Stipendium für Franziska Wilhelm

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In der Stadtbücherei vergab die Jury das Stipendium für Literatur. - Fotos: Krumm

Lüdenscheid -  Publikum und Jury waren sich diesmal einig: Franziska Wilhelm heißt die MKK-Stipendiatin für Literatur 2015. Neben der 1981 in Erfurt geborenen Autorin hatte die Märkische Kulturkonferenz die Nachwuchsschriftsteller Fabian Hischmann und Matthias Nawrat zur Auswahllesung in die Stadtbücherei eingeladen.

Es sei ihr wichtig, skurrile Texte zu schreiben und ungewöhnliche Dinge zu beschreiben, sagte Franziska Wilhelm vor Beginn ihrer Lesung aus ihrem ersten Roman „Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen“. Und dann ging es mitten hinein in das Ende der 90er-Jahre und die Sportplatzkneipe der Familie Enders in Strottenheim, deren Lage Selbstmörder magisch anzieht. Denn in der Nähe befindet sich eine Bahnstrecke, und wer es ernst meint mit dem Suizid, ist auf Schienen bekanntlich bestens aufgehoben. Rosana Enders, eine ehemalige Dorfschönheit und Mutter der Ich-Erzählerin, ist der letzte ernste Prüfstein für jene, die in Lederjacke und mit malmenden Kiefern ihrem Ende entgegengehen. Denn „es gab immer wieder Männer, die über dem Lächeln meiner Mutter den Zug verpassten, vor den sie sich werfen wollten“.

In leichtfüßig sarkastischem Ton erzählt die Protagonistin von ihren Beobachtungen in der Kneipe und folgt zuweilen einem zum Äußersten Entschlossenen, der sich nicht vom letzten Bier und dem Lächeln der Wirtin von seinem verhängnisvollen Plan abbringen lässt. Das sorgt für Spannung und Aufatmen, wenn es doch nicht ganz so schlimm kommt. Dass diese Art pfiffiger Unterhaltung dem Publikum Spaß machte, verdeutlichten schon die Verkaufszahlen des Buches in der Zeit des Wartens auf die Entscheidung der Jury. Diese bestand aus der ehemaligen Büchereileiterin Franziska Altenpohl, Buchhändlerin Hiltrud Schulte, Thomas Brenk und Prof. Dr. Klaus Vondung, der einst Literatur an der Uni Siegen lehrte. Dazu kam als neues Mitglied Katharina Döring, Deutsch- und Englischlehrerin am Märkischen Gymnasium in Iserlohn.

Die freundlichen Worte, mit denen Franziska Wilhelm die Bücher signierte, gingen einher mit munteren Gesprächen über das Dasein als Autorin, über Thüringen und Leipzig als ihrem Wohnort und Lüdenscheid. Denn wie ihre Mitbewerber weilte Franziska Wilhelm zum ersten Mal in der Bergstadt – sie konnte allerdings mit jüngst erworbenen Kenntnissen über Lüdenscheid punkten und hatte auch schon die Badewanne mit den Herren im Bade im Forum entdeckt. Und so kam es zu vorgerückter Stunde zu jener bemerkenswerten Szene, in der Klaus Crummenerl die junge Autorin in die Geheimnisse der Bereitung von Potthucke einweihte.

Solchem Charme und solch unterhaltsamem Erzählen gegenüber hatten es die beiden männlichen Kandidaten schwer, deren Texte größeren Anlauf brauchen, bis sie die Köpfe erreichen. Doch auch die Jury, die ihre Entscheidung nicht nur auf der Grundlage der abendlichen Lesung traf, entschied sich letztlich gegen die erheblich sperrigeren Werke von Matthias Nawrat („Unternehmer“) und Fabian Hischmann („Am Ende schmeißen wir mit Gold“). - thk

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