Benefiz-Veranstaltung des Lions-Clubs-Lüdenscheid Minerva

„Streitgespräch“ über Lebenssäfte und Muskelschwund in der Bücherei

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Gerhard Winterhager (links) und Rudolf Sparing gaben den Optimisten und den Pessimisten.

Lüdenscheid – Schon im antiken Griechenland war’s ein hochaktuelles Debattenthema: das Alter. Aufgegriffenen und aktualisiert aufgelegt wurde es von den beiden Akteuren Gerhard Winterhager und Rudolf Sparing als kontroverser Dialog auf der Bühne im Saal der Stadtbücherei.

Die Aufführung wurde zum Streitgespräch für eine gute Sache: Im Bestreben, der Kinderbücherei in der Stadtbücherei zu neuem Mobiliar zu verhelfen, hatte der Lions-Club-Lüdenscheid Minerva Darsteller wie auch alle Ehrenamtlichen, die im Vorfeld organiserten, warben und auch am Tag der Veranstaltung für ein üppiges wie leckeres Büffet sorgten, zum Mitmachen motiviert. Mit Erfolg, wie der ausverkaufte Saal und im Nachgang das Büffet bewiesen.

Klare Rollenverteilung: Rudolf Sparing erging sich in der Rolle des Pessimisten und Gerd Winterhager repräsentierte einen Optimisten bezogen auf Einstellung und Haltung zu Alter und Älterwerden. Dementsprechend hatte Sparing auch die Bühne strukturiert. In der Mitte eine Leinwand, auf die inhaltsbezogen Strichzeichnung von Tomi Ungerer projiziert wurden. Rechts davon Pessimist Sparing unter einem grau-schwarzen Himmelskörper, und zur Linken der Leinwand stand Winterhager unter einer strahlenden Sonne an seinem Stehtisch mit Leselampe.

Minimalistisches Bühnenbild und eine klare Struktur. Schlagabtausch zu Beginn. Winterhager: „Es ist, wie es ist“. Sparing: „Nichts ist wie es ist, denn wie es ist, ist es Mist.“ Und schon ging es über einen Ausritt zu Arthur Schopenhauer hin zur Erkenntnis „Jugend fließt“ und „Alter dümpelt“. Alt werden und dabei jung bleiben will der Optimist. Der Pessimist hielt in dieser Phase dagegen, dass man alt werde, wenn die Leute sagten, dass man jung aussehe. Auch Liebe und Leidenschaften betreffend wogte es zwischen den beiden Kontrahenten hin und her. Mal in Prosa, dann wieder in endgereimten Versen. 

Während beim Optimisten die „Liebe glüht“, beeilt sich der Pessimist dagegen zu setzen „und Liebe erkaltet“. Man werde „getrennt gemeinsam alt“ und dabei „Sex zur Mangelware“ wusste Sparing süffisant aufzusetzen. Winterhagers „Wir sind so alt, wie wir uns fühlen“ zerbröselte unter Sparings Zuruf „wir sind so alt, wie die anderen uns sehen“. Über Lebenssäfte, Gewichtszunahme, Muskelschwund, den Zuruf „carpe diem“, pflücke den Tag, bis hin zum Verlust der Triebe und dem Verflachen der Emotionen und der Verkündung kleinen alltäglichen Glücks ging das bisweilen muntere Streitgespräch.

Eine Lösung des Zwiespalts zwischen Optimist und Pessimist schien nicht in Sicht, und doch leitete Sparing mit dem Satz „Das Glück hängt auch von der Würde ab, die man dem Menschen zubilligt“ hin zu heutigem Grundkonsens von grundgesetzlicher Gleichheit und weitete damit den Blick bis weit in die Antike, da Würde lange mit gesellschaftlicher Stellung einherging. Ein weiter Weg vom Kindsein bis ins hohe Alter, da Kästner trocken empfiehlt, „mit 100 bereite dich vor auf die ewige Reise.“ „Lieber Freund, mir gefällt noch allerlei“, beeilt sich der Optimist „auf einer duftenden Wiese liegen“ als altersgemäßen Zeitvertreib einzuführen. Sofern die Wiese nicht an der A 45 liegt, bedeutete dies ein Stückchen Lebensqualität, andernfalls aber eine Art Probeliegen im Sinne der Vorbereitung für die von Kästner vor Augen gehaltene „ewige Reise“. Ein vergnüglicher Abend.

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