Im Osten geht die Sonne auf

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Himmelblau und sonnengelb: Estefania hat sich den Lauf der Sonne in Versform ausgesucht.

Lüdenscheid - „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden ist ihr Mittagslauf, im Westen wird sie untergeh’n, im Norden ist sie nie zu seh’n.“ Während Estefania mit einem Schwamm unermüdlich blaue Farbe auf ihre Leinwand aufträgt, rappelt sie den Vers herunter. Eselsbrücke, ein kleines Gedicht – wie immer man den Lauf der Sonne und die Himmelsrichtungen bezeichnen mag, Estefania hat der Vers gefallen. Die Schülerin gehört zur 5a des Bergstadtgymnasiums und nimmt an einem Kunstprojekt teil.

Von Jutta Rudewig

„Farbtöne“ heißt die Kooperation zwischen der Volkshochschule Lüdenscheid, dem BGL und dem freien Atelier x-mal an der Kronprinzenstraße. „Wir wollen einen außerschulischen Lernort bieten“, erläutert VHS-Leiter Andreas Hostert an diesem verregneten Nachmittag im x-mal. Während die Welt vor den Fenstern im Grau versinkt, wird die künstlerische Welt im Innern des Ateliers bunter und bunter. 15 Jungen und Mädchen sind gekommen, um unter der Anleitung der Kunstlehrerin Candida Beckerat und Barbara Görlich-Hostert Gedanken in Farben umzusetzen.

 „Das ist eine Kooperation zwischen Kunst, Musik und einem bisschen Deutschunterricht“, erläutert Hostert den Hintergrund des Projektes, das im vorigen Jahr bereits auf große Begeisterung stieß: „Die Kinder sollten sich ein Gedicht aussuchen und mit in die Schule bringen. In einem ersten Schritt wurden die Zeilen dann in Farben und Gefühle umgesetzt – und nun sind wir hier.“

Im Atelier werden diese Gefühle mit Acrylfarben auf Leinwände gebracht. Da die zwei Stunden im Atelier nicht ausreichen werden, nehmen die Schüler ihr Bild mit nach Hause und stellen es dort fertig. Schritt drei des Projektes, so Hostert, sei eine geplante Ausstellung dieser Bilder in den Räumen der VHS im alten Rathaus. Gemeinsam mit dem Musiklehrer werden die Kunstwerke in Töne umgesetzt: „Das Ziel ist, die Bilder der Öffentlichkeit vorzustellen. Dieses Zusammenspiel macht Spaß und ist für alle Beteiligten ein Gewinn.“

BGL und VHS bei X-mal

Finanzielle Unterstützung gab’s für das Programm vom Fitness-Studio „Feelgood“. Und so tauchte die erste Gruppe der Schüler in alten T-Shirts im x-mal auf und ging mit Feuereifer daran, Worte zu Gefühlen und Gefühle zu Farben zu machen.

Während sich Estefanias Leinwand langsam mit blauer Farbe füllt, ist das Gelb für die Sonne bereits auf einem Pappteller angemischt. „Das muss aber erst trocknen“, sagt sie. In einer anderen Ecke sind die kleinen Künstler bereits einen Schritt weiter. Sie föhnen den farbenfrohen Untergrund, damit die zweite Farbschicht schneller aufgetragen werden kann. Die für eine Tulpe zum Beispiel – getreu dem Kindergedicht von Josef Guggenmos, in dem die Tulpenzwiebel aus der Tiefe der Erde einen ziemlich langen Hals machen musste, um das Licht des Frühlings zu sehen.

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