50 Jahre Bergstadt-Gymnasium

BGL: Vom Provisorium zum Erfolgsmodell

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Lehrer und Schüler zogen 1973 in den Neubau um. 21 Millionen Mark (10 737 000 Euro) kostete das Gebäude. Im Spitzenjahr 1980/81 besuchten 1427 Schüler in 53 Klassen das Bergstadt-Gymnasium.

Lüdenscheid - Und es hatte doch etwas von einem Aprilscherz. Am 1. April 1964 begann der Unterricht im neugegründeten Städtischen Gymnasium. Aber es gab eigentlich kein geeignetes Gebäude für diese „erste Neugründung eines Jungen-Gymnasiums in Lüdenscheid seit knapp 500 Jahren“, wie es der erste Schulleiter Dr. Walter Hostert später mit einem Gespür für die großen historischen Zusammenhänge formulierte. 

Der Ort, an dem sich der erste Standort des Städtischen Gymnasiums befand, lässt sich noch recht gut wiedererkennen. Heute steht dort am Sauerfeld das Gebäude der Volksbank.

Kein Scherz hingegen war die Tatsache, dass Lüdenscheid wegen der zunehmenden Raumnot im altehrwürdigen Zeppelin-Gymnasium dringend eine weitere Schule brauchte. Die Geschwindigkeit, mit der sich die neue Lehranstalt in den Jahren nach der Gründung füllte, war rasant.

Eine Schule – mehrere Standorte: Diese Situation sollte rund zehn Jahre anhalten, bis die Schüler zu Beginn des Schuljahres 1973/74 erstmals in ihrem neuen Gebäude an der Saarlandstraße unterrichtet wurden.

Die Jahre vor diesem Umzug sollten als „die Zeit des großen Wanderns von Lehrern und Schülern“ in die Geschichte eingehen. Der Hauptstandort der damals noch schlicht als „Städtisches Gymnasium“ bezeichneten Schule mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt lag am Sauerfeld. Es handelte sich um das ehemalige Lyzeum, das Mädchengymnasium, aus dem später das Geschwister-Scholl-Gymnasium wurde. Unmittelbar nach seiner Gründung teilte sich das städtische Gymnasium dieses Schulgebäude noch mit Klassen des Zeppelin-Gymnasiums, von dem zwei der ersten drei Klassen stammten.

Als die Räume im Hauptgebäude am Sauerfeld nicht mehr ausreichten, zogen einige Klassen in die Overbergschule an der Weststraße. Heute befindet sich an diesem Standort ein Parkhaus.

Mit der schnell wachsenden Schülerzahl wurde dieses Gebäude schnell zu klein. So wurden einige Klassen in der Overbergschule untergebracht, die dort stand, wo sich heute das Parkhaus Weststraße befindet. Später wurden die Räume der schon sehr in die Jahre gekommenen Südschule an der Freiherr-vom-Stein-Straße genutzt. Dort steht heute das Kulturhaus. Auch ein „Konfirmandenhaus“ an der Hochstraße und das evangelische Gemeindehaus an der Hohfuhrstraße boten einzelnen Klassen Raum. Da die Naturwissenschaften aber nur am Sauerfeld unterrichtet werden konnten, mussten alle Klassen regelmäßig „wandern“. Das galt noch mehr für den Sportunterricht, der an ganz unterschiedlichen Orten gegeben wurde.

Das nächste Ausweichquartier war die Südschule an der Freiherr-vom-Stein-Straße. Auch sie machte bald danach Platz für Neues – das Kulturhaus.

Im Herbst 1967 läutete das Schulkollegiums beim Regierungspräsidenten in Münster das Ende des Wanderzirkus ein. Mit der Einführung eines neusprachlichen Zweiges und der Koedukation, also des gemeinsamen Unterrichts für Mädchen und Jungen, sei „das vorhandene behelfsmäßige Schulgebäude auf keinen Fall ausreichend“, hieß es aus Münster. Der darauf folgende Satz ließ an Deutlichkeit nicht viel zu wünschen übrig: „Vielmehr scheint es uns erforderlich zu sein, daß der seit langem versprochene Neubau nunmehr ernsthaft in Angriff genommen wird.“

Dank des guten Wetters gingen die Arbeiten am neuen Schulgebäude zügig voran. Im März 1971 wurde mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen, gut zwei Jahre später wurde der Bau bezogen.

Die Stadt reagierte: „Zur Verwirklichung des Gesamtplanes ist die Erstellung eines Schulneubaus erforderlich. Die Verwaltung wird beauftragt, die dazu erforderlichen Planungsarbeiten im Jahr 1968 zu beginnen.“ Diese Bemühungen mündeten in den Beschluss vom 16. Dezember 1968, mit dem der Stadtrat den Neubau endgültig billigte. Die Ausschreibung gewann der Architekt Hubert Ossenberg-Engels aus Altena-Dahle. Das was sein Büro auf das ehemalige Ziegelei-Gelände an der Saarlandstraße stellen ließ, faszinierte die damaligen Beobachter: „Wer durch die Hallen, Flure und Räume des neuen Gymnasiums gegangen ist, muß sich bremsen, um nicht ins Schwärmen zu geraten“, hieß es in einem Bericht am 1. August 1973.

