Masken-Befreite erleben Ausgrenzung und Ablehnung

Probleme beim Einkaufen im MK: Von Maskenpflicht befreit - trotzdem Hausverbot

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In vielen Geschäften in der Lüdenscheider Innenstadt (hier im Unity-Media-Shop an der Wilhelmstraße) gilt eine Maskenpflicht. Die Inhaber haben Hausrecht. Sie alleine entscheiden darüber, ob sie Ausnahmen zulassen.

Grundsätzlich gilt noch mindestens bis Anfang Juni eine Maskenpflicht in Geschäften, öffentlichen Gebäuden, Gastronomiebetrieben, in Bussen und im Sterncenter. Doch es gibt Ausnahmen. 

  • Noch bis Juni gilt eine Maskenpflicht in Geschäften
  • Ausnahmen gelten für Personen, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen dürfen
  • In der Praxis im MK haben sie dennoch häufig Hausverbot

Von der Maskenpflicht ausgeschlossen sind nur wenige – allerdings erleben insbesondere Menschen, die aus medizinischen Gründen auf die Maske verzichten müssen, im Alltag Ausgrenzung und Ablehnung

„Die Leute sehen nur, dass die Person keine Maske trägt. Der Grund dafür ist nicht auf Anhieb zu erkennen. Diese Menschen werden häufig angesprochen“, hat Stadtsprecherin Marit Schulte beobachtet. 

Befreiung von der Maskenpflicht ist durch einen Arzt möglich

Die Befreiung von der Maskenpflicht kann bei entsprechender Indikation durch einen Arzt attestiert werden. Häufig verfügen Betroffene bereits über Schwerbehindertenausweise oder andere Dokumente, die Aufschluss über die Erkrankung geben. Diese Atteste oder Belege müssen die Betroffenen gemäß der Auslegungshinweise des Landes NRW allerdings nicht mit sich führen. 

Wer keine Maske trägt, muss belegen, dass er keine Maske tragen muss

„Die medizinischen Gründe müssen für Verantwortliche in Verkaufsstellen oder im ÖPNV oder auch gegenüber den Vollzugspersonen (Ordnungsämter oder Polizei) plausibel dargelegt werden. Oft werden sie unmittelbar erkennbar sein. Ein Nachweis ist zunächst grundsätzlich nicht erforderlich. Nur wenn die Kontrollpersonen den Eindruck gewinnen, dass die medizinische Begründung eine reine Schutzbehauptung ist, kann im Einzelfall ein Nachweis (zum Beispiel ärztliches Attest) verlangt werden“, heißt es in den Auslegungshinweisen zur Maskenpflicht.

Stadt Lüdenscheid rät: Nachweis der Maskenpflicht-Befreiung mitführen

In der Praxis rät Stadtsprecherin Marit Schulte dennoch dazu, einen Nachweis der Befreiung von der Maskenpflicht bei sich zu haben. Sollte  ein Bußgeld erhoben werden, hätten die Betroffenen auch noch auf dem Anhörungsbogen die Gelegenheit, die medizinische Begründung für die Befreiung nachzuliefern.

Seit dem 7. Mai gibt es in Lüdenscheid einen Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Maskenpflicht. Nach einer einmaligen Ermahnung kostet der Verstoß nun 50 Euro, im Wiederholungsfall 100 Euro. Auf Anfrage teilte die Stadt mit, dass bislang noch kein Bußgeld verhängt wurde. „Wir haben schon Ermahnungen ausgesprochen. In der Regel sind die Leute dann einsichtig“, sagt Stadtsprecherin Schulte. 

Verletzungen im Gesichtsbereich können Tragen von Maske unmöglich machen

Zu den akzeptierten medizinischen Gründen zählen laut NRW-Gesundheitsministerium sämtliche gesundheitlichen oder körperlichen Einschränkungen, die das Tragen oder auch das Anlegen eines Mund-Nase-Schutzes erheblich erschweren oder unmöglich machen. So seien zum Beispiel Verletzungen im Gesichtsbereich unter diese Ausnahme zu fassen. Auch eine fehlende geistige Einsichtsfähigkeit könne ein medizinischer Grund sein. 

Pathologe aus Lüdenscheid macht bei Obduktionen von Corona-Toten überraschende Entdeckung

„Insgesamt ist im Zweifel eine weite Auslegung dieses Begriffes geboten. Denn vom Grundsatz her gilt: Träger sollen nicht erst durch den Mund-Nase-Schutz einer Gefahr ausgesetzt werden“, heißt es in den Bestimmungen.

Hausrecht: Inhaber entscheiden selbst, ob sie Ausnahmen zulassen

Im Alltag bekommen viele Betroffene aber kaum Gelegenheit, ihre Begründung vorzulegen. Denn in Geschäften und Gastronomie haben die Inhaber Hausrecht. Sie erlassen häufig eine generelle Maskenpflicht, auch um andere Kunden nicht zu verunsichern. 

Lüdenscheids erster Tag mit Maskenpflicht

Die Inhaber alleine entscheiden, ob sie Ausnahmen zulassen. Während Kinder unter sechs Jahren (noch nicht schulpflichtig) – auch sie sind von der Maskenpflicht befreit – in Begleitung ihrer Eltern häufig nicht behelligt werden, müssen Kranke oder Behinderte ohne Mund-Nasen-Schutz jederzeit damit rechnen, angesprochen zu werden. 

Patienten mit Atemwegserkrankungen sind doppelt gestraft

Ein besonderes Problem sind Personen mit Atemwegserkrankungen, die das Atmen durch einen Mund-Nasen-Schutz erschweren. Denn: Handelt es sich um eine chronische Erkrankung, dürften die betreffenden Personen oft zu den Covid-19-Risikogruppen zählen und ein besonderes Schutzbedürfnis haben.

"Eigentlich verbietet sich [...] sogar generell der Zutritt zu entsprechenden Einrichtungen."

„Und akute Atemwegserkrankungen sollten als Symptome einer möglichen Covid-19-Infektion gerade jetzt mindestens ein Anlass zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung sein; eigentlich verbietet sich sogar vorbehaltlich einer medizinischen Abklärung generell der Zutritt zu entsprechenden Einrichtungen“, heißt es in den Ausführungsbestimmungen zur Maskenpflicht. Die Corona-Streife der Stadt kontrolliert gemäß dieser Vorgaben.

Alle Neuigkeiten rund um das Coronavirus gibt es in unserem Corona-Ticker für den Märkischen Kreis

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