Gewissen gegen Gewehre

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Matthias Wagner (l.) und Martin Sander, haben das Material für Lüdenscheid zusammengetragen.

Lüdenscheid - "Frieden gegen Krieg + Gewissen gegen Gewehre – 100 Jahre Friedensarbeit in Hagen und im Märkischen Kreis" – diese Ausstellung wird ab Ende August im Bürgerforum des Rathauses zu sehen sein.

Drei Jahre lang haben Aktivisten von Friedensgruppen in Lüdenscheid, Altena, Hagen und Iserlohn an dem Projekt gearbeitet, in städtischen und Zeitungsarchiven geforscht und wissenschaftliche Publikationen aufbereitet.

Herausgekommen sind 44 „Roll-ups“, transportable Leinwände, über die ein Jahrhundert Konflikte zwischen Kriegsgegnern, Kriegsbefürwortern und Profiteuren dokumentiert sind. Etwa die Hälfte der benötigten Mittel von 9000 Euro stellt die Landeszentrale für Politische Bildung bereit. Auch Gewerkschaften finanzieren das Kooperationsprojekt von Friedensgruppe Lüdenscheid, Friedenszeichen Hagen, Friedensplenum Iserlohn und der Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung im Märkischen Kreis.

Zum Teil sind es sehr einfache Dokumente und Reproduktionen, die beispielsweise die Stimmung in der Bevölkerung im Ersten Weltkrieg bezeugen, Postkarten und Zeitungsausschnitte aus einer Zeit, in der Lüdenscheid 25 000 Menschen zählte und 17 Militär- und Kriegervereine. 6000 Lüdenscheider wurden einberufen, 1224 getötet und 664 verletzt, recherchierten Matthias Wagner und Martin Sander.

Der Widerstand gegen den Militarismus setzt sich fort in der Weimarer Zeit. Von 30 000 Friedensaktivisten deutschlandweit standen 20 000 unter Anklage wegen Landesverrats.

Auch wirtschaftliche Aspekte kommen nicht zu kurz: So explodierte die Gewerbesteuer in Lüdenscheid von 273 000 Reichsmark im Jahr 1933 auf 3,2 Millionen im Jahr 1942 – Ergebnis der enormen Produktion im Rüstungskommando Lüdenscheid, die den Alliierten verborgen geblieben war.

Die Nachkriegszeit steht im Zeichen des Kalten Krieges und der realen Gefahr des Atomkriegs. „Wir wollen dieses Teufelszeug nicht“, sagt SPD-Oberbürgermeister Erwin Welke 1958 in einem Bericht der Lüdenscheider Rundschau. Lüdenscheid erklärt sich in der Abstimmung zur atomwaffenfreien Zone, die CDU im Rat stimmt nicht mit ab. Golfkrieg, Waffenschau am Loh, Nato-Doppelbeschluss, die Friedensthemen ziehen sich auch durch die jüngere Stadtgeschichte. Der Nato-Angriff auf Jugoslawien führt 1999 zur Gründung der Friedensgruppe Lüdenscheid.

Vier feste Stationen sind für die Ausstellung vorgesehen, danach ist sie ausleihbar beispielsweise von Schulen und Kirchengemeinden. Start ist vom 8. bis 30. Mai in Hagen, vom 9. Juni bis 6. Juli in Altena, ab 25. August bis 13. September in Lüdenscheid und danach in Iserlohn.

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