Besonders stolz war man an der Saarlandstraße über die Ausstattung mit Fachräumen und die dazugehörigen technischen Einrichtungen. Die Schüler konnten sogar Schulfernsehen produzieren.

Das Raumangebot war trotz der mittlerweile sehr großen Schülerzahl üppig, die Fachräume waren gut ausgestattet. In einem Medienraum konnte Schulfernsehen produziert werden, ein Sprachlabor unterstützte die neusprachlichen Fächer. Kurz bevor Schüler und Lehrer den Unterrichtsbetrieb zum Schuljahr 1973/74 aufnahmen, erschien am 19. Juni 1973 in den LN ein Leserbrief, der rückblickend verdeutlichte, warum das Provisorium in der Stadtmitte trotz der vielen Probleme eine so große Anziehungskraft gehabt hatte: „Seit fast zehn Jahren arbeitet das Städtische Gymnasium unter unmöglichen Verhältnissen – meist mit Räumen, die jeder Beschreibung spotten. Doch niemand aus der Elternschaft hat sich je beschwert. Und wenn unsere Kinder in Hühnerställen unterrichtet worden wären, hätten wir unsere Kinder dennoch diesem dynamischen Direktor und diesem Schulkollegium anvertraut.. Die neue Schule hat von Anfang an einen Geist fortschrittlicher Gemeinsamkeit zwischen Kollegium und Elternschaft entwickelt, so daß es gut wie keinen Lehrermangel und Unterrichtsausfall gab.“

Die BGL-Chronik

1959: Umzug einiger Klassen des Zeppelingymnasiums in das zu diesem Zeitpunkt leerstehende Lyzeum am Sauerfeld.

1. September 1959: Ratsbeschluss über die Errichtung eines zweiten Jungengymnasiums zum 1. April 1960.

1961/62/63: Diskussionen über eine „Teilung des Zeppelingymnasiums“.

10. April 1963:  Endgültiger Beschluss des Stadtrates zur Gründung einer zweiten Jungenschule. Sie sollte das Profil eines mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums mit Englisch-Beginn und der Wahl zwischen Latein und Französisch in der 7. Klasse bekommen.

6. November 1963: Das Kultusministerium genehmigt die Errichtung eines mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums.

1. April 1964: Erster Schultag des Städtischen Gymnasiums mit 105 Schülern in drei Klassen. In der Gründungszeit des BGL waren am Sauerfeld noch Klassen des Zeppelin-Gymnasiums untergebracht.

Schuljahr 1965/66:  Dr. Walter Hostert wird erster eigener Schulleiter des Städtischen Gymnasiums.

30. November 1966: Die letzten Klassen des Zeppelin-Gymnasiums verlassen das Schulgebäude am Sauerfeld.

1967:  Schulträger möchte eine Schule koedukativ weiterführen.

13. Oktober 1967: Stellungnahme des Schulkollegiums beim Regierungspräsidenten in Münster: „Es scheint uns erforderlich zu sein, daß der seit langem versprochene Neubau nunmehr ernsthaft in Angriff genommen wird.“

18. Dezember 1967 – Ratsbeschluss: „Das Städtische Jungengymnasium – naturwissenschaftlich-mathematisches Gymnasium – wird in Zukunft als Koedukationsschule unter Angliederung eines neusprachlichen Zweiges geführt. Die Einrichtung von Koedukationsklassen soll erfolgen, sobald die räumlichen Voraussetzungen hierzu geschaffen sind. Zur Verwirklichung des Gesamtplanes ist die Erstellung eines Schulneubaus erforderlich. Die Verwaltung wird beauftragt, die dazu erforderlichen Planungsarbeiten im Jahr 1968 zu beginnen.“

16. Dezember 1968:  Endgültiger Beschluss des Stadtrates über die Errichtung eines neuen Schulgebäudes.

1. August 1969:  Erstmals steht die Schule Mädchen offen.

Anfang März 1971:  Beginn der Arbeiten für den Neubau.

1972:  Gründung des Fördervereins des Städtischen Gymnasiums durch Mitglieder der Elternpflegschaft.

Beginn des Schuljahres 1973/74:  Unterricht in den neuen Räumen an der Saarlandstraße.

Oktober 1973: Fertigstellung der Dreifachturnhalle.

Juni 1976:  Das Städtische Gymnasium wird in Bergstadt-Gymnasium Lüdenscheid umbenannt.

   

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