Weltkriegs-Ausstellung mit reichhaltigem Programm

Fotos, Grafiken, Feldpostkarten, Tagebucheinträge – die Palette der Exponate der Ausstellung in den Museen der Stadt ist breit gefächert.

Lüdenscheid - In den Ausstellungsräumen in den Museen der Stadt Lüdenscheid werden zur Zeit die letzten Vorbereitungen zur Eröffnung der Ausstellung „Die Unschuld verloren“getroffen. Kuratoren und Gestalter sind am Werk, um den Fotografien aus Leuven und den Bildern der Expressionisten den richtigen Rahmen zu geben.

Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen mit den Grafiken, die aus dem Karl-Ernst-Osthaus-Museum nach Lüdenscheid gebracht wurden.

Am Samstag, 20. September, ab 17 Uhr wird die Ausstellung in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Leuven eröffnet. Neben Bürgermeister Dieter Dzewas und Dr. Eckhard Trox, Leiter der Museen der Stadt Lüdenscheid, werden auch Leuvens Bürgermeister Louis Tobback und Marika Ceunen, Stadtarchivarin aus Leuven, zur Begrüßung sprechen.

Am Sonntag, 28. September, beginnt die Reihe um 16 Uhr mit einer öffentlichen Führung unter dem Titel „Briefe und Tagebücher“. Mit dem Ausruf „Weihnachten sind wir wieder zu Hause“ zogen viele Kriegsfreiwillige im August 1914 in den „Großen Krieg“. Die Euphorie überwog in allen Bevölkerungskreisen. Doch die anfängliche Begeisterung legte sich schnell. Das persönliche Erleben von Soldaten, Künstlern und Zivilbevölkerung spiegelt sich in zahlreichen Briefen und Tagebüchern, auf die Michaela Ernst, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen der Stadt Lüdenscheid, in der Führung ein besonderes Augenmerk gerichtet ist. Diese Führung wird am Sonntag, 2. November, um 16 Uhr wiederholt.

Von der Kriegseuphorie des Sommers 1914 spannt sich der Bogen bis hin zur allgemeinen Kriegsmüdigkeit.

„Die Literatur Westfalen 1914 bis 1918“ ist das Thema eines Vortrags des Literaturwissenschaftlers Arnold Maxwill, zu dem ebenfalls am Sonntag, 28. September, ab 18 Uhr eingeladen wird. In Westfalen wurden die fernen Frontkämpfe durch eine nicht nachlassende Textproduktion literarisch imaginiert. Die Gedichte versuchten zudem, die neuartige Mentalität der nationalen Schicksalsgemeinschaft zu etablieren. Der Vortrag bietet durch exem plarische Sichtung einen Überblick zur Literatur Westfalens während des Ersten Weltkriegs.

Viele Exponate begleiten das umfangreiche Rahmenprogramm der Ausstellung in den Museen der Stadt.

Für Sonntag, 26. Oktober, und Sonntag, 7. Dezember, lädt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox jeweils ab 16 Uhr zu zwei öffentlichen Führungen unter dem Titel „Erster Weltkrieg – Leuven – Lüdenscheid – Zeitströmungen im Denken und in der Kunst“ ein. Nach Informationen zum Ersten Weltkrieg wird anhand von Fotografien die Besonderheit der Ereignisse von Leuven im August 1914 erläutert. Bekanntlich werden die Bilder von zerstörten Städten mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung gebracht. Die Ereignisse von Leuven bezeugen das Gegenteil. Lüdenscheid erlebte während des Krieges keine Zerstörungen. Inwiefern die Stadt von den Geschehnissen jedoch nicht unbeeinflusst blieb, wird anhand von Basisinformationen erläutert.

