Begleitbuch zur Ausstellung in den Arrestzellen

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Die Gedenkzellen im Keller des alten Rathauses.

Lüdenscheid - Das Gefühl ist durchaus beklemmend. Im Rathaus, so erklärt Dr. Jürgen Wurster vom Verein Ge-Denk-Zellen seinen Besuchern, war die Polizeistation untergebracht. Und in den Kellerräumen befanden sich die Arrestzellen. Laut Grundriss vier an der Zahl. Schwere Türen, steinerne Räume, kahl, menschenunwürdig.

Geschichte vor Ort ist begreifbar, wenn man einen Blick in die Gedenkzellen am alten Rathaus wirft. Direkt ins Auge fallen die Räume nicht, teilt sich doch der Eingang. Rechts der Eine-Welt-Laden, links der Eingang zu den Gedenkzellen. An der Stirnseite der ehemaligen Arrestzelle erinnert eine Vitrine mit Kultgegenständen an die untergegangene jüdische Tradition.

„Die Gedenkstätte soll am authentischen Ort durch die Erhellung der Schicksale vieler Opfer, diesen Name, Gesicht und damit ihre Würde zurückgeben“ heißt es in einem 124 Seiten starken, frisch aufgelegten Buch, das am Eingang der Gedenkzellen als Begleitbuch zur Ausstellung ausliegt. Herausgeber ist der Verein „Ge-Denk-Zellen Altes Rathaus Lüdenscheid“. Es ist ein edel aufgelegtes, handliches Buch, das Licht in ein dunkles Kapitel dieser Stadt bringt, zehn Jahre, nachdem Mitglieder des Bündnisses für Toleranz, der Friedensgruppe und der jüdisch-christlichen Zusammenarbeit 2003 beschlossen hatten, die Opfer des Nationalsozialismus’ nicht zu vergessen.

Beharrlich hatten sie daran gearbeitet – auch gegen innerstädtische Widerstände – diese Gedenkstätte errichten zu können. Am 23. November 2012 konnte sie eröffnet werden. Seitdem wird sie von Schulklassen, Gruppen und vielen älteren Lüdenscheidern besucht, die die Gedenkzellen zu Gesprächszellen machen.

Das Begleitbuch, das gegen eine Schutzgebühr von sieben Euro zu haben ist, besteht aus Aufsätzen bekannter Geschichtsforscher der Bergstadt. Artur Schlegelmilch beleuchtet die Perspektiven der Forschung und der Erinnerung an den Nationalsozialismus, Fragen, Antworten und Anmerkungen stammen von Matthias Wagner und Dr. Jürgen Wurster. Hella Goldbach stellt das Judentum in den Mittelpunkt ihres Beitrages, Helmut Ebertz Euthanasie und Krankenmord, auch im Großraum Lüdenscheid. Auf einer Tafel in der Gedenkstätte wird beispielsweise an das leidvolle Schicksal der Marianne D. erinnert.

Beiträge gibt es in dem Begleitbuch unter anderem auch zur Vernichtung der freien Gewerkschaften und den christlichen Glauben.

Matthias Wagner bietet über den Besuch der Gedenkzellen hinaus Stadtrundgänge an, bei denen an markanten Stationen die Geschichte des Nationalsozialismus auch außerhalb der Mauern des alten Rathauses sichtbar wird. Ergänzend zum Buch entstand eine CD der Komponistin Yasmin Alijah, die einen musikalischen Zugang zum Thema ermöglicht und für fünf Euro zu haben ist.

Die Gedenkzellen im alten Rathaus, Eingang Marienstraße, sind jeweils mittwochs in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Termine für Führungen können unter der Rufnummer Tel. 02351/25138 vereinbart werden. -  rudi

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