„Bad Temper Joe“ überzeugt beim zweiten Song Slam

„Bad Temper Joe“ entschied den zweiten Song Slam am Ende für sich. - Fotos: Rimbach

Lüdenscheid - Er war der erste, der sich am Freitagabend dem Urteil der Jury stellte – und letztlich jener, der sich über die „Goldene Stimmgabel“ freuen durfte. Beim zweiten Song Slam im Lüdenscheider Kulturhaus wählten etwa 150 Zuschauer „Bad Temper Joe“ aus Bielefeld zum besten Song Slammer.

Wie schon mancher der Poetry Slams fand auch die Neuauflage des Lüdenscheider Song Slams an einem außergewöhnlichen Ort statt: Dort, wo im Kulturhaus normalerweise Schauspieler, Musiker oder auch Tänzer agieren, saß nun das Publikum. Mit dem Rücken zum großen Zuschauerraum saßen die Gäste auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und blickten auf den hinteren Teil der Hauptbühne. Dort konnten sie die Darbietungen der Slammer auf einem Podium verfolgen. Etwa 150 Zuschauer füllten die Reihen des so entstandenen Studios.

Vier Künstler hatten am Freitag den Weg nach Lüdenscheid gefunden, um die begehrte Trophäe zu erringen – Claudia Rewinkel alias Paper Wolfe aus den Niederlanden hatte wegen Krankheit zuhause bleiben müssen. Die Stimmung der etwa 150 Gäste war durchaus erwartungsvoll und Marian Heuser konnte sie schnell auf den Ablauf des Abends einstimmen. Er war es auch, der den Abend mit einem kleinen eigenen Lied und einer ebenso kleinen Gitarre (Guitalele) musikalisch außer Konkurrenz eröffnete.

Es folgte Bad Temper Joe aus Bielefeld, der zunächst den Unterschied zwischen Blues- und Country-Musik erklärte: „Im Blues ist das Auto kaputt und Country bedeutet, dass man kein Pferd hat“. Damit hatte er natürlich die Lacher auf seiner Seite. Auch seinen Namen übersetzte er: „Das heißt einfach ‘Schlechte Laune Jupp’.“ Seine humorvollen Ankündigungen entschärften etwas die folgenden ernsten, aber sehr gut vorgetragenen Lieder, wie zum Beispiel den Countrysong „Next to you“ oder später „If tears were diamonds“. Mit seiner kernigen tiefen Stimme und der beeindruckend gespielten Lap Steel Guitar erzielte er hohe Punktzahlen.

Aylin Celik aus Leverkusen verzichtete im Anschluss weitgehend auf Gags, punktete aber mit ihrem engagiert und mit guter Stimme vorgetragenen Song „Amerika“. Das vor Jahren während des Geschichtsunterrichts entstandene Lied, so die Sängerin, kritisierte den Unterschied zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit in den USA. Auf die Leverkusenerin folgte Don Simon und das Monopol aus Münster. Wer oder was mit dem Monopol gemeint ist, blieb im Dunkeln. Was nicht im Dunklen blieb, war sein Talent, mit Texten und Worten meisterhaft zu spielen. Nur mit „reziproken Partizipien“, wie er selber ankündigte, erzählte er in seinem ersten Lied „Perfekt“ eine ganze Lebensgeschichte.

Letzter Kandidat der ersten Runde war Edy Edwards aus Dortmund, auch er schon bekannt für guten Deutsch-Rock mit Blues-Einschlag. Die zu Beginn seiner Vorstellung auf einem Stuhl abgestellte und scheinbar rutschende Gitarre erzeugte direkt ein mitleidiges Aufstöhnen im Publikum. Der Musiker ließ sich davon nicht sehr beeindrucken und spielte sein erstes, leicht an Marius Müller-Westernhagen erinnerndes Lied. „Was man so hört“ forderte dazu auf, nicht so viel darauf zu geben, was die Menschen übereinander sagen. Auch er kam gut an.

Zum Finale – Aylin Celik war vorher ausgeschieden – wurde sowohl der Takt mancher Beiträge als auch des Ablaufs etwas schneller und schließlich konnte „Bad Temper Joe“, passend zu seinem Namen mit relativ ernstem Gesicht, die Goldene Stimmgabel entgegennehmen, natürlich neidlos und herzlich beglückwünscht von seinen Kollegen und einem applaudierenden Publikum. - Jens Rimbach

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