Band Tiniundtus veröffentlicht neue EP

Fabian Kärnbach, Arthur Ayos Dulinski und Daniel Tandon (von links) von Tiniundtus. Die Lüdenscheider Lokalmatadore nehmen sich und ihre musikalische Karriere nicht immer ganz so ernst.

LÜDENSCHEID - Songtexte werden übers Telefon durchgegeben, aufgenommen wird im Wohnzimmer – so sieht der Produktionsalltag der Lüdenscheider Band Tiniundtus aus. In der vergangenen Woche veröffentlichte die Band Teil zwei ihrer EP „Musik wegen Mädchen“. Den ganz großen Hit zu landen, liegt den drei Musikern, die alle voll berufstätig sind, aber fern. Sie machen Musik vor allem wegen dem Spaß an der Sache.

„Das ist unser erstes ernstes Interview“, behauptet Daniel Tandon und schmunzelt. Der 31-Jährige ist Sänger der Band Tiniundtus und kann aber eigentlich gar nicht singen. „Meine Stimme hat aber einen Wiedererkennungswert“, sagt er lächelnd. „Das reicht doch.“ Tandon sitzt mit seinen beiden Bandkollegen Fabian Kärnbach und Arthur Ayos Dulinski auf den Holzbänken im Biergarten des Lüdenscheider Brauhauses. Die Drei haben an diesem Abend noch einen Auftritt. Als Überraschungsgast treten sie gemeinsam mit der John Porno Band, der Headliner des Abends, beim Brauhaus Open-Air-Sommer auf. Einer ihrer seltenen Auftritte. Die Jungs freuen sich, ist ja schließlich ein Heimspiel.

Die Lokalmatadoren von Tiniundtus haben nicht nur in der Bergstadt eine große Fanbase, sondern auch über die Grenzen Lüdenscheids hinaus. In der vergangenen Woche veröffentlichten sie Teil zwei ihrer dreiteiligen EP „Musik wegen Mädchen“. Kurzzeitig kletterte die Veröffentlichung in den elektronischen iTunes-Charts auf den zwölften Platz.

Ein schöner Erfolg, aber auf den großen Durchbruch wartet die Band nicht mehr. Das war eigentlich auch nie ihr Ziel, obwohl vor ein paar Jahren auch renommierte Musiklabels bei ihnen anklopften und sie unter Vertrag nehmen wollten. „Wir waren da aber noch nicht so weit“, glaubt Fabian Kärnbach. Bereit sind sie aber auch heute nicht, denn mittlerweile haben sie alle Vollzeit-Jobs. Für die große Musiker-Karriere ist da keine Zeit.

Die Band gründeten sie irgendwann um die Jahrttausendwende herum. Wann genau lässt sich auch nach mehreren Minuten Überlegen nicht mehr rekonstruieren. Die Gründung entstand auf jeden Fall aus einer Laune heraus. „In unserem Umfeld haben damals alle irgendwie Musik gemacht. Also haben wir uns zusammengetan und uns dann eine Nische gesucht“, erklärt Arthur Ayos Dulinski. Der 33-Jährige spielt mehrere Instrumente, komponiert und singt in der Band. Und das kann er tatsächlich, wie er beim Konzert unter Beweis stellt. Mit der John Porno Band performt er den Bruno Mars-Song „Locked out of heaven“. Sein Kollege Kärnbach macht schon seit Jahren als DJ Musik und legt auch heute noch auf. Er ist für die Beats von Tiniundtus zuständig, hat das technische Equipment und mischt die Songs. Während Tiniundtus anfangs mehr „just for fun“ Lieder produzierten, haben sie heute auch einen qualitativen Anspruch.

Die Drei ergänzen sich gut, auch wenn sie kein richtiges Konzept für die Songproduktionen haben. „Fabse macht den Beat und lädt das in unsere Dropbox hoch. Wir anderen hören uns das dann an, und wem ein Text dazu einfällt, der schreibt was auf. Ich nehme dann schon mal eine Aufnahme auf oder singe den anderen meine Idee ins Telefon“, erklärt Daniel Tandon. Das ins Telefon Singen sei immer besonders schön, sagen seine Bandkollegen und lachen.

Sie hätten nicht den Anspruch, besonders intellektuelle Texte zu produzieren. Botschaften könne man auch mit einfachen Worten vermitteln. Oder der Song sei eben auch mal sinnfrei. „Die Musik soll halt Spaß machen“, sagt Kärnbach. Derjenige, der die Songtexte schreibe, singe die Lieder meistens auch ein. Aufgenommen wird dann im Wohnzimmer von Fabian Kärnbach. „Hey, früher war’s das Kinderzimmer. Das ist doch schon eine Verbesserung“, wird gescherzt. Ist das Lied fertig, wird das gute Stück an ihr Label Fullscalemusic weitergeleitet, die das Feintuning übernehmen. So entstehen Songs wie „Haus vom Nikolaus“, „Mir geht’s gut“ oder eben „Himbeerbrause“, eines ihrer neueren Lieder.

2011 war eines der erfolgreichsten Jahre für Tiniundtus. Radio Fritz, das Jugendradio für Berlin-Brandenburg, wurde auf die Band aufmerksam, spielte ihre Songs „Haus vom Nikolaus“ und „Mittel meiner Wahl“. Damit wurde die Band einem größeren Publikum bekannt und in ganz Deutschland für Auftritte gebucht. 2011 spielten sie zum Beispiel auf der Hauptbühne des Dortmunder Juicy Beats-Festivals. Das sei zwar alles ganz cool, aber am liebsten spielen die Jungs zuhause in Lüdenscheid. Da sei die Stimmung einfach am besten.

Das zeigt sich auch später beim Auftritt. Mit der John Porno Band rocken sie die Bühne. Das zufriedene Publikum lässt sich auch nicht von einer „Alle meine Entchen“-Einlage von Daniel Tandon schocken, sondern singt belustigt mit. Man sieht den Jungs ihren Spaß an der Sache an. Sie hätten gerne mehr Zeit für die Musik. Ein richtiges Album fänden sie auch mal cool. Druck machen sie sich aber nicht. Denn letztlich würden sie die Musik vor allem für sich selbst machen – und wegen der Mädchen.

Von Alisa Kannapin

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