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Bauzeiten-Verzögerung an maroder Talbrücke im MK - wegen Wanderfalke

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Von: Leon Malte Cilsik

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Talbrücke Schlittenbach
Symbolbild Talbrücke Schlittenbach © Henrik Wiemer

Seit über sechs Wochen zieht die Rahmedetalbrücke fast sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Doch nagt der Zahn der Zeit auch an anderen Talbrücken im Lüdenscheider Stadtgebiet. Bei Verstärkungsarbeiten kommt es nun an einer von ihnen zu Verzögerungen.

Lüdenscheid – Sogenannte Nachrechnungen, bei denen die Statik der Brücken anhand heutiger Maßstäbe überprüft wird, ergaben „Tragfähigkeitsdefizite“ für die Talbrücken Schlittenbach und Kattenbusch. Bis Ende 2021 sollten Überbauverstärkungen installiert werden, welche die ermittelten Defizite verringern. Jedoch kam es bei den Arbeiten an der Talbrücke Schlittenbach zu Verzögerungen, wie Anke Bruch, Pressesprecherin von Autobahn NRW, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Mit den Baujahren 1970 (Kattenbusch) und 1971 (Schlittenbach) wurden beide Brücken zu einer ähnlichen Zeit errichtet wie die Rahmedetalbrücke (1968). Die Verstärkungsarbeiten an diesen beiden Bauwerken begannen im Februar 2021 – also lange bevor sich die Ereignisse an der Rahmedetalbrücke überschlugen.

Bauzeiten-Verzögerung an maroder Talbrücke im MK - wegen Wanderfalke

Bruch beschreibt die geplanten und zum Teil bereits fertiggestellten Maßnahmen wie folgt: „Um die Brücke Schlittenbach zu verstärken, wurden die beiden Brückenüberbauten unter anderem mit einer so genannten externen Vorspannung versehen. Dabei werden Stahlseile in Längsrichtung der Brücke angebracht und auf Spannung gebracht. Das Bauwerk wird auf diesem Weg zusammengedrückt und kann so höhere Lasten aufnehmen.“ In der Nähe der Brückenpfeiler werden ihren Angaben zufolge zusätzlich etwa vier Zentimeter dicke Stahlstangen (sogenannte vertikale Stabspannglieder) eingebaut, die den Überbau verstärken sollen.

An der Talbrücke Kattenbusch erfolgte der Anbau einer externen Vorspannung bereits vor mehreren Jahren. 2021 wurden ergänzend Verstärkungsbalken an den Brückenüberbau betoniert. „Verstärkungsbalken werden vorwiegend bei Brücken verwendet, bei deren Herstellung so genannter spannungsrissgefährdeter Spannstahl verwendet wurde“, erklärt Bruch. Die betroffenen Brücken und Bereiche würden vorab in einem komplexen Rechenverfahren bestimmt.

Während die Arbeiten an der Talbrücke Kattenbusch wie geplant Ende des Jahres 2021 abgeschlossen wurden, verzögere sich der Termin für die Talbrücke Schlittenbach voraussichtlich bis zum Sommer 2022. Als Grund nennt Autobahn NRW-Pressesprecherin Bruch die Brutzeiten eines Wanderfalken im Brückenbereich.

Nach Angaben von Autobahn NRW wurden in der Vergangenheit bereits zahlreiche Brückenüberbauten auf diese Art verstärkt. Auf der A 45 beispielsweise die Talbrücken Sterbecke, Sürenhagen oder auch die Eichelnbleck. Die Kosten inklusive Verkehrsführung beziffert Bruch an der Talbrücke Kattenbusch auf rund 1,52 Millionen Euro, an der Talbrücke Schlittenbach rechnet sie mit 2,25 Millionen Euro.

Nach Abschluss der laufenden Arbeiten seien weitere Nachrechnungen und Verstärkungen an den beiden Brücken derzeit nicht geplant. Auf die Nachfrage, ob bei den Brücken Schlittenbach und Kattenbusch ähnlich unschöne Überraschungen möglich werden könnten wie im Fall der Rahmedetalbrücke, verweist Bruch darauf, dass „die beiden Brücken sich hinsichtlich Bauart und Bauweise grundsätzlich von der Talbrücke Rahmede unterscheiden und daher mit dieser nicht vergleichbar sind“.

Ursprünglich war für beide Brücken bereits für 2022 der Beginn von Neubauarbeiten geplant. Diese Pläne seien jedoch veraltet, sagt Bruch. „Wir werden frühestens 2030 mit den Ersatzneubauten beginnen.“ Im Normalfall dauere dieser Prozess zwischen zwei und vier Jahren.

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