Axel Turck und Carsten Engel wollen bei Angela Merkel klingeln

Unternehmer aus MK: „Aufpassen, dass man nicht als Covidiot abgestempelt wird“

Axel Turck und Carsten Engel aus Lüdenscheid fahren vor das Bundeskanzleramt
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Axel Turck und Carsten Engel radeln vors Bundeskanzleramt und wollen Corona-Perspektiven für den Mittelstand einfordern.

Emil kommt nach Berlin. Im Gepäck hat er die Sorgen und Nöte des Mittelstands im Sauerland. Am 10. Oktober, pünktlich um acht Uhr morgens, geht es mit Fahrrädern vom Rathausplatz aus los. Nach fünf Tagesetappen, 567 Kilometern und am liebsten unzähligen Gesprächen will man am 14. Oktober um 16 Uhr vor dem Kanzleramt stehen. Und bei Angela Merkel klingeln. Oder mit Menschen und Medien diskutieren, man wird sehen, was die Planungen noch ergeben.

Lüdenscheid - Emil – das sind im Kern die beiden Unternehmer Axel Turck und Carsten Engel. Beide treten fünf Tage lang in die Pedale und finden damit auch ein Ventil für ihren aufgestauten Frust.

Hier erzählen sie, worum es ihnen geht:

Wer ist Emil, und was will er in Berlin?

Turck: Emil war mein Uronkel, ein Lüdenscheider Unternehmer, der 1929 die Firma Emil Turck GmbH & CIE. KG gegründet hat. Unsere Firma ist jetzt 91 Jahre alt. Im übertragenen Sinne steht Emil für die nächste Generation von Familienunternehmen.

Engel: Meine Firma E-Komm gibt es zwar erst seit 27 Jahren, aber sie soll eine Zukunft haben.

Turck: Unter der Internet-Adresse www.emilkommtnachberlin.de finden sich alle Einzelheiten zu unserer Tour. Letztlich ist es ein Wortspiel aus unseren beiden Unternehmensnamen.

Wie sind Sie zusammengekommen?

Turck: Wir kennen uns von den Wirtschaftsjunioren. Wir haben geschäftlich Kontakt. Und das Fahrradfahren hat uns zusammengebracht.

Was treibt Sie an?

Engel: Wir sind Realisten. Es hat mich beeindruckt, als Axel beim Besuch von Gesundheitsminister Spahn in Lüdenscheid die Sorgen des Mittelstands angesprochen hat. Es sind viele der Meinung, viele kontaktieren uns und sagen: „Ihr macht das richtig.“

Turck: Man muss ja aufpassen, dass man nicht als Covidiot oder Querdenker abgestempelt wird. Wir sind keine Querdenker, aber ich habe auf Querdenker-Demos in Münster und Lüdenscheid gesprochen. Das ist mein Recht auf freie Meinungsäußerung.

Engel: Wir von E-Komm sind im typischen Mittelstand unterwegs. Wir bekommen die Stimmung mit. Wir merken, dass es unseren Kunden schlecht geht. Dann geht’s irgendwann auch uns schlecht. Deshalb stehe ich auf. Es geht nicht ums Leugnen, . . .

Turck: . . . es geht um Existenzängste.

Was steckt hinter der Idee einer Radtour?

Engel: Wir fangen mit kleiner Spitze an und wollen hinterher eine Traube sein. Wir wollen Aufmerksamkeit bekommen. Wir stehen auf. Da kommen noch welche dazu, wir haben ja auch Etappen.

Und wir trampeln selber, fahren nicht mithilfe von Energieversorgern, sondern mit Muskelkraft.

Turck: So viel Energie haben wir noch. Noch viel mehr.

Worum geht es konkret?

Engel: Unüberlegtes Handeln ärgert uns. Es gibt fast kein strukturiertes Handeln. Das Zickzack-Verhalten ist die Schwierigkeit. Jetzt müssen sich die Gastronomen kümmern, ob die Listen richtig ausgefüllt sind. Wir reden nur über Coronawerte, aber nicht darüber, was dahinter für ein Apparat im Chaos versinkt.

Turck: Ich war früher ganz anders. Ich habe immer gesagt: „Lass die mal machen.“ Jetzt bin ich aufgewacht. Es geht um unsere Zukunft.

Engel: Nichtstun geht nicht.

Was ärgert Sie?

Engel: Die widersprüchlichen Aussagen ärgern uns. Wer am lautesten schreit, der bekommt auch etwas, Lufthansa, zum Beispiel. Dass die 75 000 Euro pro Mitarbeiter vom Staat kriegt und der Vizekanzler dann lächelt und sagt, da machen wir noch Gewinn mit – so was bringt uns auf. Es geht um Leute, die ihre Kredite am Laufen haben. Veranstalter, Schausteller, alle, die sich etwas aufgebaut haben. Es ist eine Angstpolitik. Ja, der Virus ist da, das ist schlimm, das ist schrecklich, aber man muss unterscheiden. Jetzt wird gesagt, es dauert noch ein, zwei Jahre. Aber die Soforthilfen sind schon lange weg. Geld muss zurückgezahlt werden. Vielen steht das Wasser bis zum Hals. Wie lange reicht das Geld? Wie geht es weiter? Die Kuhle wird extrem tief. Die Stimmung ist angeschlagen.

