Kritik an der Deutschen Bahn

68 Zug-Ausfälle der RB25 allein im Januar - Pendler sauer, Bahn relativiert

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Zugausfälle waren im Januar fast an der Tagesordnung. 

Lüdenscheid - Die Deutsche Bahn hat Probleme, den Betrieb der RB25 von Lüdenscheid, Meinerzhagen, Oberbrügge ins Rheinland zuverlässig zu gestalten. Allein im Januar fielen 68 Züge aus. Für Pendler ein Graus. 

Es war eine echte Erfolgsgeschichte: Mit der Reaktivierung der Bahnstrecke von Meinerzhagen nach Köln sowie später von Lüdenscheid aus rückte das Sauerland mit der RB25 wieder näher an das Rheinland heran. 

Bei vielen war die Freude groß über die neue Verbindung – allen voran bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses Volme-Agger-Bahn. Immerhin hatten sie sich maßgeblich für die Reaktivierung der Strecke eingesetzt, das Thema immer wieder auf die Tagesordnung gebracht – auch bei der Politik. 

Aufbruchstimmung: Am 9. Dezember 2017 wurde das Teilstück zwischen Meinerzhagen und Lüdenscheid wieder in Betrieb genommen. Doch mittlerweile wird immer wieder Kritik an Pünktlichkeit oder Tarifstruktur laut.

Doch das Fazit fällt bei den Mitgliedern derzeit ernüchternd aus: Zugausfälle, eine Zwei-Stunden-Taktung, Tarif-Dschungel & Co.: „So bekommt man die Strecke schnell wieder kaputt“, ist sich Christoph Riedel sicher. 

Der Lüdenscheider gehört zu den gut zehn Mitgliedern des Aktionsbündnisses, die alles daran setzen möchten, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke auch eine Erfolgsgeschichte bleibt – auch wenn die Umstände zurzeit ihrer Meinung nach nicht zur Attraktivität beitragen. 

"So behandelt man keine Kunden"

Erst am 26. Januar hatte Claudius Bartsch, Leser unserer Zeitung, seine Erfahrungen bei einer Zugfahrt nach Köln geschildert – inklusive Zugausfall und fehlendem Schienenersatzverkehr. „So behandelt man keine Kunden“, weiß Riedel, dass diese Schilderungen längst kein Einzelfall sind. 

Das sind die Kritikpunkte

Kritikpunkt Nummer 1: die Zwei-Stunden-Taktung. Diese ist derzeit noch notwendig, da die Züge auf der Strecke in Kierspe, nicht kreuzen können. „Da liegt momentan nur ein Gleis.“ Die Folge: Ein Zug fährt von Köln nach Lüdenscheid – und wieder zurück. Verbunden mit der Verlegung eines zweiten Gleises ist auch der Ausbau der Bahnübergänge sowie eine Lärmschutzmaßnahme.

„Das dauert einfach zu lange“, erklärt Riedel und verweist auf das große Fahrgastpotenzial, das die Strecke nach Ansicht des Bündnisses bietet. Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage erklärte, liegt die Planfeststellung für die Lärmschutzmauer für die „Verkehrsstation Kierspe“ bereits vor, jene für den Ausbau zum Bahnhof wird im Frühjahr erwartet. Das gelte auch für die Bahnübergänge – auch dafür fehlten noch drei von elf Genehmigungen.

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Kritikpunkt Nummer 2: der Tarif-Dschungel. „Da soll einer durchblicken“, wissen Christoph Riedel und seine Mitstreiter um die vielen Optionen.

Kritikpunkt Nummer 3: die Unzuverlässigkeit. „Wenn ich als Fahrgast nicht sicher sein kann, dass ich hin- und zurückkomme, dann nehme ich im Zweifel doch lieber das Auto“, spricht Riedel ein grundsätzliches Problem an. Störungen am Zug, geänderte Haltepunkte (Zug endet beispielsweise in Meinerzhagen statt in Brügge) und Verspätungen seien leider keine Seltenheit. 

Auch hier hat das Aktionsbündnis Buch geführt und die Twitter-Nachrichten der DB Regio NRW gesammelt: Allein auf der Strecke der RB 25 habe es im Monat Januar knapp 40 Vorfälle gegeben – eine Zahl, die sich auch mit den Angaben der Deutsche Bahn deckt: Demnach seien in diesem Jahr bislang 36 Züge in Richtung Lüdenscheid und 32 Züge aus Richtung Lüdenscheid komplett oder auf Teilstrecken ausgefallen.

„Teilweise wird dies auch gemacht, damit die Züge bei größeren Verspätungen nicht auf der gesamten Strecke bis Köln die Verspätung mitnehmen und sich diese dann noch vergrößert“, erklärt ein Bahnsprecher. Laut seiner Berechnungen seien rund 1,2 Prozent der Zugkilometer in diesem Bereich ausgefallen. Bei rund 75 Prozent der Ausfälle lag eine Störung der Infrastruktur vor. Hauptgründe für die anderen Störungen seien Fahrzeuge oder Personen im Gleis gewesen. 

Für Riedel und seine Mitstreiter liegen die Gründe klar auf der Hand: Versäumnisse in der Vergangenheit. „Wenn man die Bahn für Deutschland möchte, dann muss man sie finanziell auch entsprechend ausstatten.“ 

Und so möchte das Aktionsbündnis auch in Zukunft dafür eintreten, mehr Menschen für die Bahn zu begeistern und die Strecke zwischen Lüdenscheid und Köln bekannter zu machen. „Denn eine umsteigefreie Fahrt in die Großstadt Köln – das ist schon genial. Und es ist doch schade, wenn zu wenig Menschen davon wissen.“

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