Gesetzlicher Anspruch nicht erfüllbar

Auslandsrückkehrer, Kita-Mitarbeiter, Lehrer: Chaos bei kostenlosen Corona-Tests im MK

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Immer mehr Bürger, darunter Erzieher und Lehrer, haben Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test. Doch es ist schwer, einen Ansprechpartner zu finden.

Märkischer Kreis – In wenigen Tagen enden die Sommerferien, und mit Blick auf die Corona-Lage im Märkischen Kreis wächst im Kreisgesundheitsamt die Sorge vor einer zweiten Welle.

Inzwischen steht fest: Für den jüngsten Anstieg der Covid-19-Fallzahlen im Kreis sind auch Urlaubsrückkehrer verantwortlich. Sie brachten das Virus aus Risikogebieten in den Märkischen Kreis. Die große Rückreisewelle am Ferienende steht dem Kreis allerdings erst noch bevor. 

Wie hoch ist die Zahl der infizierten Urlauber im Kreis? 

Erstmals veröffentlichte das Kreisgesundheitsamt gestern die Zahl der positiv getesteten Reiserückkehrer. Demnach hielten sich 15 von derzeit 49 akut Infizierten zuvor in einem Risikogebiet im Ausland auf. „Vier Infizierte waren in der Türkei, vier im Kosovo, die restlichen verteilen sich auf die Länder Bulgarien, Serbien und die Ukraine“, erklärte Kreissprecherin Ursula Erkens auf Anfrage. 

Urlauber, die in einem Risikogebiet waren, müssen einen Corona-Test machen. Keine Erkenntnisse hat der Märkische Kreis darüber, ob auch Reisende aus Nicht-Risikogebieten wie den Niederlanden, Österreich oder Spanien unter den Infizierten sind. Dies werde nicht eigens erfasst, sagt Erkens. Ein Corona-Test ist in diesen Fällen nicht verpflichtend. 

Laut Bundesgesundheitsministerium können sich alle Urlauber – aus Risikogebieten und Nicht-Risikogebieten – kostenlos testen lassen, ebenso im zweiwöchentlichen Rhythmus Erzieher und Lehrer. Ist inzwischen klar, wer die Tests im Märkischen Kreis durchführt?

Nein. Laut Verordnung des Bundesgesundheitsministers werden die kostenlosen Corona-Tests für Auslandsrückkehrer, Lehrer und Erzieher durch die niedergelassenen Ärzte durchgeführt. Doch nach Angaben von Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit beim Kreis, biete „eine ganze Reihe von Hausärzten im Märkischen Kreis“ die kostenlosen Tests erst gar nicht an. 

Grundsätzlich habe die Untere Gesundheitsbehörde keine Kenntnis darüber, welcher Arzt Abstriche nehme. Da auch der medizinische Dienst des Kreises keine Kapazitäten für zusätzliche Testungen hat, hält das Chaos bei den gesetzlich garantierten kostenlosen Corona-Tests an. Die Betroffenen haben zwar einen Anspruch, aber keinen verbindlich benannten Ansprechpartner. 

Gibt es eine Lösung des Problems?

Derzeit ist keine in Sicht, sagt Fachbereichsleiter Schmidt. In einer Telefonkonferenz der Bezirksregierung Arnsberg berichteten auch Vertreter anderer Städte und Kreise von Hausärzten, die die kostenlosen Tests nicht durchführen. Schmidt macht den Ärzten keinen Vorwurf, findet aber klare Worte für das Vorgehen des Ministers: „Es ist unbefriedigend, wenn ein Ministerium erst eine Regelung verabschiedet und dann mit den Beteiligten spricht, die sie umsetzen müssen“, sagt Schmidt. 

Besonders ärgerlich sei es für die Betroffenen, die Anspruch auf einen kostenlosen Test haben. „Die Leute irren durch das System. Die Wut bekommen die Mitarbeiter an unserem Gesundheitstelefon ab. Aber wir wissen auch nicht mehr, und können nur an die Kassenärztliche Vereinigung verweisen“, sagt Schmidt. 

Wie geht es jetzt weiter? 

Ein Abstimmungsgespräch der Kreise mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) steht erst in knapp zwei Wochen an. Derweil bemühen sich die KVen, Ärzte zu überzeugen, die kostenlosen Tests durchzuführen. Volker Schmidt berichtet zudem von zwei Laboren, die sich für Testungen angeboten hätten, darunter das Labor Wahl in Lüdenscheid. 

„Wir sind im Gespräch“, sagt der Fachbereichsleiter. Spruchreif sei aber noch nichts. Dabei drängt die Zeit. Spätestens mit dem Ferienende rechnet das Kreisgesundheitsamt mit einer deutlich erhöhten Nachfrage nach kostenlosen Tests – und mit steigenden Fallzahlen.

Alle Neuigkeiten rund um das Coronavirus gibt es in unserem Corona-Newsblog für den Märkischen Kreis

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