Detlev Kümmel aus Lüdenscheid

Bares für Rares (ZDF): Experte entdeckt verschollenes Bild eines berühmten Künstlers - Rekordsumme!

Zum ersten Mal in der Geschichte der TV-Show „Bares für Rares“ wird ein Kunstwerk für die Rekordsumme von 30.500 Euro verkauft. Die Expertise fertigte Detlev Kümmel aus Lüdenscheid an.

Lüdenscheid - „Wir drehen gerade in Pulheim.“ Es ist kurz vor zwei Uhr mittags und Drehpause im Walzwerk in Pulheim, einem Ort, an dem in früheren Zeiten mal Eisen in alle möglichen Formen gewalzt wurde. Heute ist das Fabrikgebäude mit seinen roten Klinkersteinen einer der Drehorte für „Bares für Rares“ im ZDF.

SendungBares für Rares
SenderZDF
Erstausstrahlung3. August 2013
ModeratorHorst Lichter

Die TV-Show hat in den letzten Jahren eine fantastische Zuschauerzahl erreicht. Längst schon ist nicht mehr nur Köln der Ort, an dem vermeintlicher Trödel vom Dachboden für mehr oder weniger Geld den Besitzer wechselt.

Rekordsumme für Kunstwerk bei „Bares für Rares“ (ZDF): Ein Fund auf dem Dachboden

Bis zu den Kar-Tagen ist Kunstexperte Detlev Kümmel aus Lüdenscheid beschäftigt mit Expertisen für „Bares für Rares“. Über die Sendung, die an diesem Tag aufgezeichnet wird, darf er nichts sagen. Die Show wird erst in gut vier Wochen im ZDF über die Mattscheiben der Republik flimmern.

Aber er erinnert sich noch gut an das, was da später als „der höchste erzielte Preis für ein Kunstwerk“ genannt wurde. Für 30.500 Euro wechselte ein echter „Otto Mueller“ den Besitzer. An dem Tag, an dem eine Frau mit einer Lithografie unter dem „Arm“ im Walzwerk auftauchte. „Die Frau war für ihre betagte Freundin da“, erinnert sich Detlev Kümmel. Das Bild, das die 55-jährige Marlies Fischer mitgebracht hatte, kannte er nicht. Noch nicht.

Detlev Kümmel und Horst Lichter (rechts): Beide waren von dem Bild begeistert.

„Ich gehe bei den Expertisen grundsätzlich erst einmal von einer Fälschung aus. Dann kommt man zur Ruhe. Du guckst da drauf und musst die Emotionen herunter fahren“, erklärt Kümmel seine Arbeitsweise. Auch bei der Lithografie sei er zunächst „vom Schlechtesten ausgegangen“.

Jahr um Jahr hatte, so erzählt die Duisburgerin, das Bild auf dem Dachboden gelegen. Es war innerhalb der Familie weitergereicht worden, bis es irgendwann in der Versenkung verschwand. Irgendwann machte man sich auf die Suche nach einem Wert, recherchierte im Internet – und damit begannen die Träume vom großen Geld, von einer plötzlich gefundenen Rarität, von Bietern, die Höchstpreise auf den Tisch blättern, von dem, was sich jeder erhofft, wenn er ein Exponat zu „Bares für Rares“ bringt.

Rekordsumme für Kunstwerk bei „Bares für Rares“ (ZDF): Das große Zittern beginnt

Das Zittern um den wirklichen Wert des Bildes begann als der Lüdenscheider Kunst- und Antiquitätenhändler vorsichtig die Lithografie untersuchte.

Der Titel „Badende junge Frau hinter einem gegabelten Baum auf Fehmarn“. Fehmarn ist schnell klar, war doch der Maler oft zu Gast auf der Insel. Aber ein echter Otto Mueller? Oder doch nur ein Druck, eine Fälschung und eine Menge geplatzter Träume?

Besonderes Kunstwerk bei „Bares für Rares“ (ZDF): Platzen alle Träume - ist es eine Fälschung?

„Er war nicht unbedingt der fleißigste Maler“, sagt Detlev Kümmel. Wenig sei von Mueller zu haben. Die Lithografie ist nachkoloriert. Aber: Otto Mueller hat seine Signatur drauf hinterlassen. Mit Bleistift und auf der Farbe.

