Berliner Streetart-Künstler Akut gestaltet Fassade im Rosengarten

Diese Weltkugel hält mindestens zehn Jahre

Falk Lehmann zeichnet auf die Strodel und Jäger Fassade am Rosengarten in Lüdenscheid
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Dieses Kunstwerk entsteht derzeit im Rosengarten als Teil der „Vision 58“.

Ein kleiner Junge hält eine Weltkugel in seinen Händen – und das wird an der Stirnwand von Strodel und Jäger im Rosengarten in den nächsten zehn Jahren so sein. Denn „Kindern gehört die Zukunft“ war die einzige Vorgabe für die Umsetzung der „Vision 58“: Streetart in die Bergstadt zu bringen unter der Federführung des Vereins Willi & Söhne.

Lüdenscheid - Der Künstler, Falk Lehmann, der unter dem Pseudonym Akut firmiert, „ist eigentlich noch gar nicht da“, sagt Matthias Czech (Willi & Söhne). Die gesamte Street-art-Aktion beginne erst Mitte Oktober. Falk Lehmann lacht. Dafür, dass er „noch gar nicht da ist“, ist sein Kunstwerk schon weit gediehen. Seit Montag ist er mit Frau, Söhnchen und rund 60 Farbspraydosen zu Gast in Lüdenscheid. Untergebracht ist die Künstlerfamilie im benachbarten Schillers.

„Das ist nicht selbstverständlich“, sagt der Berliner Künstler und zollt den Organisatoren großes Lob. Das habe er auch schon anders erlebt. Da hätten sich Veranstalter Sponsoren- und Fördergelder eingestrichen und seien nicht einmal vor Ort gewesen. Während der Sauerländer Regen auf das Dach des provisorisch aufgestellten Pavillons im Rosengarten trommelt, schüttet er Wasser aus der grauen Kiste mit den Farbdosen. Die Dosen tropfen sonst beim Sprühen und verfälschen das Ergebnis.

Das Original hängt auf Leinwand in einer Londoner Galerie

Gemalt hat Akut das Motiv schon einmal auf Leinwand: „Das hängt in einer Galerie in London“, sagt Ehefrau Sandra. Nun ziert es überdimensional und für viele Jahre die Wand im Rosengarten. Schon heute muss die Künstlerfamilie zurück nach Berlin – „das war das einzige Zeitfenster, das möglich war. Aber vielleicht schaffen wir das, zurück zu kommen, wenn die anderen Künstler da sind. Das ist immer schön, Leute zu sehen, die man mal vor 15 Jahren auf Hawaii getroffen hat oder so. Wie ein kleines Klassentreffen.“

Ob die Lüdenscheider Notiz von ihm und seiner Arbeit nehmen würden? „Oh ja“, sagt er, „da bleibt schon der eine oder andere mal stehen und reckt den Daumen hoch.“ Gemecker gab's bislang nur an einer einzigen Stelle, als eine ältere Dame nicht ihren gewohnten Weg durch den Rosengarten nehmen konnte, weil ihr der Hubsteiger im Weg stand.

Das war das einzige Zeitfenster, das möglich war. Aber vielleicht schaffen wir das, zurück zu kommen, wenn die anderen Künstler da sind. 

Falk Lehmann

Und der Regen? „Muss man nehmen, wie es kommt. Wenn ich nicht fertig werde, weil's zu sehr regnet, muss ich nacharbeiten.“ Die Farbe selbst hat an manchen Stellen schon einen „Regenscheider Verlauf“ angenommen. Der Künstler arbeitet nicht mit einem superschnelltrocknendem Speziallack, sondern mit hochwertiger, aber halt ganz normaler Sprühfarbe.

Seit Jahren ist das Gesamtprojekt „Paint the Wall“ in Arbeit, Corona habe den Raum geschaffen, sich intensiv damit zu beschäftigen, so Matthias Czech. Sechs international anerkannte Streetart-Künstler werden an sechs prominenten Fassaden und Gebäudeteilen großflächige Kunstwerke anbringen. Gemeinsam mit den Vertretern des Altstadtbüros und Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen als Kuratorin des Projektes hat man die passenden Flächen und Künstler ausgesucht und die LSM (Lüdenscheider Stadtmarketing) mit ins Boot geholt. Die Kunstwerke haben alle das Thema „Kindern gehört die Zukunft“.

Falk Lehmann, der sich als Künstler Akut nennt, bei der Arbeit. Sein Kunstwerk nähert sich der Vollendung.

Wer Willis Söhne kennt, weiß, dass der Verein quasi bis zur letzten Sekunde an der Perfektion seiner Aktivitäten tüftelt. So ist es auch diesmal: Noch ist nicht alles „in trockenen Tüchern“. Corona hat dem Verein quasi in die Hände gespielt, schaffte Raum für die Entwicklung des Projektes, und man sei für gutes Geld an die internationalen Künstler gekommen, die seit Monaten nicht ins Ausland reisen können. Mit den Wandmalereien wollen Willis Söhne die seinerzeit entwickelte „Vision 58“ mit Leben füllen und der Stadt durch diese Art der Fassadengestaltung eine besondere Seele geben. Leuchtendes Beispiel dafür, dass das gelingen kann, ist Akuts Gestaltung einer Häuserfassade in Mannheim mit dem Titel „Gegen das Vergessen“.

Eingeladen wurden neben Akut das Berliner Künstlerduo Low-Bros (Bonneval-Fassade) oder auch der Dortmunder Künstler Mark Gmehling (Hochstraße 7). Fassaden an der Winkelgasse, die Moskob-Fassade an der Knapper Straße und die Thünentreppe werden besprüht. Dort wird der Lüdenscheider Davis Pahl (Fuchs und Rabe) Hand anlegen und die Stirnseiten der Stufen bemalen. „Hotel, Steiger, Gerüst, Farbe, der Künstler – normalweise fünfstellig“, sagt Czech „aber wir sind halt gut vernetzt und können die Kosten im Rahmen halten. Wir wollen die Euros aus unserem Vereinsvermögen klug ausgeben. Wir tragen den Löwenanteil, LSM steuert Geld dabei.

Der Regen hört auf. Für den Moment. Falk Lehmann sortiert seine Farben, klettert auf das kleine Trittbrett des Hubsteigers – und weiter geht's.

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