Händler aus Lüdenscheid in Kunst-Krimi verwickelt

Bares für Rares (ZDF): Experte kauft alte Bilder aus Nachlass - jetzt hat er ein Problem

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Regelmäßig ist der Lüdenscheider Kunsthändler als Experte in der ZDF-Show Bares für Rares zu sehen. 

Detlev Kümmel ist Kunstexperte in der erfolgreichen ZDF-Show "Bares für Rares". Jetzt musste Kümmel vor Gericht erscheinen - wegen Kunst, die er erworben hat. Ein Kunst-Krimi. 

  • Detlev Kümmel ist Kunstexperte und Galerist in Lüdenscheid
  • Er tritt regelmäßig in der ZDF-Show Bares für Rares auf
  • Wegen eines Kunstkaufs musste er jetzt vor Gericht erscheinen

Unter dem Titel „Vom Bauhaus zur Stuttgarter Avantgarde" zeigte die Städtische Galerie am Sauerfeld im Frühjahr 2019 kleinformatige Gemälde und Zeichnungen aus dem Nachlass des Stuttgarter Künstlers Rudolf Lutz (1895 bis 1966).

Bares für Rares: Kunst-Experte Kümmel vor Gericht

Kooperationspartner für die Ausstellung war Kunsthändler Detlev Kümmel, dessen „Sammlung" als Leihgeber der Exponate fungierte. Kümmel tritt regelmäßig in der ZDF-Show Bares für Rares auf und ist einem Millionenpublikum bekannt. 

Doch nach einem Rechtsstreit im Landgericht Hagen muss der Galerist voraussichtlich mehr als 100 Bilder von Rudolf Lutz an dessen Sohn zurückgeben. Über den Vergleichsvorschlag der Zivilkammer können die drei beteiligten Parteien nunmehr vier Wochen lang nachdenken. 

Für die Kunstwerke soll Bares-für-Rares-Star 50.000 Euro erhalten

Neben der Rückgabe der Bilder sieht der Vorschlag im Gegenzug die Zahlung von 50.000 Euro vor, die der Kläger an Detlev Kümmel für dessen Aufwendungen rund um sachkundige Pflege und Rahmung der Bilder sowie die Organisation von Ausstellungen zahlen würde. Sollten sich die Parteien auf diesen Vergleichsvorschlag nicht einigen können, müssten die drei Richter ein Urteil fällen.

Wie konnte es zu einem derart aufwändigen Rechtsstreit um die Bilder kommen? Es gibt drei Parteien in der gerichtlichen Auseinandersetzung. Der 1966 verstorbene Rudolf Lutz hat seine Bilder an seinen Sohn Arnulf Lutz vererbt. Der Kläger in dem laufenden Rechtsstreit ist der Enkel des Künstlers, Tobias Lutz, der in Zürich lebt und die Bilder seines Großvaters als „Familienerbe" für seine Eltern zurückfordert.

Verkäufer - ein Kunsthändler aus Süddeutschland - soll rechtmäßigen Erwerb der Kunst nicht ausreichend belegen können

Im Landgericht hatte er wie alle Beteiligten Gelegenheit, seine Position zu begründen. Er verwies darauf, dass der beklagte Kunsthändler aus Süddeutschland den rechtmäßigen Erwerb der Bilder nicht angemessen belegen könne. „Er hat mehr mitgenommen, als ursprünglich gedacht war. Meine Eltern haben ganz klar gesagt, dass nie die Absicht bestand, diese Bilder bergeweise zu verkaufen."

Erst beim Besuch der von Detlev Kümmel organisierten Ausstellung habe sein Vater realisiert, dass unerwartet viele Bilder seinen Haushalt auf irgendeinem Weg verlassen hatten: „Dann waren wir in der Ausstellung, und es war ein hochemotionaler Moment, weil mein Vater sich betrogen fühlte. Es hat sich immer mehr erhärtet, dass aus diesem Vertrauensverhältnis profitiert wurde." 

Den beklagten Kunsthändler aus dem Süden bezeichnete Tobias Lutz als „einen Geschäftsmann, der gerne mal über die Grenzen des Erlaubten hinausgeht". Im Verlauf des Rechtsstreits bestand sogar die Möglichkeit einer Strafanzeige wegen Unterschlagung gegen diesen Kunsthändler.

Künstler Rudolf Lutz war am Bauhaus eingeschrieben

Der derart Bezichtigte wehrte sich gegen diesen Vorwurf. Sein Rechtsanwalt schilderte das Vorgehen aus Sicht des Galeristen: „Er hat Bilder mitgenommen, veräußert und das Geld an die Eltern Lutz übergeben." Aufzeichnungen über diese angeblichen Kommissionsgeschäfte habe es nicht gegeben - weder über die vertrauensvoll übergebenen Bilder, noch über die angeblich in Bar übergebenen Verkaufserlöse.

In der städtischen Galerie eröffnete Detlev Kümmel Ende April 2019 die Ausstellung mit den kleinformatigen Farb- und Formstudien von Rudolf Lutz.

Der Galerist selbst bemühte sich in einer Stellungnahme, die Bedeutung der Kunst von Rudolf Lutz herunterzuspielen. Er verwies auf angebliche Stimmen aus der Kunstwelt, die das Werk des nur für kurze Zeit am Bauhaus eingeschriebenen Rudolf Lutz als „unbedeutend" bezeichnet hätten. Dennoch habe er neben den Kommissionsgeschäften mehrfach Bilder des Künstlers rechtmäßig erworben.

Bares-für-Rares-Experte sagt:  Die vormaligen Eigentümer „immer gewusst haben, dass ich die Bilder habe".

Auch Kunsthändler Detlev Kümmel - der während des Corona-Lockdowns nicht für Bares für Rares drehen konnte - verwies auf Bilder, die er aus dem Nachlass des Künstlers rechtmäßig erworben habe. Die meisten der Bilder, die auch in Lüdenscheid zu sehen waren, stammten jedoch offenbar aus einem großen Konvolut von Bildern, das er von dem Kunsthändler aus dem Süden übernommen hatte. Der heimische Galerist betonte, dass die vormaligen Eigentümer „immer gewusst haben, dass ich die Bilder habe".

Detlev Kümmel betonte die Bedeutung seiner Bemühungen um einen Künstler, dessen Bezug zum Bauhaus er wieder ins Bewusstsein gehoben habe. Rudolf Lutz' Bilder hätten ihm sehr viel Freude gemacht - das sei nun vorbei. Und so wies der Galerist den Vorschlag der Richter, der eine Rückgabe von gut 100 Bildern gegen Zahlung einer Aufwandsentschädigung von 50.000 Euro vorsieht, nicht zurück. Sollte die Einigung innerhalb von vier Wochen zustande kommen, soll es keine weiteren strafrechtlichen Maßnahmen der Prozessbeteiligten geben. In Frage käme eine angebliche Unterschlagung oder andersherum eine falsche Verdächtigung.

Kunstexperte Detlev Kümmel werden in der ZDF-Sendung "Bares für Rares" immer wieder Kunstwerke vorgelegt. Oft wissen die Besitzer gar nicht, was für wertvolle Schätze sie da haben. Der Experte klärt dann auf und sorgt schon mal für Tränen bei den Kandidaten

Im Lidl in Lüdenscheid zahlte eine Frau für einen Fehler einen hohen Preis. Die Polizei warnt. 

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