Beliebtes Kaufhaus schließt im MK: Kunden entsetzt, Stadt gelassen 

+
Nach mehr als 50 Jahren sollen bei Karstadt in Iserlohn am 31. Oktober die Lichter ausgehen. Eine offizielle Stellungnahme der Geschäftsführung liegt im Iserlohner Rathaus jedoch noch nicht vor. 

Iserlohn – Nach mehr als 50 Jahren sollen bei Karstadt in Iserlohn Ende Oktober die Lichter ausgehen - schriftlich liegt im Iserlohner Rathaus jedoch immer noch nichts auf dem Tisch. Keine Stellungnahme von Galeria Karstadt Kaufhof, warum und vor allem wann der Konzern das Warenhaus in der Iserlohner Innenstadt schließen will. Ein kurzer Anruf bei der Stadtverwaltung ist bislang alles.

Deshalb hat Thorsten Schick, der erste stellvertretende Bürgermeister der Stadt Iserlohn, auch noch keine offizielle Stellungnahme herausgegeben. „Wir können die Gründe des Konzerns für die Aufgabe des Warenhauses in Iserlohn ja gar nicht benennen“, sagt er. Wenngleich sie natürlich auf der Hand liegen. 

Karstadt schliddert seit Jahren von einer Krise in die nächste. Kürzungen, Schließungen, Entlassungen – alles schon dagewesen. Zuletzt als Rettungsversuch die Fusion mit Galeria Kaufhof – doch dem Konzern geht es schlecht. Das wissen auch Schick und die Verantwortlichen im Rathaus nicht erst seit dem 19. Juni. 

„Wir beobachten die Veränderungen im Einzelhandel und den Bedeutungsverlust des Modells Kaufhaus schon seit Jahren mit Sorge. Wir sind uns auch bewusst, dass die Corona-Krise die Situation gerade für den Einzelhandel noch einmal erheblich verschärft hat. Von daher mussten wir immer damit rechnen, dass Karstadt die Stadt Iserlohn eines Tages verlassen würde. Auf der anderen Seite haben wir immer klare Signale gesetzt, dass wir bereit sind, erhebliche Mittel in die Umgestaltung des Schillerplatzes und die Sanierung des Karstadt-Gebäudes zu investieren. Das sind Voraussetzungen, die so an anderen Standorten sicher nicht vorzufinden sind und ein guter Grund, auch langfristig in Iserlohn erfolgreich Handel treiben zu können. Unter diesen Voraussetzungen hatten wir gehofft, eine Schließung des Standorts Iserlohn abwenden zu können.“ 

Die Stadt Iserlohn ist seit 2014 Eigentümerin der Karstadt-Immobilie mit dem mehr als 7500 Quadratmeter großen Grundstück und mit den mehr als 21 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Mit dem Wissen von heute war „der Kauf das Beste, was wir tun konnten. Ansonsten müssten wir jetzt in Verhandlungen mit dem Immobilieneigentümer eintreten, um die Zukunft dieses wichtigen innerstädtischen Standorts steuern zu können. So sind wir jetzt voll handlungsfähig und müssen uns nicht erst abstimmen, um die Folgen der Schließung des Warenhauses abzufedern“, sagt Thorsten Schick. 

Bereits Ende Oktober sollen sich die Türen des 1966 erbauten und 1967 eröffneten insgesamt fünfgeschossigen Kaufhauses für immer schließen. Das Datum ist noch nicht offiziell – mehrere Mitarbeiter lassen es in Gesprächen mit ihren Kunden aber vorsichtig durchsickern. Häufig ist über die Jahre ein Vertrauensverhältnis entstanden. 

Über die Hintergründe will sich im Gespräch mit unserer Zeitung ebensowenig wie die Geschäftsleitung auch kein Mitarbeiter auslassen – nahezu alle stehen vor einer ungewissen Zukunft, hören offenbar immer nur wieder etwas von Transfergesellschaften. Die Kunden sind fassungslos, dass die nächsten Einkäufe bei Karstadt ihre letzten sein werden.

 „Ich war ein Kind, als Karstadt hier in Iserlohn gebaut und eröffnet wurde“, erzählt die Iserlohnerin Silvia Becker. „Und ich hatte zuletzt noch so große Hoffnung für den Fortbestand von Karstadt, weil ich meine gelesen zu haben, dass ein neuer Haupteingang gebaut werden soll. Ein paar Tage später lese ich dann von der Schließung.“ 

Regelmäßig in der Iserlohner Innenstadt sind auch Reiner und Ursula Rautenberg unterwegs. Das Ehepaar kommt seit mehr als 20 Jahren aus Schwerte nach Iserlohn, und bei nahezu jedem Besuch steht ein Gang durch Karstadt auf dem Programm. „Wir fahren lieber nach Iserlohn als nach Dortmund. Karstadt ist hier nicht so riesig und trotzdem finden wir hier vieles, was wir brauchen“, sagt Reiner Rautenberg. Seine Frau ist überzeugt: „Die Leute werden erst merken, was ihnen fehlt, wenn Karstadt geschlossen ist.“ 

Davon ist auch die heimische SPD-Bundestagsabgesordnete Dagmar Freitag überzeugt: Auch wenn sich die Einkaufsgewohnheiten mit der Zeit deutlich verändert hätten, „so war das Angebot eines Vollsortiment-Kaufhauses immer noch einer der Gründe, in Iserlohn einzukaufen“, wird Freitag im Iserlohner Kreisanzeiger zitiert. 

Interessant wird jetzt, wie es mit der Gestaltung des Iserlohner Schillerplatzes weitergeht. Nach dem Abriss der alten Brücke als Verbindung zum Rathaus soll das gesamte Areal neu gestaltet werden und nachhaltig positive Akzente für die weitere Innenstadtentwicklung setzen: Karstadt einbezogen.

Lesen Sie auch: Eckpfeiler des Einzelhandels einer Stadt im MK bricht weg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare