Zahlen halten sich die Waage

Kurzarbeit verboten: Ausbildung im MK in Corona-Zeiten

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Ausbildungsmessen wie ZAK dürfen nicht stattfinden. Die Gewerkschaft rät den Firmen: Ansprechpartner benennen.

Lüdenscheid - Kennenlernen anderer Abteilungen ist in Ordnung, ein dauerhafter Einsatz nicht: Ausbildung in Corona-Zeiten ist anders. Und die Betriebe, weiß Gewerkschaftssekretär Fabian Ferber, reagieren unterschiedlich auf die Krise: „Die Ausbildung hat Vorrang vor der Kurzarbeit. Aber es gibt durchaus Firmen, die ihre voll bezahlten Mitarbeiter ins Homeoffice schicken und die Auszubildenden in der Produktion einsetzen. Oder dass der Ausbilder nicht mehr da ist. Oder dass ein Auszubildender plötzlich acht Wochen in den Versand muss, obwohl er Schlosser werden will.“

Die überbetrieblichen Werkstätten waren wochenlang geschlossen, der Rahmenplan für Ausbildungen läuft erst langsam wieder an. „Die junge Generation hat durch Corona am meisten einzustecken“, verweist Ferber darauf, dass viele Firmen derzeit Auszubildenden die gleiche Tätigkeit zumuten wie voll bezahlten Kräften, die man dann in die Kurzarbeit schicken kann. Das nächste Problem: Der fehlende Kontakt zwischen Betrieb und potenziellem Bewerber. Ausbildungsmessen ebnen sonst den Weg.

Doch genau diese Menschenansammlungen dürfen nicht stattfinden. Und rund ein Fünftel der Lehrstellen, so schätzt Ferber, fallen durch Corona weg: „Vieles verändert sich gerade. Im Märkischen Kreis gibt’s viele Zulieferer für die Automobilindustrie. Diese Zulieferer müssen sich andere Arbeitsfelder erschließen und ihr Portfolio ändern.“

Dass Ausbildungsplätze aus Sorge um die Zukunft eines Unternehmens gar nicht erst angeboten werden, kann beispielsweise die Sparkasse Lüdenscheid nicht finden. „Die Verträge für 2020 sind längst unterschrieben, und wir werden auch für 2021 wieder sechs bis sieben Ausbildungsplätze anbieten. Wir sind da optimistisch und blicken positiv in die Zukunft. Das ist heutzutage gar nicht mehr so einfach, Auszubildende zu finden. Deshalb freuen wir uns über jeden, der sich bei uns bewirbt“, sagt Thomas Meermann (Pressesprecher Sparkasse).

Rein rechnerisch, so heißt es seitens der Agentur für Arbeit, haben sich die Chancen auf eine Ausbildungsstelle gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verändert. Von Oktober 2019 bis April 2020 zeigen sich bei den gemeldeten Ausbildungsstellen und bei den gemeldeten Bewerbern gleichermaßen spürbare Rückgänge.

85 Bewerber kommen auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen. Damit stelle sich die aktuelle Situation zahlenmäßig genauso dar wie im Vorjahreszeitraum. Vor allem in Hotel- und Gaststättenberufen, in Bauberufen, in vielen Handwerksberufen, in der Fleischerei oder Bäckerei sei die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen deutlich höher als die Zahl der gemeldeten Bewerber.

Fabian Ferbers Rat an die jungen Leute, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind: Bewerben, nicht aufgeben und sogar mal zum Telefonhörer greifen und anrufen. Und im Gegenzug an die potenziellen Arbeitgeber: In Zeiten fehlender Ausbildungsmessen einen Ansprechpartner „mitliefern“.

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