Zeugen berichten:  „Krebskranker Hurensohn, stirb!“

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Strafverteidiger Andreas Trode mit seinem Mandanten

Lüdenscheid - Das ist kein guter Tag für „Vassili“. Am siebten Verhandlungstag gegen den 29-jährigen Lüdenscheider vor dem Landgericht in Hagen bestätigen drei Zeugen die zahlreichen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Aus dem trockenen Text der Anklage werden lebendige Geschichten.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern.

Es sind Geschichten über Unterdrückung durch den Angeklagten und Angst der Opfer, über Erpressung und Ausgeliefertsein, über Skrupellosigkeit und Resignation, Ausbeutung, Schläge, Elektroschocks und die Folgen. „Vassili“ schüttelt dazu mit dem Kopf, redet gestikulierend auf seinen Verteidiger ein – und wirkt aufgewühlt. Seine Strategie, Opfer zu Mittätern zu machen, scheint nicht aufzugehen.

In einer spontanen Erklärung deklariert er Zeugen – wie zuvor die 29-jährige Apothekenhelferin – als Kokaindealer, die mit ihm Geschäfte hätten machen wollen. Er gibt zu, den einen oder anderen dabei „verarscht“ und auch ein paar Mal zugeschlagen zu haben, wie er sagt. Und präsentiert sich als geläutert. „Ich sage, was ich gemacht habe, dazu stehe ich. Ich bin kein Unschuldslamm. Ich habe genug Scheiße gebaut. Und das tut mir leid.“

"Scheckkarten und Ausweis abgenommen"

Ein 23-jähriger Krebs-Patient erinnert sich, wie er „Vassili“ in einer griechischen Bar am Sauerfeld kennengelernt hat. „Anfangs war da Vertrauen, dann hat er mich immer heftiger bedrängt.“ Er habe mehrere Konten eröffnen müssen. Der Peiniger habe ihn stets begleitet – und ihm dann Scheckkarten und Ausweis abgenommen und die Dispo-Kredite ausgeschöpft.

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Der Zeuge: „Ich war ja krank und geschwächt, und er hat das ausgenutzt.“ Zu Ratenkäufen habe er mitgehen und Verträge unterschreiben müssen. Noch heute bekommt der 23-Jährige nach eigenen Angaben Briefe, Rechnungen, Mahnungen, zum Teil aus Holland. „Vassili“ habe Fernseher, Handys und Laptops gekauft. Als der Zeuge über Facebook Kontakt zu „Vassili“ aufnimmt, um Ruhe zu bekommen, habe der geantwortet: „Krebskranker Hurensohn, stirb!“

Schläge und Elektroschocks

Wehrlos war ein 20-jähriger Auszubildender aus der Innenstadt. Auch er berichtet über das laut fordernde und aggressive Auftreten des Angeklagten. Morgens um 5 Uhr, auf dem Weg zu Arbeit, habe ihm „Vassili“ aufgelauert und Kredit- und Scheckkarte abgeknöpft. „Ich habe die Karten Minuten später sperren lassen.“ Zur Strafe habe er Schläge und Elektroschocks verpasst bekommen. Der Zeuge erinnert sich: „Da war noch ein Breiterer dabei, da habe ich gedacht, ich mache lieber, was er will.“ Die Targo-Bank bewilligt dem jungen Griechen in Begleitung des Angeklagten im Februar einen 14.000-Euro-Kredit.

Der dritte Belastungszeuge, ein 24-jähriger Lagerarbeiter, weint, als er über sein Martyrium berichtet. „Ich wusste nicht, was ich machen soll.“ Mit „Knarre“ und Messer sei er gezwungen worden. „Ich habe noch viele offene Rechnungen, und es werden immer mehr.“ - von Olaf Moos

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