LN begleiten Bürgermeister auf Dankeschön-Tour durch Wahllokale

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Ein Dankeschön vom Bürgermeister gab’s auch für Sabine Roß in der Schweitzer-Schule, wo Dzewas mittags auch selber wählte.

LÜDENSCHEID -  Für Petra Missaji ist die Arbeit im Wahlvorstand Ehrensache: „Es ist wichtig, dass wir eine Demokratie haben“, sagt sie im Klassen-... pardon: Wahlraum der Albert-Schweitzer-Hauptschule. Tochter Amira nickt. Sie wurde von ihrer Mama als neue Wahlhelferin geworben und sitzt ihr nun gegenüber.

Zwei Wahlräume weiter nennt Sabine Roß, auch erstmals dabei, einen ganz anderen Grund dafür: „In der Zeitung stand, dass sie dringend Wahlhelfer suchen. Da dachte ich mir, ich kann ja mal die Welt retten“, lacht sie.

Die Stimmung in den Wahllokalen, die wir am Morgen mit Bürgermeister Dieter Dzewas auf seiner Dankeschön-Rundfahrt besuchen, ist durchweg gut. Ein Wähler ruft indes aus der schmucklosen Wahlkabine: „In meiner Rentenbehörde muss ich fälschungssichere Kugelschreiber nehmen, und zum Wählen habt ihr nur Bleistifte?“ Wahlvorstand Carsten Tesch kennt den Grund, der nichts mit der leeren Stadtkasse zu tun hat: „Die Stifte sind Vorschrift, die sind unradierbar!“ Tesch selbst ist als Freund des Standesbeamten Jürgen Gößlinghoff hier: „Der trommelt uns jedesmal zusammen.“

Stadt-Beschäftigte stellen traditionell das Gros aller Helfer in den 67 Wahl- und 20 Briefwahlvorständen in Lüdenscheid, für die jedesmal mehrere hundert Leute gebraucht werden. „Da es ist gut, wenn unsere Mitarbeiter große Freundeskreise haben“, schmunzelt Dzewas.

Im Pfarrheim St. Petrus und Paulus, das ebenfalls zum Wahlraum mutierte, wartet Dorothea Fritzsch als Ehrenamtliche der Gemeindebücherei auch am Wahltag auf Leser. Zu den aussortierten Werken, die auf dem Flur für 50 Cent zu kaufen sind, zählt ausgerechnet ein Werk von Oskar Lafontaine, das Dzewas sofort auffällt. „Die liest keiner mehr“, beruhigt sie. Dzewas grinst: „Dann geht’s ja.“

Nach dem Diabetikerzentrum geht’s ins Bonhoeffer-Altenheim, wo Bewohner Ernst Neugebauer (98) soeben als bisher ältester Bürger gewählt hat. „Da können wir uns ja gleich zum Gratulieren 2015 verabreden“, sagt der Bürgermeister. Neugebauer müsse helfen, die Männerquote bei den 100-jährigen Lüdenscheidern anzuheben, im Moment gebe es da sieben Frauen und einen Mann. „Abgemacht!“, strahlt der Senior.

An uns vorbei eilen gerade Regina Ochsenknecht und Andreas Brensing: Als eines von zwei Teams bringen sie im grauen Stadtauto jedem Wahlvorstand 50 Euro „Erfrischungsgeld“ vorbei. Viele ältere Wähler lassen trotzdem etwas für die Kaffeekasse da. Jüngere sind knauseriger. Für sie ist es offenbar normal, dass sich Mitbürger den freien Sonntag um die Ohren hauen, damit es ein Wahlergebnis gibt. Die schieben dafür je eine Vor- oder Nachmittagsschicht, zum Auszählen ab 18 Uhr sind dann alle da.

Wie sagte Petra Missaji? „Es ist wichtig, dass wir eine Demokratie haben.“ - hgm

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