Das Schweinchen ohne Namen

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Das Schweinchen ohne Namen.

Lüdenscheid - Bettina Pflug lebt seit mehr als 30 Jahren in Frankreich. Land, Liebe und die Pyrenäen haben die gebürtige Lüdenscheiderin seinerzeit dorthin verschlagen. Kultur ist dort anders, insbesondere mit Blick auf Kinder, die noch nicht einmal den aufrechten Gang erlernt haben.

Von Jutta Rudewig

„Babytheater ist dort sehr weit verbreitet. Es gibt in Frankreich richtige Kleinkinderfestivals mit Karussells, Musik und Krabbelwiesen. Die Nachfrage bei den Eltern ist riesengroß, da kommen auch schon mal sieben- oder achttausend Leute hin.“ Genug Gründe für die Lüdenscheiderin, sich intensiv mit dem auseinander zu setzen, was sie am Samstagnachmittag im Kulturhaus bieten wird: Ein rund 25-minütiges Theaterstück für die ganz Kleinen.

„Das ist Schweinchen“, sagt sie und setzt liebevoll die Figur auf die Sesselkante. Rosa, vielleicht einen halben Meter groß. Schweinchen trägt gehäkelte Unterwäsche, ein weißes Leibchen darüber und gestrickte Schühchen. Schweinchen hat keinen Namen, klärt Bettina Pflug auf, denn wenn doch, sei die Identifikation damit für die Kleinen schwieriger.

Schweinchen ist 2010 geboren, dem Jahr, in dem Bettina Pflug das Stück „L’est tomber“ auflegte, in Deutschland trägt es den Titel „Bumm!“ und wird am Samstag im Kulturhaus gezeigt. Seit 1996 gehört Bettina Pflug in ihrer Wahlheimat zu der Theatergruppe Compagnie Etincelle, die für alle Altersgruppen Theaterstücke inszeniert. Schnell merkte Bettina Pflug, dass die Stücke, die sie in Kinderkrippen vorführte, nicht auf ungeteiltes Interesse bei den Kleinen stießen. Also musste ein neues Stück her „L’est tomber“, ein Stück über Beobachten, Imitieren und Experimentieren, also die Grundlagen des kindlichen Lernprozesses. Zu Schweinchen gehören auch der ebenso namenlose Rabe als kindliche, aber ältere Bezugsperson und natürlich die Hände von Mama, die symbolisieren: „Ich liebe und pflege dich“.

2010 feierte sie Premiere

Der ersten Idee zum Stück folgten ausführliche Gespräche mit Kinderpsychologen und Erzieherinnen. Ein Jahr arbeitete Bettina Pflug an dem Stück, bevor sie bei einem Theaterfestival 2010 damit Premiere feierte. „Mehr als hundert Mal hab ich das inzwischen gespielt“, erinnert sie sich. Die Nachfrage ist ungebrochen, die zweite Inszenierung ist mittlerweile schon über die Premiere-Bühne gegangen. „Viele Kinder kennen heute eher die Musik der Werbeslogans als klassische Kinderlieder“, ist es der Puppenspielerin wichtig, schon ganz früh einen Kontrapunkt zu setzen, einerseits Eltern einen Anlaufpunkt zu bieten für sich und das Kleinkind, andererseits das kindliche Hirn zu fordern „die sind dabei, wenn ich spiele. Die erkennen sich selbst.“

Schweden, Kanada und Frankreich seien die Vorreiter des Babytheaters. In Frankreich haben viele Theater mindestens einmal im Jahr ein Babystück im Angebot. Entstanden ist „L’est tomber“ in französischer Sprache, hier wird das Stück in deutscher Sprache gezeigt: „Ich musste das Stück irgendwie neu interpretieren“, lacht Bettina Pflug in der Erinnerung an die sprachliche Umsetzung für deutsche Häuser.

Babyfestival in Berlin

Nächste Woche spielt sie in Berlin beim ersten Babyfestival. Ein Spiel auf Augenhöhe, die Aktionen finden auf dem Boden statt. Anfassen ist am Ende ausdrücklich erwünscht - „das ist wichtig für die Kinder“.

Für die Veranstaltung am Samstag ab 16 Uhr im Roten Saal gibt es noch Karten zu Preisen von fünf Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder jeweils zuzüglich zehn Prozent Vorverkaufsgebühren an der Theaterkasse des Kulturhauses, erreichbar unter Tel. 0 23 51/171 299, und – nach Vorrat – noch an der Tageskasse vor der Veranstaltung, an der ein erhöhter Eintrittspreis gilt.

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