Dieser Künstlerin widmet Lüdenscheid einen ganzen Abend

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Nelli Bar steht im Mittelpunkt eines Vortrages in der Galerie.

Lüdenscheid – „Während des Sommers und Herbstes hatten wir mit großer Hingebung in unserem Atelier gearbeitet und hatten genug Werke für eine Ausstellung geschaffen. Dr. Sangree mag nur ein Land-Pfarrer mit einer kleinen Kirche gewesen sein, aber er war weit gereist und hatte großes Kunstinteresse. Er war auch sehr über- zeugend und erfolgreich in Fördern der Bewohner. Er arrangierte eine Ausstellung für Paul und mich am Berkshire Museum in Pittsfield. Wir arbeiteten praktisch Tag und Nacht (Rahmen anfertige, usw.), und waren in der Lage, die Ausstellung rechtzeitig für die Öffnung am 5. Dezember 1941 zu hängen. Die Vernissage verlief überraschend gut. Viele Arbeiten wurden verkauft und die Zeitung schrieb einen langen Artikel.“

Es existieren viele biografische Aufzeichnungen, die das Leben der beiden Künstler Paul Wieghardt und Nelli Bar anschaulich machen. Der in Köln im Jahr 1904 geborenen Ehefrau des Lüdenscheider Maler widmet die Städtische Galerie an der Sauerfelder Straße im Rahmen der großen Wieghardt-Ausstellung „Coming and Going“ einen Abend in der Galerie.

Die Berliner Schauspielerin und Fotografin Heike Steinweg will am Abend des 8. Februar (Samstag) ab 19 Uhr anhand der biografischen Aufzeichnungen aus dem nicht immer glücklich verlaufenen Leben Nelli Bars erzählen. Das unveröffentlichte Typoskript gehört zum Nachlass des Künstlerpaares und stellt ein eindrucksvolles persönliches Dokument dar.

Die Bildhauerin war gelernte Kindergärtnerin, was ihr später in den USA den Lebensunterhalt sicherte, und begann 1922 eine Bildhauerlehre, besuchte eine Abendklasse an der Kunstakademie in Wien. In Köln und Dresden nahm sie ihr Studium auf, beendete dieses mit Auszeichnung und ging mit ihrem Lebensgefährten und späteren Ehemann Paul Wieghardt schließlich nach Paris, um bei Aristide Maillol zu studieren.

„Die meiste Zeit unserer sieben Jahre in Paris lebten wir in sehr bescheidenen Verhältnissen im 15. Arrondissement. Das ist im südöstlichen Teil von Paris, genau südlich des berühmten Mont Parnasse. Es war vorwiegend mit Arbeitern in Blauleinen sowie einer Handvoll Künstler und Schriftsteller bevölkert“, schreibt die Bildhauerin über diese Zeit.: „1933, der Beginn der Diktatur Hitlers in Deutschland. Mehrere unserer Künstlerkollegen kamen als Flüchtlinge nach Paris, und einige blieben bei uns in beengten Wohnverhältnissen, bis sie eine ähnlich billige Bleibe für sich selbst fanden. Sobald Hitler an die Macht kam, hatte Paul die Idee, wir sollten heiraten, um mich vor einer möglichen Verfolgung wegen meiner jüdischen Abstammung zu schützen. In Wirklichkeit nützte das gar nichts, vielmehr brachte ich ihn dadurch in Gefahr.“

Im Jahr 1940 emigrierte das Ehepaar Bar-Wieghardt auf der Flucht vor den Nazis über Norwegen, Sibirien und Japan in die Vereinigten Staaten. Nach dem Tod des Künstlers Paul Wieghardt, der 1969 in Wilmette bei Chicago verstarb, zeigte das Art Institute of Chicago eine umfassende Retrospektiv-Ausstellung.

Bereits im Jahr 1981 übereignete Nelli Bar-Wieghardt einen großen Teil des Nachlasses ihres Mannes seiner Heimatstadt Lüdenscheid, von denen viele in der noch bis Ende März laufenden Ausstellung zu sehen sind. Nelli Bar starb 2001 in Foulkeways (Gwynned/Pennsylvania).

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