Die Kunsthistorikerin Reinhilde Petra Pia Brenders

„Kunst um 1914. Das Wiederaufleben von religiösen Motiven in der Bildenden Kunst“ lautet der Titel des Vortrags der Kunsthistorikerin Reinhilde Petra Pia Brenders, der am Sonntag, 26. Oktober, ab 18 Uhr in den Museen beginnt. Kurz vor 1914 kam es zu einer Wiederentdeckung von religiösen Motiven in der Bildenden Kunst: Themen wie die Apokalypse und die Passion Christi dienten den Künstlern als Motiv für die Auseinandersetzung mit den politisch-gesellschaftlichen Spannungen. Aber auch die Verarbeitung der Erfahrungen an der Front und die Erinnerungen an den ersten Weltkrieg waren für viele Künstler Anlass, auf religiöse Bildformeln zurückzugreifen.

Dr. Torsten Reters referiert über das Alltagsbewusstsein.

Am Sonntag, 2. November, referiert der Historiker Dr. Torsten Reters, zum Thema „Krieg und Alltagsbewusstsein im Ersten Weltkrieg“. Der Vortrag mit Filmeinspielungen skizziert den Kriegsverlauf. Er beleuchtet die Ereignisse im Sinne einer Mentalitätsgeschichte: Von der Kriegseuphorie des Sommers 1914 spannt sich der Bogen über Ernüchterungsphasen an der Front und in der Heimat bis hin zur allgemeinen Kriegsmüdigkeit sowie zur Kapitulation der Mittelmächte im November 1918.

Der Vortrag des Historiker Torsten Reters am Sonntag, 2. November, als Referat mit Filmeinspielungen skizziert den Kriegsverlauf.

Dr. Susanne Conzen, Leiterin der Städtischen Galerie, lädt für Sonntag, 16. November, ab 16 Uhr zu einer öffentlichen Führung unter dem Titel „Künstler im Krieg“ ein. In der Ausstellung „Die Unschuld verloren“ sind den fotografischen Überlieferungen der Leuven-Katastrophe Grafiken von Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts gegenübergestellt. Gezeigt werden vor allem kleinformatige Arbeiten auf Papier, die allesamt künstlerische Zeugnisse des erlebten Grauens und des apokalyptischen Untergangs sind.

Rüdiger Wulf, Leiter des Westfälischen Schulmuseums, spricht am 16. November über Täter und Opfer.

Ebenfalls am Sonntag, 16. November, beginnt um 18 Uhr ein Vortrag mit dem Titel „So wurden Leuven bestraft, wie es recht war“. Rüdiger Wulf, Leiter des Westfälischen Schulmuseums, das eine kleine Sammlung von Heften und Broschüren besitzt, die Schüler und Lehrer über das Kriegsgeschehen informieren sollten, zeigt hier besonders eklatante Beispiele für die Propaganda, die in dieser Zeit betrieben wurde. Es wird aufgezeigt, wie aus Unrecht Recht und aus Tätern Opfer gemacht wurden.

Avantgardistische Malerei um 1914: „Das zerstörte Bild vom Menschen“. Darüber referiert Dr. Gisela Luther-Zimmer.

Den Abschluss des Rahmenprogramms bildet ein Vortrag der Kunsthistorikerin Dr. Gisela Luther-Zimmer, der „Das zerstörte Bild vom Menschen. Malerei um 1914“ zum Thema hat. In der avantgardistischen Malerei um 1914 fällt die immer wiederkehrende Darstellung des zerstörten, ja hässlichen Menschen auf. Kubisten wie Braque und Picasso hatten mit der Dekonstruktion menschlicher Formen begonnen, die deutschen expressionistischen Künstler malten unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges zerfetzte und abstoßende Gesichter.

Hintergrund der Serie

Erster Teil: „Wahrt die Ehre Eures Vaterlandes, und kehrt mit Ruhm bedeckt zurück“

Zweiter Teil: "Wir werden aus diesem Ort eine Wüste machen“

Dritter Teil: „Der prachtvolle Humor im Schützengraben“

Vierter Teil: Die Kriegserlebnisse in den Werken der Expressionisten

Der Vortrag geht dem Phänomen von Hässlichkeit, Dekonstruktion und Aggression in der bildenden Kunst am Anfang des 20. Jahrhunderts nach.

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