Panoramablick mit Beigeschmack

Baumsterben: Ausflugziel Homert ist kaum wiederzuerkennen

homert
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An der Homert mussten große Waldflächen aufgrund des Borkenkäferbefalls gerodet werden. Der Blick in die Landschaft - vom Homertturm aus betrachtet - hat sich dadurch völlig verändert.

Die letzten Meter bis zum Lüdenscheider Homertturm – am 15. Juli 1894 eingeweiht und Wahrzeichen der SGV-Abteilung Lüdenscheid – gleichen einer Wanderung durch eine Kraterlandschaft.

Lüdenscheid – Die letzten Meter bis zum Homertturm – am 15. Juli 1894 eingeweiht und Wahrzeichen der SGV-Abteilung Lüdenscheid – gleichen einer Wanderung durch eine Kraterlandschaft. Geschlagenes Borkenkäferholz, das säuberlich aufgestapelt und auf Maß geschnitten am Wegesrand liegt, wartet auf den Abtransport. Baumstümpfe und Wurzelwerk, die noch auf den abgeholzten Flächen liegen, erinnern daran, wie dicht der Wald rund um die Homert vor dem (notwendigen) Kahlschlag war.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Die Landschaft ringsumher und die Aussicht vom Turm hat das durch Hitze, Dürre und Schädlinge verursachte Waldsterben vollständig verändert. Auf dem Weg künden tiefe Spurrillen vom Einsatz schwerer Fahrzeuge, die die gefällten Bäume aus dem Wald holen. Als wäre das nicht genug, sind auch noch Sturmschäden zu beklagen.

Baumsterben: Wanderhütte derzeit geschlossen

Nur knapp verfehlte ein mächtiger Laubbaum, der Wintersturm „Hermine“ nicht standhielt, die SGV-Wanderhütte. Im Dezember entdeckte Hüttenwartin Inge Kittler das Malheur. „Wir haben noch Glück gehabt, dass der Baum nicht auf die Hütte gefallen ist“, erzählt sie. Glücklicherweise sind auch die Holzgarnituren, die noch zum Teil von Zweigen und Ästen bedeckt sind, heil geblieben.

Bis Wanderer, Spaziergänger und Fahrradfahrer wieder – sobald unter Coronabedingungen möglich – eine Rast an der Hütte einlegen und sich stärken können, bleibt den Ehrenamtlichen noch viel zu tun. „Ich wäre ja schon froh, wenn der Weg wieder in Ordnung wäre“, sagt Inge Kittler. Derzeit parkt sie, wenn sie in der Hütte nach dem Rechten sehen möchte, am unteren Homert-Parkplatz. Bis zum Turm hinauf zu fahren, wagt sie wegen der tiefen Spurrillen nicht. „Das ist nicht möglich.“ Um Getränke und Speisen zur Hütte transportieren zu können, ist eine befahrbare Zufahrt jedoch zwingend erforderlich.

Baumsterben: „Wo es silbern glänzt, da ist der Rhein“

Das ganze Ausmaß des Kahlschlags befallener Fichten zeigt sich, wenn man den 22 Meter hohen Turm, der trotz einiger baulicher Veränderungen zu den Denkmälern der Stadt Lüdenscheid gehört, besteigt. Einst am höchsten Punkt Lüdenscheids zum Zweck des „Sehvergnügens“ gebaut, war er schon immer ein Besuchermagnet. Suchend schweift der Blick nach dem Aufstieg über die gittergeschützte Wendeltreppe von der Aussichtsplattform, die – die 22 Meter Turm hinzugerechnet – rund 560 Meter über dem Meeresspiegel liegt, in weite Ferne.

Kein Baum verstellt den Panoramablick. Wem es auf Fernsicht ankommt, mag sich darüber freuen. Wer den Wald liebt, dem blutet beim Anblick der Baumtristesse das Herz. Christel Brak, die Inge Kittler beim Sonntagsdienst in der Wanderhütte unterstützt, kann sich noch gut an Turmbesteigungen mit der Schulklasse in ihrer Kindheit erinnern. „Wo es silbern glänzt, da ist der Rhein“, habe der Lehrer, um die Kinder neugierig zu machen, immer gesagt. Lachend winkt sie ab. Derart weit reiche der Blick dann doch nicht.

Was in welcher Richtung zu sehen ist, ist auf der Aussichtsplattform des tonnenförmigen Turms, der laut Denkmalbeschreibung der Stadt Lüdenscheid „auf einem achteckigen, mehrfach gestuften und sich nach oben verjüngendem Postament“ steht, auf Aussichtspunkten zu lesen. Am Geländer angebracht, zeigen sie in die vier Himmelsrichtungen. In südliche Richtung sind die Sprungschanze Meinerzhagen sowie das Ebbegebirge und Siebengebirge als Ziele angegeben. Der Blick gen Osten reicht ins Rothaargebirge, der nach Norden nach Großendrescheid und Iserlohn. Halver-Ehringhausen steht auf dem westlichen Schild. „Bis zur Versetalsperre und nach Dortmund, im Süden bis zum Siebengebirge und bis nach Wuppertal kann man sehen“, fasst Inge Kittler zusammen.

Baumsterben: Bäume schützten vor Wind

Neben dem veränderten Aussehen der Landschaft macht ihr der Wind an der Homert, gegen den bis dato die Bäume geschützt haben, etwas Sorge. „Es zieht“, sagt sie. Wie nützlich die Bäume waren, die Spaziergänger, Wanderer und Fahrradfahren bei ihrer Rast an der Wanderhütte vor dem Wind geschützt hätten, werde jeder im Sommer spüren.

Wann sie in der Wanderhütte sonntags wieder Kaffee und Kuchen, Herzhaftes und kühle Getränke verkaufen darf, hängt von den Coronabestimmungen ab. „Wir dürfen ja auch erst wieder öffnen wie die Restaurants.“ Helfer seien gern gesehen.

Erfahrungen mit der Umsetzung der Coronaregeln hat der SGV bereits. Wenn die Hütte besetzt ist, ist auch ein Aufstieg auf den denkmalgeschützten Turm, dessen 125. Geburtstag der SGV Lüdenscheid 2019 feierte, möglich. Normalerweise läuft vom 1. April bis 31. Oktober die Hütten-Saison. Ob dies in diesem Jahr möglich sein wird, muss sich zeigen. Zeigen wird sich auch, wenn die Holzarbeiten abgeschlossen sind, ob die Wanderwege intakt geblieben sind. Unter anderem verläuft über die Homert die Ochsentour, die zum Naturschutzgebiet Stilleking führt. Schon jetzt sind viele Ausflügler und Erholungssuchende an der Homert unterwegs.

Waldschäden an der Homert Lüdenscheid

Waldschäden an der Homert Lüdenscheid
Waldschäden an der Homert Lüdenscheid
Waldschäden an der Homert Lüdenscheid
Waldschäden an der Homert Lüdenscheid
Waldschäden an der Homert Lüdenscheid

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