1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

Erst testen, dann feiern: Beliebte Disco im MK ist Corona-Testzentrum

Erstellt:

Von: Jan Schmitz

Kommentare

saitensprung
Frank Kurschmitz (Referent des Bürgermeisters), Joana Schweitzer und Armin Klose freuen sich, dass im Saitensprung getestet wird. © Julian Witzel

In Lüdenscheids bekanntester Diskothek gibt es derzeit keine Cocktails und keinen DJ. Wo vor Corona Partygäste die Nächte durchfeierten, nimmt nun medizinisches Personal Nasenabstriche. Seit Ende März ist das „Saitensprung“ akkreditiertes Corona-Schnelltestzentrum. Nicht ganz ohne Eigennutz, wie Betreiber Armin Klose verrät. Er hofft, dass schon bald die Diskotheken in NRW wieder öffnen dürfen. Sollte dann ein negativer Corona-Test Voraussetzung sein, erhielten seine Gäste gleich vor Ort die „Eintrittskarte“. Das Konzept: Erst testen, dann feiern.

Lüdenscheid - Derzeit sind weitere Lockerungen frühestens ab 1. September möglich. Armin Klose setzt bei weiter niedrigen Inzidenzen aber auf schnellere Öffnungsschritte für Discos und Clubs. „Wir sind bereit. Wir könnten sofort reagieren“, sagt der Disco-Betreiber.

Mit einem Test- und Hygienekonzept dürften – so die Idee – die Partygäste in Innenräumen sogar auf Abstand und Maske verzichten. Einen Disco-Betrieb auf Distanz und mit Mund-Nase-Schutz kann sich Klose nicht vorstellen. Die Stammgäste werden bereits ungeduldig. „Immer mehr fragen nach einem Vorverkauf für die Disco“, berichtet Mitarbeiterin Joana Schweitzer.

Saitensprung Corona Party Kneipe
Im letzten Juni durfte im Saitensprung gefeiert, aber nicht getanzt werden. Aus der Discothek wurde eine Party-Kneipe. © Laudien

Mit großer Freude beobachten Klose und Schweitzer auch das Wiederaufleben der Gastronomie in der Lüdenscheider Innenstadt. Direkt vor der Eingangstür am Rathausplatz entsteht ein großer Biergarten. „Umso mehr Gastronomie und Angebote wir haben, desto attraktiver wird Lüdenscheid und desto mehr profitiert die gesamte Stadt“, sagt Betreiber Klose.

Noch aber bestimmen kostenlose Bürgertest den Alltag in der Diskothek. Maximal 100 Tests in der Stunde können hier durchgeführt werden. Die aufgrund der Lockerungen kreisweit nachlassende Nachfrage nach Tests bekam Joana Schweitzer ebenfalls zu spüren – bis zum vergangenen Donnerstag. „Der Mittwoch war noch sehr ruhig, am Donnerstag stand dann eine ganze Kinderschar vor der Tür“, erinnert sich Schweitzer, die das Testzentrum leitet. Bis Samstag riss der Strom der jungen Testwilligen nicht mehr ab.

Das war der Wahnsinn. Eine Schlange wie sonst nur beim Stadtfest. 

Joana Schweitzer

Hintergrund waren die Corona-Regeln, die das Familienbad Nattenberg erlassen hatte. Der Zugang in alle Bereiche wurde demnach nur mit negativem Test gewährt. Viele Jugendliche wussten das nicht. Sie wollten bei der Hitze einfach nur ins Freibad, hatten am Eingang aber keinen Testnachweis parat. Neues Ziel: „Saitensprung“. Schweitzer: „Das war der Wahnsinn. Eine Schlange wie sonst nur beim Stadtfest. Mit so viel hatten wir nicht gerechnet. Niemand hatte uns vorab informiert.“

Die zwei für den Dienst eingeteilten Mitarbeiter machten das Beste aus der Situation. Allerdings musste bei den Minderjährigen noch das Einverständnis der Eltern eingeholt werden. Joana Schweitzer war rund um die Uhr in Gesprächen: „Viele Eltern erfuhren erst durch uns, dass ihr Kind ins Freibad wollte.“

Auch interessant

Kommentare