Bergstadt als neue Heimat

Giuseppe Caracciolo erhielt Urkunde und die Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid.

LÜDENSCHEID ▪ Vor rund 50 Jahren trafen die ersten Italiener in Deutschland und speziell auch in Lüdenscheid ein, um hier zu arbeiten und sich und ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen.

Planten viele zunächst nur einen vorübergehenden Aufenthalt von wenigen Jahren, wurde die Bergstadt für zahlreiche Italiener zur dauerhaften Heimat. Diese Tatsache nahm Bürgermeister Dieter Dzewas am Samstag zum Anlass für einen großen Empfang im Ratssaal mit vielen Vertretern der italienischen Gemeinde. Neben dem Bürgermeister waren unter anderem die Konsulin von Italien Dr. Paola Maria Cristina Russo sowie der Erste Beigeordnete der Stadt Lüdenscheid Dr. Wolfgang Schröder als Gäste anwesend.

Bürgermeister Dieter Dzewas, der durch Hinweise von Nachbarn zu dem Empfang für die italienischen Mitbürger inspiriert worden war, erinnerte in seinen Grußworten daran, dass nicht nur die Italiener nach Deutschland gekommen seien, sondern die Deutschen gerade in den 50er und 60er Jahren besonders gern nach Italien gereist seien. „Wenn man so will fand insbesondere in dieser Zeit ein reger Austausch zwischen beiden Ländern statt“, erklärte der Bürgermeister. Inzwischen, so Dzewas, existiere in Lüdenscheid eine italienische Gemeinde mit 940 Bürgern, die unter anderem in heimischen Vereinen besonders aktiv seien. So gebe es zum Beispiel zahlreiche italienische Vereine im Sportbereich, aber auch der „Verein der Freude italienischer Kultur“ sei aus der Bergstadt nicht mehr wegzudenken. „Unsere Gastronomie können wir uns ebenfalls ohne italienische Restaurants und Eisdielen nicht mehr vorstellen.“

Diesen Worten konnte sich auch die Konsulin Dr. Paola Maria Cristina Russo nur anschließen „Viele Italiener haben hier nicht nur eine neue Heimat, sondern auch zahlreiche neue Freunde gefunden“, sagte sie. „Die Lüdenscheider haben immer gezeigt, dass sie viel Wert auf die Freundschaft mit Menschen aus anderen Ländern legen.“ Im Anschluss trug sich die Konsulin ins Goldene Buch der Stadt ein und übergab dem Ersten Beigeordneten das Wort. Die Bergstadt habe sich in 50 Jahren enorm verändert, betonte Dr. Schröder. „Sagte man den Lüdenscheidern früher nach, dass sie gegenüber Fremden eher zurückhaltend und abweisend seien, ist nun der Umgang mit Menschen aus anderen Ländern viel entspannter geworden“, stellte Schröder fest. „Allgemein sind wir heute viel extrovertierter und haben einiges von der Lebensart der Menschen aus den südlichen Ländern gelernt.“

Wie könnte die Situation der italienischen Einwanderer in Deutschland vor 50 Jahren besser deutlich gemacht werden als durch einen Erfahrungsbericht? Diesen lieferte Salvatora Rosaria Castiglia Di Cataldo, die tief bewegt schilderte, wie sie in den 50er Jahren als Kind mit ihren Eltern nach Lüdenscheid gekommen war. Trotz des schweren Abschieds von ihrer Heimat Italien seien sie von den Lüdenscheidern sehr herzlich empfangen und immer gut behandelt worden. In den 60er Jahren übernahm die Familie einen kleinen Lebensmittelladen in der Südstraße, dessen Produkte nach kurzer, anfänglicher Skepsis bestens angenommen wurden. Über eine besondere Ehrung im Rahmen des Empfangs konnte sich der ehemalige Sozialarbeiter Giuseppe Caracciolo für sein langjähriges, ehrenamtliches Wirken im Sinne der Integration italienischer Mitbürger freuen. Er erhielt aus den Händen des Bürgermeisters die Ehrennadel der Stadt Lüdenscheid mit entsprechender Urkunde. „Sie haben sich durch Hilfe und Unterstützung der italienischen Gemeinschaft, aber auch durch ehrenamtliche Tätigkeit darüber hinaus, vielfältige Verdienste erworben“, betonte der Bürgermeister. „Sie haben es neben Ihrem beruflichen Werdegang als Verpflichtung angesehen, Ihre Hilfe dort, wo sie nachgefragt und gebraucht wurde, weiterzugeben.“ Den feierlichen musikalischen Rahmen für die Veranstaltung lieferten die Musiker des Ensembles „Lüdenstreicher“ der städtischen Musikschule. Einleitend gab das Ensemble mit Sängerin Karoline Wilms die beiden Arien „Alma de core“ von Antonio Caldara und „Danca danca fanciulla gentile“ von Francesco Durante zum Besten, während im Anschluss die Schlager „Chianti Wein“ und „Marina“ für gute Laune sorgten.

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