Visualisierte Zerstörung

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Das Team der Museen freut sich auf die Eröffnung und ein spannendes Rahmenprogramm.

LÜDENSCHEID - Die Bilder erzählen von Tod und Leid, von Unrecht, von Völkerrechtsverletzung. Sie sind die visualisierte Zerstörung, sind in Kunst gegossene Gefühle – wie jene überdimensionale Fotografie aus dem zerstörten Leuven, an deren unterem Ende man eine Mutter sieht mit einem Kind. Gerade so, als hätten beide soeben das Grauen überlebt und stehen nun in den Trümmern ihrer Zukunft. Samstagnachmittag um 17 Uhr wird in den Museen der Stadt Lüdenscheid an der Sauerfelder Straße die Ausstellung „Die Unschuld verloren“ eröffnet.

Es sind Fotografien, Lithografien, Holzschnitte, Radierungen, hochwertige Drucke, die an eine Zeit erinnern, in der der Beginn des 1. Weltkrieges als ein „reinigendes Gewitter“ betrachtet wurde, in der man freiwillig in den Krieg zog. Die Ernüchterung folgte noch im ersten Jahr. Exponate aus der Zeit um 1914 wollte man bewusst nicht zeigen, gibt es doch in den vom Krieg mehr betroffenen Städten im Ruhrgebiet genug zu sehen. Man habe sich auf die Zerstörung Leuvens konzentriert und auf die Kunst aus dieser Zeit, die emotionale Seite, in der die Künstler auszudrücken versuchten, welches Grauen sie gesehen haben. „Lüdenscheid war eine Lazarettstadt“, konstatierte Dr. Eckhard Trox bei der Vorstellung der Ausstellung, zu der Samstagnachmittag in den Museen eine Abordnung aus Leuven erwartet wird, angeführt von Louis Tobback, Bürgermeister von Leuven, ehemaliger Innenminister, Vorsitzender der Sozialistischen Partei und Senator im belgischen Senat.

Es ist eine leise Ausstellung, die da in den Museen bis zum 18. Januar 2015 gezeigt wird. Eine Ausstellung, die erahnen lässt, was da tatsächlich geschehen sein muss in jenen Augusstagen 1914 in Leuven Und eine Ausstellung, die nicht protzt mit von weither transportierten Exponaten. So empfängt den Besucher überdimensional groß die Fotografie eines Mannes in den Trümmern seiner Heimatstadt. Die Detailsuche auf den Fotografien, die aus dem Leuvener Archiv stammen, eröffnet dem Betrachter andere Perspektiven. Und auch die Bilder tragen Namen. Von „Flagellanten“ ist die Rede, vom „Schmerzensmann“ und vom „Tod als Jongleur“.

Die Ausstellung „Die Unschuld verloren“ ist nach ihrer Eröffnung Samstagnachmittag bis zum 18. Januar täglich außer montags und dienstags in der Zeit von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Der Eintritt in die Ausstellung kostet vier Euro für Erwachsene, ermäßigt zwei Euro. Sie wird wie so oft von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet, das aus öffentlichen Führungen besteht, aber auch aus Vorträgen von Historikern und Kunsthistorikern. Entsprechende Flyer liegen an öffentlichen Stellen aus. Die Vernissage ist öffentlich, die Einführung übernimmt Marika Ceunen, Stadtarchivarin von Leuven. - rudi

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