Leben mit Verboten

Coronavirus im MK: Kommt jetzt für die ersten das "Aus"?

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Manuela und Heidi Klüttermann bangen um ihre Ballettschule.

Die Resignation ist greifbar: „Unsere Schule hatten wir bereits vor der behördlichen Ankündigung geschlossen.“ Manuela Klüttermann, Inhaberin der Ballettschule am Breitenfeld, ist seit Freitag zur Viel-Telefoniererin geworden – seit Montag sitzt sie allein in der Ballettschule.

Lüdenscheid – „Freitag haben wir hier noch trainiert. Den Senioren hatte ich vorher schon abgesagt. Die waren alle so traurig“, sagt die Ballett-Lehrerin mit Blick auf die „Un-Ruheständler“, eine tanzende Seniorengruppe, die eigentlich zur Eröffnung der neuen Spielzeit im Kulturhaus eine Inszenierung bieten will.

Ob das alles am Tag 1 nach dem Coronavirus aufholbar ist? „Ich weiß es nicht, aber die haben gesagt: Das ist doch alles so egal, ob wir das schaffen. Diese Krise hat Ausmaße, die wir alle noch gar nicht absehen können.“ Samstag habe sie zufällig jemanden bei der Kreisverwaltung erreicht, „die Mutter einer Schülerin von mir. Die hat mir versprochen, sich mal um echte Informationen zu kümmern. Es lag ja noch keine behördliche Anordnung vor. Und die brauche ich für eventuelle Regressforderungen.“

Erlasse zum Coronavirus ordnen Schließungen in NRW an

Samstagnachmittag habe dann Volker Schmidt (Leiter des Krisenstabs) angerufen und die dringende Empfehlung ausgesprochen, die Ballettschule zu schließen. Klüttermann: „Dann kam die behördliche Anordnung, und ich kann sogar Staatshilfe beantragen, bevor es uns dahinrafft. Denn mal ernsthaft: Wer glaubt schon, dass für den kleinen Künstler noch etwas übrig sein wird, wenn alle großen Unternehmen Staatshilfe benötigen. Vielleicht war´s das ja auch mit Ballett in Lüdenscheid.“

Außerdem sei im Moment völlig unklar, wer wo was beantragen könne – „wir sind da das Ende eine langen Kette“. Das Coronavirus hat NRW im Griff. Neue Erlasse besagen, was verboten ist und was nicht. Hier ist eine Übersicht. Einen Monat, so schätzt die Ballettschulen-Inhaberin, könn man die Ausfälle finanziell kompensieren. Sechs Stunden pro Tag, 30 Stunden in der Woche fallen aus. „Und da geht’s ja nicht um das eine Kind mit seinem Beitrag, sondern um Familien, die zwei oder drei Kinder bei uns haben. Wenn da in so einer Familie die Kurzarbeit ganz plötzlich greift, steht das Ballett natürlich ganz weit hinten.“ 

Ballettschule im MK setzt in Coronavirus-Zeiten auf Online

Manuela Klüttermann setzt jetzt auf Online-Videos, die ihre Schüler daheim nacharbeiten können – „im Keller oder im Garten. Einen Stuhl hat ja jeder, und Spiegel braucht man nicht unbedingt. Aber die Schüler bewegen sich ja auch gedanklich von uns weg. Ich biete an, die jetzt ausfallenden Stunden nachzuholen. Das geht aber nur mit einer zusätzlichen Kraft, die ich aber nicht einstellen kann, weil ja im Moment gar nicht unterrichtet wird.“ Wie sich das Coronavirus auf das Leben im MK auswirkt, lesen Sie in unserem News-Ticker. 

Die letzte gemeinsame Unternehmung der Flamenco-Schülerinnen der Ballettschule für die nächsten Wochen war die Reise nach Jerez de la Frontera, um gemeinsam mit den renommiertesten Lehrern dieser Kunstform die Leidenschaft am Flamenco zu teilen. Bereits seit 24 Jahren reisen bis zu 2000 „Aficionados“, wie man die Anhänger und Liebhaber dieser Kunstform nennt, aus der ganzen Welt an. Intensivtraining in inzwischen 18 Klassen wird täglich angeboten bei renommierten Lehrern wie Angelita Gómez oder auch Javier Latorre.

Der letzte Ausflug vor dem Coronavirus

Die Atmosphäre sei einzigartig, beschreibt Manuela Klüttermann: „Natürlich brennen einem die Füße nach täglich fünf Stunden intensiven Flamenco-Trainings, der Kopf raucht, aber der Input ist unglaublich. Wir zehren sehr lange Zeit von dieser Intensivwoche, zumal wir zusätzlich zu unseren Klassen auch jeden Abend alle Größen der Flamencowelt im Theater erleben durften. Mal traditionell, humorig, fusionierend, eine Geschichte erzählend: die abendlichen Vorstellungen im Teatro Villmarta zeigen, wie vielfältig die Flamencokunst ist. Wer das erleben darf, bekommt einen ganz anderen Zugang zu dieser Kunst.“ 

Natürlich nahm sich die Gruppe auch Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu besuchen und abends beim Pedro Ximenez, wie man den süßen Sherry aus Andalusien nennt, gemeinsam mit den Stars, die man vorab auf der Bühne bestaunen durfte, in der Kneipe an der Ecke ihren Erfolg zu feiern. Doch nicht nur im MK ist Corona Dauerthema. Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in NRW lesen Sie hier.

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