Jährige setzte sich bei der Auswahllesung am Donnerstag gegen die Nachwuchsautoren Lisa-Maria Seydlitz und Elias Wagner durch. Das Publikum stimmte mehrheitlich für die 27-jährige Lisa-Maria Seydlitz, die aus ihrem Erstlingsroman „Sommertöchter“ las.

Mit Judith Schalansky sicherte sich die älteste und erfahrenste der drei Bewerber das einjährige Stipendium, das mit insgesamt 12 000 Euro dotiert ist. Sie lebt als freie Autorin und Gestalterin in Berlin. Für ihr Romandebüt „Blau steht dir nicht“ und ihren zweiten Roman „Atlas der abgelegenen Inseln“ erhielt sie Preise der Stiftung Buchkunst, die jährlich die schönsten deutschen Bücher auszeichnet. Klaus Crummenerl, Ehrenvorsitzender der Märkischen Kulturkonferenz (MKK) und Moderator der Auswahllesung, würdigte Judith Schalansky als „Ausnahmeerscheinung auf dem deutschen Buchmarkt, da ihr Schreiben unlösbar mit der Buchgestaltung verbunden ist“. Das allerdings interessierte am Allerheiligentag nur am Rande: „Hier entscheidet der literarische Inhalt“, betonte Klaus Crummenerl und würdigte die „eigenwilligen Reflexionen“ einer alternden Biologielehrerin im „Bildungsroman“ „Der Hals der Giraffe“. Altbundeskanzler Helmut Kohl hatte einst „blühende Landschaften“ für die neuen ostdeutschen Bundesländer versprochen. Ganz anders, und man muss wohl sagen bitterböse, liest sich diese blumige Aussicht auf eine ungetrübte Zukunft in Judith Schalanskys Roman. Darin entwirft sie die Utopie – oder je nach Standpunkt auch den Alptraum – einer Rückeroberung der Erde durch die Pflanzen: „Die Pflanzen aber blieben. Sie waren vor uns da, und sie würden uns überleben – eine wuchernde Eingemeindung, blühende Landschaften.“ Dem durch die Pflanzen verdrängten Menschen gilt der böse Nachruf auf „ein Tier, das den Planeten befallen hatte.“ Schön auch die Utopie eines intelligenten Wesens, das sich vermutlich wesentlich friedlicher entwickelt hätte: „Wäre man grün, bräuchte man nicht mehr zu arbeiten. Chloroplasten unter der Haut – wäre das wunderbar“, sinniert die Biologielehrerin, die die Entwicklung in einer vorpommerschen Stadt durch die Brille von Darwins Evolutionstheorien beobachtet. Sie steht im Mittelpunkt des Romans.

Die Mannheimer Autorin Lisa-Maria Seydlitz, die die Stimme des Publikums für sich gewinnen konnte, las Passagen aus ihrem Romandebüt „Sommertöchter“, einer deutsch-französischen Familiengeschichte. Bei der Vorstellung des Münchner Medizinstudenten Elias Wagner, der sich für seine literarischen Ambitionen vorübergehend von seinem Studium loseiste, erinnerte Klaus Crummenerl an den Arzt und großen Schriftsteller Gottfried Benn. In Wagners Debütroman „Mondvögel“ wimmelt es von Faltern, Fliegen und Schmetterlingen. Erzählt ist der Roman aus der Perspektive eines 15-jährigen Ich-Erzählers, der den Niedergang seines Vaters nach dem Tod der Mutter atmosphärisch dicht schildert. ▪ thk

Am Mittwoch, 7. November, ab 14 Uhr, fällt in der Städtischen Galerie Iserlohn die Entscheidung über die Vergabe des Märkischen Stipendiums für Bildende Kunst und Malerei.

Am Samstag, 17. November, findet ab 14 Uhr in der Burg Holtzbrinck in Altena der Musikwettbewerb junger Talente der Musikschulen des Märkischen Kreises statt. Der Eintritt zu diesem öffentlichen Vorspiel der „MKK-Jugend 2012“ ist frei.

Am Sonntag, 25. November, werden ab 11 Uhr in der Burg Holtzbrinck in Altena die Märkischen Stipendien 2013 für Literatur, Musik (Harfe) und Bildende Kunst / Malerei vergeben. Der Eintritt zu der öffentlichen Veranstaltung ist ebenfalls frei.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare