Bahnhofsallee: Geschäfte sollen in teure Container

Die kleine Ladenzeile an der Bahnhofsallee soll verschwinden, wenn die Grundstücksverhandlungen um das Ärztehaus erfolgreich enden. Dann sollen die Geschäfte in Container umziehen. Immerhin: Nicht betroffen sind sie von der gestern angekündigten Sperrung der Bahnhofsallee ab Donnerstag, die erst im weiteren Verlauf der Straße erfolgt.

LÜDENSCHEID - Die Geschäftsleute in der kleinen Ladenzeile an der Bahnhofsallee halten ihre Kündigung zum Jahresende in Händen – ausgestellt von der Stadt Lüdenscheid. Wie es danach weiter geht, weiß Zeitschriftenhändler Wolfgang Gaede noch nicht.

„Wir sollen für den Übergang in Contaiiner ziehen – bis zum Umzug ins geplante Gebäude am Bahngleis oder ins Ärztehaus“, berichtet er. Doch die Container sind teuer: Mehr als 1500 Euro im Monat hat Gaede für 60 Quadratmeter errechnet, und das ist für den Lüdenscheider keine Alternative. Bis Montag soll er aber verbindlich erklären, ob er das Angebot annimmt oder nicht. Weil es bisher offenbar keine anderen Ideen für die Händler gibt, fühlen sie sich von der Stadt im Stich gelassen. Wolfgang Gaede: „Denen sind wir doch völlig egal.“

Dem widersprach Edgar Weinert, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Projektsteuerung und Liegenschaften, auf Anfrage der LN: „Wir hatten versprochen, uns um Übergangslösungen zu kümmern, und das haben wir mit den Container-Angeboten auch getan.“ Allen betroffenen Händlern sei schließlich seit Jahren bekannt, dass ihre Geschäftszeile überplant wurde. Die Kündigung zum Jahresende sei fristgerecht erfolgt, und dass Behelfslösungen in Containern teuer sind, liege vor allem an den Kosten für Auf- und Abbau. Eingesetzt habe man sich zudem dafür, dass die Geschäftsleute im Ärztehaus unterkommen könnten, falls der ursprünglich geplante Umzug in den Neubau am Gleis nicht klappt. Weinerts Fazit: „Die Stadt hat sich sehr wohl um ihre langjährigen Mieter gekümmert, sie kann sich aber nicht mit Steuergeld an deren Mietkosten beteiligen.“

Tatsächlich gab es inzwischen ein Mietangebot für das Ärztehaus, bestätigte Wolfgang Gaede. Sein vordringliches Problem löse das aber nicht: „Was passiert jetzt, in der Übergangszeit?“

Dass es diese Phase überhaupt gibt, war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Gaede: „Wir hatten uns darauf eingestellt, im nächsten Herbst von hier aus über die Straße in den Neubau am Gleis umzuziehen.“ Inzwischen sieht er sich selbst und Nachbarn wie die Fahrschule und die Taxizentrale längst als Spielball höherer Mächte. Denn wo sie heute sitzen, soll ab Frühjahr das Ärztehaus entstehen. Und für den Bau am Gleis, in den sie umziehen wollten, soll es eine ganz neue Ausschreibung geben.

Hintergrund: Als die Pläne für das Ärztehaus auf dem Gelände der Ladenzeile bekannt wurden, baten die Investoren am Gleis die Stadt um zeitlichen Aufschub. Die Politik lehnte das ab: Sie wollte den Bau an der Schiene, der auch öffentliche Warteräume für die Fahrgäste der Bahn beherbergen soll, auf jeden Fall noch 2011 sehen – ein zeitgleich schräg gegenüber errichtetes Ärztehaus hin oder her. Die Verwaltung kündigte dazu eine schnelle Neuausschreibung an, für die es neben dem bisherigen Investor weitere Interessenten gebe. Diese Ausschreibung blieb bisher jedoch aus. Laut Weinert muss dafür die Umgebung genau beschrieben werden, und das sei erst möglich, wenn klar ist, was am Bahnhof entsteht. – Für Gaede sind das alles Umstände, auf die er keinen Einfluss hatte, die ihm jetzt aber Existenznöte bereiten.

An der Bahnhofsallee erscheint indes sicher, dass das Deutsche Institut für Angewandte Lichttechnik (DIAL) und die Fachhochschule als Teile des Regionale-Projekts „Denkfabrik“ dorthin ziehen. Vorgesehen bleibt zudem das Ärztehaus, das die Düsseldorfer Firma RMA errichten will. Über den Grund und Boden werden aktuell Verkaufsgespräche geführt, die Weinert als aussichtssreich beschrieb.

RMA will auch ein Parkhaus auf der Gleisseite bauen, ein Betreiber wird noch gesucht. „Hier rechnen Interessenten mit spitzer Feder“, sagte Weinert. Parkhäuser in Mittelstädten wie Lüdenscheid seien keine Selbstläufer, trotz der Bedarfe durch Denkfabrik und Ärztehaus.

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