Ausstellung über Zuwanderer in Lüdenscheid

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Michaela Ernst zeigt ein Henna-Abend-Kleid aus Armenien (rechts) und einen Teppich, der in der Türkei mit bayrischer Wolle gewebt wurde – das sind bereits Ausstellungsstücke für die Zuwanderungssausstellung. ▪

LÜDENSCHEID ▪ „Wir hier!“ – das ist der Titel unter dem im Lüdenscheider Geschichtsmuseum eine Ausstellung zur Geschichte der Zuwanderer in Lüdenscheid vorbereitet wird. Ab März soll sie in den Museen am Sauerfeld zu sehen sein. Hinter den Kulissen ist die Arbeit weit fortgeschritten, aber noch längst nicht beendet, wie Museumleiter Dr. Eckhard Trox und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Michaela Ernst auf Anfrage erläuterten.

Der Titel „Wir hier!“ soll auch zeigen, dass die Geschichte der Zuwanderer ganz eng mit der Stadt verbunden ist. „Vielen ist gar nicht bewusst, dass das, was sie persönlich erlebt haben, eine Bedeutung für die Entwicklung der Stadt hat“, so Trox. Zum großen Teil ist es die Alltagsgeschichte der Menschen, die die wirtschaftliche und die städtebauliche Entwicklung der Stadt geprägt hat. Ohne die Arbeitskraft der Flüchtlinge und Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges, später der Gastarbeiter, hätten viele Unternehmen nicht so erfolgreich werden können. Gründungen von religiösen Gemeinden, der Bedarf nach Wohnraum, erfolgreiche Unternehmensgründungen – alles das habe die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten geprägt, ergänzte Michaela Ernst.

Bei dieser Ausstellung handelt es sich um ein sehr forschungsintensives Projekt, betonte Trox. Denn neben der Arbeit in Archiven und der Auswertung von Statistiken, geht es vor allem darum, Interviews mit Zeitzeugen zu führen und deren ganz individuellen Lebensgeschichten niederzuschreiben und in den historischen und gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

Geplant ist, die verschiedenen Stationen der Zuwanderung als Leitfaden zu verwenden. Das heißt, sämtliche Gruppen, die im 19., 20. und bis in das 21. Jahrhundert hinein neu in die Stadt kamen, werden zusammengefasst. Denn trotz der unterschiedlichen Schicksale gebe es viele Parallelen, mit welchen Problemen, Ängsten und Sorgen sie zu tun gehabt hätten, erläutert Michaela Ernst. Die Gründe, die Heimat zu verlassen, sind ein Thema, damit verbunden die Herkunftsorte und die ersten Jahre des Ankommens. Die Trennung von der Familie, der Verlust von Heimat, Ängste vor dem Neuen – all das finde sich in den Geschichten. Später folge die Zeit des Fußfassens, mit dem Erwerb von Immobilien, der Gründung Vereinen.

Die Stadtgesellschaft „will die Ausstellung unbedingt“, betont der Museumsleiter. Dass sie so viele Besucher anziehen wird, wie die Haribo-Ausstellung oder die ZooGeschichten, sei vielleicht nicht zu erwarten, aber Trox ist mit „optimistischer Skepsis“ gespannt auf die Besucherresonanz. Denn die Ausstellung wird ganz viele Menschen in der Stadt direkt oder indirekt betreffen. Wichtig ist Trox zu zeigen, dass das Museum ein öffentlicher Raum ist, in dem die „historische Erinnerung aller Menschen, die hier leben“, aufgearbeitet und dokumentiert wird.

Viele Interviews wurden geführt, aber es besteht immer noch Bedarf an möglichen Ausstellungsstücken. Objekte, die etwas über die erste Zeit der Zuwanderung dokumentieren, wären schön, sagte Michaela Ernst. Ganz egal, ob es sich um die Zeit der Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg oder um die Ankunft der Gastarbeiter handelt, „wie der erste Eisbecher oder der erste Resopaltisch einer neugegründeten Eisdiele“. Wer etwas beisteuern möchte und dazu die Geschichte des Objektes erzählen kann, kann sich im Museum, Tel 0 23 51 / 17 14 96, melden. ▪ gör

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