„Auto-Bummser“ nun vor Amtsgerichten

Lüdenscheid - Mühsam gestaltet sich derzeit in den Amtsgerichten die strafrechtliche Aufarbeitung der fingierten Autounfälle, deretwegen das Landgericht Hagen im März zwei 41- und 39-jährige geständige Lüdenscheider zu Haftstrafen bis zu drei Jahren verurteilte.

Als Fahrzeughalter, Versicherungsnehmer und Fahrer der beteiligten Fahrzeuge waren zahlreiche weitere Täter an den gestellten Unfällen beteiligt – allerdings in zumeist erheblich geringerem Maß. An diese vielen „kleinen Fische“ verschickte die Staatsanwaltschaft Hagen richterliche Strafbefehle über 90 Tagessätze, deren Höhe sich nach dem Einkommen der Täter richtet. Einige akzeptierten diese Strafbefehle, andere stritten vor Gericht dagegen.

So auch ein 48-jähriger Angeklagter aus Lüdenscheid, dessen Fahrzeug im Mai 2009 an einem fingierten Unfall auf der L694 bei Wettringhof beteiligt gewesen sein soll. Er verweigerte jegliche Angaben zur Sache. Als Zeuge setzte Richter Andreas Lyra auf einen 33-Jährigen, der das Fahrzeug gesteuert und den Unfall scheinbar verursacht haben sollte, und einen der beiden verurteilten Hauptangeklagten, dessen Autoschäden die Versicherung des Angeklagten mit einer Zahlung von mehr als 5500 Euro beglichen hatte. Letzterer durfte die Aussage gegen seinen mutmaßlichen Komplizen verweigern, weil das Urteil des Landgerichts gegen die beiden Haupttäter noch nicht rechtskräftig ist. Derzeit wird es noch vom Bundesgerichtshof geprüft.

Der 33-Jährige, der die Rolle des Unfallverursachers gespielt haben soll, schien zunächst kein Zeugnisverweigerungsrecht zu haben: Er beteuerte, dass es sich im Begegnungsverkehr auf der engen Landstraße bei Wettringhof um einen wirklichen Unfall gehandelt hatte. Das war überraschend, weil er es versäumt hatte, gegen den üblichen Strafbefehl über 90 Tagessätze Einspruch einzulegen. Nach einem rechtskräftigen Urteil hätte er kein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt.

Der Zeuge versicherte aber, dass ihn der Strafbefehl aufgrund von Umzügen zunächst nicht erreicht habe. Ob die Zustellung an die neue Adresse rechtsgültig war, ließ sich nicht so recht feststellen. Der Zeuge versicherte, den Strafbefehl nicht hinnehmen zu wollen. So war auch seine Pflicht zur wahrheitsgemäßen Aussage nicht sicher feststellbar. Richter Andreas Lyra vertagte den Prozess. - thk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare