Hiobsbotschaft für Lüdenscheid

Wieder Baustopp im Rathaustunnel! Neue Korrosionsschäden in der Bewehrung entdeckt

Der Rathaustunnel in Lüdenscheid.
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Der Rathaustunnel in Lüdenscheid.

Nächste Hiobsbotschaft aus dem Rathaustunnel: Nach dem Asbestfund im April 2019 sind während der zuletzt durchgeführten Sanierungsmaßnahmen weitere Schäden entdeckt worden. Die Baustelle wurde vorübergehend stillgelegt.

Lüdenscheid – Nach ersten Erkenntnissen liegt der Bewehrungsstahl im Beton teilweise frei und ist korrodiert. Die Wiedereröffnung des Lüdenscheider Verkehrsnadelöhrs – zuletzt für Herbst 2023 vorgesehen – verzögert sich nun erneut. Um wie lange? Niemand weiß es.

Dabei waren die von außen sichtbaren Zeichen zuletzt positiv. Nach dem Asbestfund war die östliche Tunnelröhre 2019 luftdicht verschlossen worden, damit die giftigen Asbestfasern nicht in die Umwelt gelangen. Nur in Schutzmontur durften die Arbeiter in der Folge die Röhre betreten. Um die asbesthaltigen Eternitplatten in der Decke („verlorene Schalung“) sicher entfernen zu können, erstellte eine Spezialfirma ein Sanierungskonzept, an das sich auch die später beauftragte Firma penibel hielt. Erfolgreich.

In den vergangenen Tagen wurde die Asbestsanierung in der östlichen Röhre abgeschlossen, der luftdichte „Sarkophag“ durfte wieder geöffnet werden. Die Verkleidungen wurden entfernt. Das Betreten oder gar Befahren der 342 Meter langen Tunnelröhre bleibt nach der jüngsten Entwicklung allerdings verboten.

„Die Asbestsanierung in der ersten Röhre ist abgeschlossen. Aber es gibt ein neues Problem“, sagte Andreas Berg, Sprecher des Straßenbaulastträgers Straßen.NRW am Montag auf Anfrage. „Als das Asbest runter war und wir den blanken Beton sehen konnten, hat sich herausgestellt, dass es Korrosionsschäden in der Bewehrung gibt“, erklärt Berg.

Eine erste Analyse ergab, dass beim Bau des Tunnels zu Beginn der 1970er-Jahre die vorgegebenen Mindestabstände bei der Betonüberdeckung nicht eingehalten worden waren. Das bedeutet, der verbaute Stahl war nicht dick genug ummantelt und rostete über die Jahre – verdeckt vom Asbest – vor sich hin. Einsturzgefahr für die darüber liegenden Gebäude und Plätze bestehe aktuell nicht, sagt der Straßen.NRW-Sprecher. Gleichwohl könne der Bauherr die gefundenen Korrosionsschäden im Zuge der geplanten Komplettsanierung des Rathaustunnels nicht einfach ignorieren – und muss erneut handeln.

„Derzeit wird für die Beseitigung der Korrosionsschäden ein Sanierungskonzept erarbeitet. Der Auftrag wurde bereits erteilt“, heißt es aus der Pressestelle von Straßen.NRW am Montag. Wann dies vorliegt und wann die Bauarbeiten fortgesetzt werden, ist derzeit noch unklar. Dass es aber zu weiteren Verzögerungen kommen wird, steht außer Frage.

„Erst wenn die neu entdeckten Schäden beseitigt sind, können wir mit der eigentlichen Tunnelsanierung beginnen“, betont Andreas Berg. Dann werden Notgehwege gebaut, Leitungen verlegt, Brandschutzmörtel auf Decken und Wänden aufgebracht und eine neue Asphaltdecke eingezogen.

Die nach mehrmaligen Verzögerungen inzwischen für Frühjahr 2022 geplante Freigabe der östlichen Tunnelröhre wird sich auf unbestimmte Zeit verschieben – und in der Folge alle Gewerke in der westlichen Tunnelröhre, die im Anschluss saniert werden soll. Auch dort wurde Asbest gefunden, der entfernt werden muss.

Dass die Bewehrung darunter ebenfalls korrodiert ist, gilt als wahrscheinlich, steht aber noch nicht abschließend fest. „Wir hoffen, dass wir im Fall der Fälle das jetzt zu erstellende Sanierungskonzept auch für die zweite Tunnelröhre nutzen können“, sagt Andreas Berg.

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