Beitragsfreies Kita-Jahr für eine halbe Million Euro

LÜDENSCHEID ▪ Auf den ersten Blick scheint die Rechnung ganz einfach: Sollte die neue rot-grüne Landesregierung ihre Ankündigung umsetzen und das letzte und dritte Kindergartenjahr beitragsfrei stellen, teile man die veranschlagten Elternbeiträge, die das Jugendamt jährlich einbehält, einfach durch Drei – und schon steht die Summe fest, die das Land übernehmen muss.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte für NRW 120 Millionen für die Umsetzung ihrer Idee veranschlagt. Laut dieser Rechnung müsste die Stadt Lüdenscheid nach derzeitigem Stand vom Land mit gut 550 000 Euro unterstützt werden. Im Haushalt sind nach Angaben des stellvertretenden Jugendamtsleiters Andreas Hein für den Besuch der 40 Kindergärten in Lüdenscheid 1,7 Millionen Euro an Elternbeiträgen veranschlagt.

Aber ganz so einfach ist die ganze Geschichte dann doch nicht: „Inzwischen ist der Aufenthalt im Schnitt länger als drei Jahre, weil der Eintritt in die Kita zum Teil durch die Betreuung unter Dreijähriger eher erfolgt. Dann müssen Kinder, die beitragsfrei sind, oder sozial bedingte Ermäßigungen berücksichtigt werden. Das würde dann unter Umständen nur noch ein Fünftel statt ein Drittel des Betrages ausmachen“, sagt Hein. Auch die gestaffelten Betreuungszeiten nach dem Kinderbildungsgesetz spielten eine Rolle. „Da stecken viele Unsicherheiten drin.“ Hinzu komme noch die Berechnung der Betriebskosten, die sich je nach Träger der Einrichtung unterschiedlich auswirkt. So muss die Stadt einem anerkannten Träger der freien Jugendhilfe einen Zuschuss in Höhe von 91 Prozent der Betriebskosten gewähren. 36 Prozent Zuschuss kommt vom Land, macht noch 55 Prozent für die Stadt. Um diesen Kostenanteil ebenfalls auf 36 Prozent zu senken, werden die Elternbeiträge nach den jeweiligen Einkommen gestaffelt erhoben. Sie liegen derzeit bei 13 Prozent.

Der Vorschlag der Verwaltung, die Beiträge in zwei Schritten auf 19 Prozent zu erhöhen, um den städtischen Eigenanteil an der Kita-Finanzierung zu senken, war Mitte März im Rat gescheitert.

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