Läuft denn etwas gut?

Turck: Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem, das uns auch hervorragend durch die Krise gebracht hat.

Engel: Wir sprechen nicht über Regelbrechen, . . .

Turck: . . . aber wir müssen jetzt die Regeln anpassen.

Engel: Eine Klasse, eine Schule wird unter Quarantäne gestellt. Um 21 Uhr kommt die WhatsApp aus der Schule, und dein Kind ist wieder zuhause. Dann find’ mal eine Betreuung. Der Mitarbeiter, der das Kind betreut, fehlt jetzt in der Firma.

Turck: Das ist bei uns auch Thema. Dann steht man da.

Was also ist zu tun?

Engel: Angst zu verbreiten, hilft nicht. Es gibt Leute, die sind wirklich angstgeprägt.

Die gehen nicht einmal mehr in die Stadt. Die ganze Angst-Politik fördert den Online-Handel. So können wir nicht zwei Jahre weiterleben.

Turck: Auch wenn Menschen negativ getestet sind, müssen sie in Quarantäne. Warum? Trauen sie ihrem eigenen Test nicht? Ich habe gelesen, der angewandte PCR-Test ist nicht wissenschaftlich validiert. Damit wird alles getestet, auch Rhino- und Corona-Viren. Ich sage: Positiv kann auch falsch positiv sein, infiziert heißt nicht krank.

Engel: Wir sind keine Querdenker, sind nicht gegen Masken, nicht gegen Tests. Aber Panikmache ist auch nicht gut. Die Politik hat gute Maßnahmen ergriffen. Aber jetzt wollen wir, dass unsere Wirtschaft wieder läuft. Es gibt auch andere Themen, die unbedingt gelöst werden müssen, nicht nur Corona und Trump. Der Klimawandel. Unsere automotive-lastige Region. Die Lieferengpässe beim Digitalpakt für Schulen. Ich verlange einfach, dass sich unsere Politik um die Themen kümmert, die es gibt. Wir wollen in unseren Nachrichten mal von den anderen wichtigen Themen hören. Wir werden ja schon depressiv, wenn wir Nachrichten anschauen.

Wie ist der Plan für unterwegs?

Turck: Wir werden noch Kontakte übers Netzwerk einstielen. Du glaubst nicht, an was für ein Netzwerk du kommst. Wir können noch die Mühlen mahlen lassen. Wir kommen durch Hannover, durch Magdeburg, durch Potsdam. Da gibt es doch Ministerpräsidenten. Und Zeitungen. Zwischendurch wird Zeit zum Reden sein. Man kommt immer ins Gespräch. Wir planen gerade. Wir übernachten in drei Jugendherbergen und in zwei Hotels. Zurück geht’s dann mit dem Zug.

Was ist, wenn in Berlin niemand Emil zuhört?

Engel: . . . dann haben wir aber wahrnehmbare Spuren hinterlassen. Wir werden definitiv Aufmerksamkeit bekommen. Ich habe noch nie irgendwo ein Plakat hochgehalten. Wir schwimmen im Mainstream. Bislang. Meckern können viele. Aber man muss auch aufstehen.

Turck: Auch für die Zukunft unserer Kinder. Hier ist Herzblut mit drin.

Gibt es Unterstützer für Ihre Aktion?

Engel: Es gibt Menschen, die unterstützen uns, die wollen aber nicht genannt werden. Die haben Angst vor einer Einstufung.

Turck: Es gibt so viele, die sich extremst aufregen, aber nichts sagen.

Engel: Wir sagen jetzt etwas.

Sie haben auch eine Spendenaktion angestoßen. Worum geht es dabei?

Engel: Es bleiben zu viele Menschen auf der Strecke. Das ist das Problem.

Turck: Wir planen das gerade. Einzelheiten geben wir auf unserer Internetseite bekannt. Es soll nachhaltig sein.

Was kommt nach Berlin?

Turck: Ich möchte mich politisch engagieren. Der Grundstein wurde bei Spahn gelegt. Da hatte ich den Eindruck: „Die machen mit uns, was sie wollen.“ Ich werde mich jetzt stärker einbringen.

Engel: Ich würde mich auch gerne politisch engagieren, wüsste aber derzeit nicht wo.

Turck: Ich wüsste auch nicht in welcher Partei.

Engel: Wie sortiert man sich zu? Bei der Wahl war’s schon schwierig, eine Entscheidung zu treffen. Man kann auch die Bundespolitik nicht mit der Lokalpolitik gleichstellen, aber momentan ist es schwierig, da die Bundespolitik einfach alles dominiert.

Turck: Dieser Einheitsbrei, den wir haben . . . Ich habe keine Angst. Ich habe keinen Respekt. Ich sage meine Meinung. Wichtig ist, dass man sich gegenseitig zuhört und ausreden lässt.

Engel: Das Leben geht ja weiter. Das Leben ist ja da. Uns fehlt nur unsere Substanz, die Qualität. Die Politik muss einfach nach vorne schauen. Wir haben Themen, aber der Fokus geht verloren.

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