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Ausstellung im MK zum Megatrend: Do it yourself ist keine neue Erfindung

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Von: Jutta Rudewig

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LWL Ausstellung Do it yourself Lüdenscheid
Prunkstück der Ausstellung ist ein Rasenmäher Marke Eigenbau aus dem Gestell eines Puppenwagens. © Rudewig

Ein Rasenmäher, angefertigt in der DDR, gehört zu den Prunkstücken, die ab Sonntag in den Museen der Stadt zu sehen sind. Der Unterbau besteht aus einem Puppenwagengestell mit selbstgedrechseltem Holzaufsatz. Eingebaut worden ist der Motor einer Wäscheschleuder, abgedeckt wird der Motor von einer feuerroten Kunststoffschüssel. Ein Rasenmäher „do it yourself“.

Lüdenscheid – DIY – „Do it Yourself“ ist gleichsam der Titel einer Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen. Die neue Lust aufs Selbermachen wird ab Sonntag (11.30 Uhr) und bis zum 9. Januar im Geschichtsmuseum aufgezeigt, überwiegend auf Stellwänden, aber auch mit Exponaten. So ist beispielsweise ein Zusatztank, der im Zweiten Weltkrieg die Reichweite der militärischen Luftfahrt erhöhte, zu sehen, aus dem Kinder nach dem Krieg Boote zum Befahren der Weser bauten.

In den 50er-Jahren sei die Selbermachen-Welle aus den USA nach Deutschland geschwappt, erklärt Verena Burhenne, wissenschaftliche Referentin des LWL-Museumsamtes für Westfalen. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Volontärin Sarah Pfeiffer (LWL-Museumsamt) baut sie in diesen Tagen die Ausstellung auf. Die Idee zur Ausstellung stammt von Sarah Pfeiffer.

Do it Yourself LWL Ausstellung Lüdenscheid
Der Abwurftank eines Kriegsbombers wurde zum Boot umfunktioniert. Kinder schipperten damit über die Weser. © Rudewig

Einem Presseaufruf vor zwei Jahren folgten „nette Geschichten und Exponate“, wie Vera Burhenne sagt. Privatleute gaben Interviews, erklärten ihre persönliche Motivation in Sachen „Do it Yourself“. Man habe nach dem Krieg und im Laufe der Jahrzehnte mehr Freizeit gehabt. So wurde „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ zu einem Aspekt der Ausstellung. Sie betrachtet die Praktiken des Selbermachens in den Spannungsfeldern „Mangel & Überfluss“, „Hobby & Arbeit“ und „Alltag & Gegenkulturen“. Mangel vor allem in den Nachkriegsjahren, in denen der militärische Stahlhelm auch durchaus zum nicht mehr militärischen Kochtopf umfunktioniert wurde.

Der handgestickte QR-Code als Leihgabe von Gertrudis Luxx, Brettspiele in Eigenproduktion oder auch der Blick auf Kommerz und Punk der 70er-Jahre – „Do it Yourself“ zeigt auf, dass die Motivation zum Selbermachen selbst bei gleichen Utensilien unterschiedlich war und ist.

LWL Ausstellung Do it Yourself Museen
Auf Stellwänden zeigt der LWL den Werdegang der Selbermachen-Bewegung. © Rudewig

Eine Ergänzung der LWL-Ausstellung mit regionalen Aspekten und Exponaten wird es diesmal nicht geben. Die Kräfte im Geschichtsmuseum sind gebündelt für die Arbeit an der neuen Dauerausstellung. Ein Begleitprogramm, so Museumsleiter Dr. Eckhard Trox, sei abhängig vom Besucheraufkommen. Einen Termin gibt’s allerdings schon: Am 7. November findet ab 15 Uhr eine Führung für Taubstumme durch die Ausstellung statt.

Ausstellungskatalog mit 136 Seiten

Ein Katalog mit 136 Seiten, zahlreichen Abbildungen und weiterführenden Textbeiträgen vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Er ist ab Sonntag für 11,90 Euro erhältlich.


Die Ausstellungseröffnung beginnt am Sonntag um 11.30 Uhr. Museumsleiter Dr. Eckhard Trox wird die Gäste begrüßen, die Einführung übernimmt Verena Burhenne. Der Eintritt ist frei, es gelten 3G und Maskenpflicht.

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