Ein untrügliches Zeichen für die Echtheit des Bildes. Hätte ein Fälscher das Bild nachträglich bearbeitet, wäre der Schriftzug des Malers nicht auf, sondern unter der Farbe zu finden. Ein Unikat also, und gerade die Nachkolorierung macht das Bild zu etwas Besonderem.

Er habe sich viel Zeit genommen für die Expertise, sagt der Lüdenscheider. Denn die nebenan wartenden Händler verlassen sich auf das, was die Experten sagen – „dafür sind wir ja da“. Und eine der begehrten Händlerkarten würde es für eine Fälschung nicht geben. Dann stand fest: Bei der Kreidelithografie handelt es sich tatsächlich um ein äußerst seltenes Bild von Otto Mueller.

Und allein durch die nachträglich aufgebrachte Farbe schnellte der Wunschpreis der Duisburgerin von 10.000 Euro auf einen Preis zwischen 30.000 und 35.000 Euro. „Der Zustand war nicht ganz optimal“, erinnert sich Experte Detlev Kümmel, „da waren noch Montagespuren zu sehen. Aber der Preis muss schon stimmen, wenn ich mich da so weit aus dem Fenster lehne.“

Im Mai letzten Jahres stellte der Lüdenscheider Galerist Detlev Kümmel (links) zusammen mit Norman Weßling in dessen Café in der Oberstadt aus.

Rekordsumme für Kunstwerk bei „Bares für Rares“ (ZDF): Händler Fabian Kahl schlägt zu

Marlies Fischer bekam die Händlerkarte, das Bild wurde umsichtig in den Händlerraum getragen. Dort boten schließlich die Händler in Tauend-Euro-Schritten. Für 30.500 Euro verkaufte die Duisburgerin das Bild bei „Bares für Rares“ an Fabian Kahl. Der Thüringer Kunst- und Antiquitätenhändler will nun erst einmal einen UV-Schutzrahmen anfertigen lassen, damit die Farben erhalten bleiben.

„Ich hätte es nie erwartet, dass wir jemals ein Bild von Otto Mueller hier bei uns in der Sendung haben würden. Aber ich bin total stolz, dass ich da sein durfte, und auch über dieses Bild recherchieren durfte. Aber: Es war richtig Arbeit, denn hier darf man wirklich überhaupt keine Fehler machen. Und ich habe wirklich alles gegeben. Ich war sehr nervös“, wird Detlev Kümmel, der inzwischen auch in der ARD-Show „Wer weiß denn sowas?“ auftrat, später in den sozialen Netzwerken zitiert.

Ob sich Fabian Kahl wirklich das Bild selbst zuhause aufhängt, wie er nach der ZDF-Sendung sagte? Detlev Kümmel lacht: „Ich kenne Fabian natürlich, das kann schon sein. Der ist sehr gut aufgestellt, aber auch der ist im Herzen Händler. Wenn sich da was Neues ergibt, verkauft der auch wieder. Der ist wie ich: Ich sammle Dinge, um sie mal gehabt zu haben. Wir suchen immer das Neue.“

Der Maler Otto Mueller

Otto Mueller, 1874 geboren, starb 1930 im Landkreis Trebnitz, ein deutscher Maler , einer der bedeutendsten Expressionisten und Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“. In seiner Breslauer Zeit eröffnete der Maler in seinem Atelier als Erster die Akt-Zeichnenklassen auch für Frauen. Unkonventionell. Kritischer als andere. Wirf man einen Blick auf seine Zeichnungen, so sieht man die Verbundenheit des Menschen, der Frau, mit der Natur. Ein Expressionist, bei dem badende Mädchen eine große Rolle spielten. Der Maler starb 1930 mit 55 Jahren an Lungentuberkulose. Zu beginn des Zweiten Weltkrieges wurden hunderte seiner Werke von den Nationalsozialisten beschlagnahmt als „entartete Kunst“.

Verkauf geht in die Geschichte von „Bares für Rares“ im ZDF ein

Der Besitzerwechsel eines Bildes geht in die Geschichte von „Bares für Rares“ ein. Noch nie hat der Verkauf eines Bildes in der ZDF-Show eine solche Summe erzielt. 2019 kaufte die Händlerin Susanne Steiger für 42.000 Euro ein religiöses Schmuckstück, für 35.000 Euro ging schon einmal eine Borgward Isabella über den Händlertisch. Aber Kunst? Das war bislang einmalig.

Rubriklistenbild: © ZDF/Youtube

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