Bedrängter Weihnachtsmarkt

Alles genau vermessen, selbst der Baum zwängt sich noch durch: Aufstellflächen der Feuerwehr, Platzbedarf der Anlieger wie der neue Raucherbereich vor der Zuccaba – der Rest bleibt der Budenstadt.

LÜDENSCHEID - "Weihnachtsmarkt oder Jahrmarkt? „Durchaus vorzeigbar“, wie Bürgermeister Dieter Dzewas zur Eröffnung meinte, oder lautes, lästiges Ärgernis, wie der eine oder andere Anwohner meint? – Der jahreszeitliche Markt auf dem Sternplatz behauptet sich unverdrossen alljährlich zwischen allen Fronten. Und Betreiber Hartmut Langhoff möchte – und muss – es allen recht machen.

Er muss Rettungswege und Aufstellflächen einhalten und den neuen Raucherbereich vor der Zuccaba einrechnen. Er darf den Wochenmarkt nicht bedrängen und Onkel Willy nicht zubauen. Er muss genug Buden unterbringen, damit sich der Aufwand finanziell lohnt. Und weil man den Brunnen nicht zurückdrängen kann, muss sich ein großer Wagen halt in die stattliche Tanne quetschen. Und er muss die Musik dämpfen, wenn sich Anwohner beschweren. Dass es im Moment nur ganz leise tönt – Erlaubnis hin, Erlaubnis her – liegt am Streit mit einem benachbarten Anwalt, der auf ein Lärmgutachten drängt.

„Dann hat man keine Wahl“, sagt André Westermann, Geschäftsführer des Lüdenscheider Stadtmarketings (LSM). Es ist der erste Weihnachtsmarkt, den er verantwortet. Schnell war klar: „Man hat so’n paar Ideen, und dann merkt man, wie viele da drin sind.“

Entzerren kann man die kleine Budenstadt nicht. Den Weg zwischen altem und neuem Sinn-Leffers einzubeziehen, wie beim Stadtfest-Flohmarkt, sei nicht möglich gewesen, sagt Westermann. Angesichts der angekündigten Baustelle habe man nicht sicher planen können. Standorte von Marktbuden für die Weihnachtzeit zu verlegen, scheitere an den Händlern. Vorm Gewerkschaftshaus dürften die ohnehin nicht stehen, weil davor eine Feuerwehraufstellfläche sei. Aus Rathaussicht weiter rechts fühlten sich Händler „abgehängt“. Nicht verhandelbar sind auch Feuerwehrfahr- und -aufstellflächen auf dem Sternplatz. „Die Fahrwege sind der Bebauung geschuldet“, sagt Frank Switala vom vorbeugenden Brandschutz der Feuerwehr, etwa dem ausgebauten „Hulda“-Dachgeschoß: „Der zweite Rettungsweg über die Drehleiter muss möglich sein, sonst dürfte die Wohnung während des Weihnachtsmarktes nicht genutzt werden.“

Aber auch das stark durchmischte Angebot wird diskutiert. Dass ausgerechnet das letzte atmosphärische Erzgebirge-Stübchen Ausverkauf hat, betrübt nicht nur Stammkunden. Ute Rentrop schließt aus Altersgründen, kapituliert aber auch vor Internet und Arbeitsaufwand: „Die ganze Weihnachtszeit geht immer verloren.“

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