"Wir sind bodenständig und anständig"

Lüdenscheid - „Ich bin kein Mann der großen Worte“, sagte Helmut Kostal, der in der Nacht auf den vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren starb, vor wenigen Wochen in einem Interview. Und so war er ein Mann der Tat, jemand, der einfach das getan hat, was notwendig war, und was er für notwendig hielt. Nachfolgend Auszüge aus dem Nachruf der Leopold Kostal GmbH & Co. KG auf Dr. h.c. Helmut Kostal.

Er verstand es, Menschen zu bewegen, weil er selbst von dem bewegt und überzeugt war, was er tat. Auf die Frage, was das Lüdenscheider Unternehmen Kostal so erfolgreich gemacht hat, dass es sich unter seiner Führung zu einem der hundert größten Automobilzulieferer weltweit und einem global agierenden Familienunternehmen mit 17.000 Mitarbeitern mit Standorten in 18 Ländern entwickeln konnte, antwortete Helmut Kostal: „Wir sind bodenständig und wir sind anständig.“

Damit brachte er mit wenigen Worten auf den Punkt, was ihn auszeichnete, und was er von seinen Mitarbeitern erwartete und forderte: Bodenständigkeit und Anstand.

Der letzte Satz eines Gespräches mit Helmut Kostal, das erst im September in der Mitarbeiterzeitschrift des Unternehmens erschien, lautete: „Wenn ich eine Lebenserfahrung gemacht habe, dann ist es diese: die Welt mag sein, wie sie will, langfristig kommt man besser durch, wenn man anständig, berechenbar und sich treu bleibt.“

Treu war Helmut Kostal aber nicht nur sich selbst. Treu war er seiner Familie, seinem Unternehmen, seinen Mitarbeitern und seiner Heimat gegenüber. Bis zuletzt stand jedem, der das Gespräch mit ihm suchte, seine Tür offen. Da, wo er helfen und unterstützen konnte, tat er es unauffällig, aber wirksam.

Sein Verständnis von Fairness und sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn haben ihm in manchen Fällen notwendige harte unternehmerische Entscheidungen nicht leicht gemacht. Zugleich war Helmut Kostal ein Unternehmer im ursprünglichen Sinn des Wortes, jemand, der etwas unternahm, wenn er etwas als richtig, gut und notwendig erkannt hatte, jemand, der eine außergewöhnliche Überzeugungskraft besaß und sich zugleich selbst überzeugen ließ.

Er war ein aufmerksamer Zuhörer und hatte eine hohe Sensibilität für neue Marktchancen. Zeitlebens war Helmut Kostal fasziniert von den Möglichkeiten neuer Technologien, und so investierte das Unternehmen Kostal kontinuierlich in die Entwicklung und Umsetzung sowohl neuer Produktionstechnologien als auch von innovativen Produkten wie dem Regensensor, dem Einklemmschutz für Autoscheiben, der Fahrerassistenzkamera und zahlreichen weiteren Innovationen.

Zahlreiche Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz am Bande, der Ehrenring der Stadt Lüdenscheid und die Ehrendoktorwürde der Universität Witten/Herdecke zeugen vom gemeinnützigen Engagement von Helmut Kostal, das er neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ausübte.

Auch hier stand für ihn das Handeln im Vordergrund, reden musste, ja wollte er darüber so wenig wie möglich. So zurückhaltend, wie er seine zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten ausübte, agierte Helmut Kostal auch, wenn es um die Darstellung seiner unternehmerischen Erfolge in der Öffentlichkeit ging.

„Langfristig können wir nur mit Qualität, Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit unseren Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten gegenüber überzeugen“, sagte Helmut Kostal und führte fort: „Wir müssen uns nicht zur Schau stellen, wir müssen mit unserer Leistung überzeugen.“

Man kann einen Menschen würdigen, indem man seine Funktionen und Fakten über seine Leistungen benennt. Helmut Kostal wäre das nicht recht gewesen. Er war stolz auf seine Familie, auf seine Mitarbeiter und sein Unternehmen, aber er hat diesen Stolz nie zur Schau gestellt. Helmut Kostal hatte eine unbändige Lebensfreude und verstand es immer wieder, andere mit seiner Lebensfreude anzustecken.

Vor nicht allzu langer Zeit sagte er: „Es ist wichtig, sich nicht zu wichtig zu nehmen.“ So hat er gelebt und gewirkt, so war er Vorbild. Eine seiner größten Leistungen war es wohl, sein Lebenswerk so zu hinterlassen, dass es auch nach seinem Tod und ohne ihn weiter wachsen und blühen kann. Umso mehr verlieren wir mit Helmut Kostal eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die vor allem eines war: menschlich. Dafür sind wir ihm dankbar!

Georg-W.Exler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare