Axt-Attacke: Bewährung für Täter

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Mit einer Axt hat ein 24-jähriger Lüdenscheider am 23. April 2009 einen Rettungswagen demoliert. Der Grund für diese Attacke war seine Wahnvorstellung, alle Rettungswagenfahrer würden immer genau dann das Martinshorn einschalten, wenn sie an ihm vorbeifahren – nur, um ihn zu ärgern.

Nachdem er dieses Gefühl über Monate hinweg ertragen hatte, war der Lüdenscheider an jenem Apriltag völlig ausgerastet. Zwar hatte bei dem Angriff kein Mensch körperlichen Schaden davongetragen, dennoch sind die psychischen Folgen der Tat zumindest bei einem der Insassen des Rettungswagens bis heute gegenwärtig.

Zum Tatzeitpunkt ohne Schuld

Seit dem 7. April muss sich der Beschuldigte nun wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung vor dem Hagener Landgericht verantworten. Gestern attestierte ein psychiatrischer Gutachter dem 24-Jährigen eine schizophrene Psychose. Die Erkrankung hat nach Ansicht des Gutachters zur Folge, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt ohne Schuld gehandelt hatte. Inzwischen habe sich sein Zustand jedoch merklich verbessert. Medikamente sorgten heute dafür, dass der Lüdenscheider keinerlei Wahnvorstellungen mehr habe. Aber: „Alles steht und fällt mit der Medikamenteneinnahme. Ohne Medikamente wird es kritisch. Dann ist die Wahrscheinlichkeit erneuter schwerwiegender Straftaten hoch“, betonte der Experte.

Alkohol- und Drogenverbot

Am Ende sprach sich das Gericht für die Unterbringung des 24-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus aus. Allerdings setzte die Kammer die Unterbringung zur Bewährung aus. Innerhalb der nächsten fünf Jahre darf der Beschuldigte nun nicht mehr straffällig werden. Zudem muss er weiterhin seine Medikamente nehmen und sich einen Platz im Betreuten Wohnen suchen. Im Falle einer Verschlechterung seines Zustands hat sich der 24-Jährige in stationäre Behandlung zu begeben. Auch darf er weder Alkohol noch Drogen zu sich nehmen. Hält sich der Lüdenscheider an all diese Auflagen, bleibt ihm die Unterbringung in der Psychiatrie erspart. Der Verteidiger des Mannes, Rechtsanwalt Thorsten Merz, ließ das Urteil umgehend rechtskräftig werden. - jape

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